Am Sonntag entschied Donald Trump, dass er noch nicht fertig war mit seinen Attacken gegen die Journalistin Kaitlan Collins. Zwei Tage zuvor hatte er die CNN-Reporterin und weitere Medienvertreter beim White House Correspondents‘ Dinner beleidigt. Nun postete der Präsident auf seiner Plattform „Truth Social“ ein manipuliertes Bild. Darauf war Collins‘ Gesicht auf dem Körper der Schauspielerin Dylan Mulvaney zu sehen, die transgender ist. Bei der Veranstaltung, die wegen der Schüsse auf Trump im Frühjahr nun nachgeholt worden war, hatte Trump Collins lächerlich machen wollen. Er habe gedacht, dass die Journalistin, nicht Mulvaney, das neue Werbegesicht der Biermarke „Bud Light“ sei, so der Präsident.Trump bediente damit Themen des rechten Kulturkampfes: MAGA-Anhänger hatten das Bier wegen einer Werbekampagne mit Mulvaney boykottiert. Zudem glauben viele Rechte, es sei für Frauen eine Beleidigung, mit Transgender-Frauen verglichen zu werden. In seiner Rede behauptete Trump auch, die Arbeit von Collins, die er schon oft beschimpfte, sei „fake“. Deren Äußeres nahm er sich ebenfalls erneut vor und bezeichnete Collins als „junge, attraktive Frau“, die „öfter lächeln“ müsse.Vorladungen gegen ReporterPersönliche Angriffe auf Journalisten und das sexistische Abkanzeln von Journalistinnen gehören seit Jahren zu Trumps Stil. Von vielen Kritikern werden seine Ausfälle aber nicht nur als persönliches Verhalten bewertet. Schließlich flankieren diese Beschimpfungen die zunehmenden politischen und institutionellen Attacken auf die Pressefreiheit. In den letzten Monaten griff Trumps Regierung immer öfter zu Maßnahmen, die früher als sehr ungewöhnlich galten. So stellten Bundesstaatsanwälte verschiedenen Medien Vorladungen zu, zuletzt vier Journalisten der „New York Times“, die über Sicherheitslücken an Bord der neuen Air Force One berichtet hatten. Erst als die Zeitung gerichtlich dagegen vorging, zog der Bundesstaatsanwalt die Vollstreckungsbefehle zurück.Zuvor waren auch Journalisten anderer Zeitungen ins Visier geraten. Ein Reporter des „Wall Street Journal“ erhielt wegen eines Berichts über einen möglichen längeren Militäreinsatz gegen Iran ebenso eine Vorladung wie die „Washington Post“ wegen einer nicht näher bekannten Recherche. In beiden Fällen zogen die Behörden die Vollstreckungsbefehle zurück. Und als das FBI die Wohnung einer Journalistin der „Post“ durchsuchte, versicherten die Ermittler, dass die Untersuchung gar nicht ihr selbst gegolten habe.Dennoch zeigen die Vorgänge aus Sicht vieler Journalisten, dass die Trump-Regierung den Druck auf sie erhöht. Parallel dazu geht der Präsident juristisch aggressiv gegen Medien vor: Gegen die „New York Times“, das „Wall Street Journal“ und die BBC reichte er Klagen ein. Auch sein FBI-Chef Kash Patel klagt wegen unliebsamer Berichterstattung gegen das Magazin „The Atlantic“. Und der Zugang zur Regierung wird für kritische Journalisten immer stärker eingeschränkt. Im Pentagon etwa dürfen sich Reporter nur noch in Begleitung bewegen.Normalisierung des UnnormalenBranchenorganisationen warnen, dass die Angriffe auf journalistisches Arbeiten abschreckende Effekte haben könnten. Das „Wall Street Journal“ berichtete kürzlich, dass Redaktionen und Journalisten einschlägige Beratungen, Medienanwälte und Medienhaftpflichtversicherungen stärker nachfragten als früher. Die Regierung behandelt die unabhängigen Medien schließlich zunehmend als politische Gegner. Das Correspondents‘ Dinner zeigte dieses Verhältnis nur besonders deutlich.Kritiker wie Peter Baker, Korrespondent der „New York Times“ für das Weiße Haus, fordern nun, die gesamte Veranstaltung zu überdenken. Die „Times“ nimmt bereits seit 2008 nicht mehr mit Gästen an bezahlten Tischen, sondern nur noch mit ein oder zwei Berichterstattern teil. Ein Grund ist die Nähe zwischen Journalisten und Regierung, die bei dem Dinner der White House Correspondents‘ Association (WHCA) sichtbar werde.Während viele Journalisten wie Baker Trumps Auftritt dort scharf kritisierten, blieben Konservative zurückhaltend. Der als eher moderat geltende republikanische Kongressabgeordnete Mike Lawler aus New York etwa übte in einem TV-Interview nur Stilkritik und meinte, Trump sei schon witziger gewesen. Trumps Botschaft an Kaitlin Collins als besonders sichtbare Vertreterin des Politikjournalismus galt jedoch allen unabhängigen Journalisten. Nicht nur MAGA-Anhänger, auch Konservative normalisieren diese Einschüchterungsversuche durch ihr Abwiegeln.
Trump attackiert CNN-Journalistin Kaitlan Collins
Beim Galadinner der Hauptstadtpresse beleidigt Donald Trump wieder einmal Journalisten. Seine Attacken sind keine Einzelfälle, sondern flankieren immer häufigere Angriffe seiner Regierung auf die Pressefreiheit.















