Die Grenzkontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze sollen ja angeblich dem Schutz der Heimat dienen. Obwohl diese Kontrollen mehrmals von Gerichten als unrechtmäßig beurteilt wurden, ziehen das bayerische Innenministerium und die Bundespolizei dazu weiterhin gern Erfolgsbilanzen. Da geht es dann zum Beispiel um die Mengen an Menschen und Waffen, die wieder aus dem Verkehr gezogen worden sind. Was das betrifft, hat sich eine Kontrolle vor ein paar Wochen im Berchtesgadener Land wirklich gelohnt, bei der die Bundespolizei 34 Bewaffnete auf einmal aus einem Bus geholt hat.Diese 34 Be- und dann bald Entwaffneten betrachten sich zwar selbst als ausgewiesene Heimatschützer – hier konkret des „heil'gen Lands Tirol“, wie es in dessen Landeshymne heißt, dem Andreas-Hofer-Lied. Doch wie sich nun herausgestellt hat, pflegten immerhin zwölf von ihnen beim Heimatschützen offenbar gern Gewehre mit Hakenkreuzen in der Hand zu halten.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Trotzdem gelten jene Männer vorerst nicht als Mitglieder einer Wehrsportgruppe, sondern dreier verschiedener Kompanien von Tiroler Gebirgsschützen. Sie waren auf dem Heimweg aus Salzburg, wo sie mit Erzbischof Franz Lackner dessen 70. Geburtstag und 35. Priesterjubiläum gefeiert hatten. Dass sie ihre Gewehre auch noch während der Rückfahrt ins heil'ge Land zur Hand hatten und nicht sicher gelagert oder wenigstens besser verborgen droben auf der Stopselhutablage, das war schon der erste Fehler. Denn so war mindestens eine Waffe von außen zu sehen und gab der Polizei allen Anlass, den Bus und seine insgesamt 50 Insassen zu kontrollieren.Und dabei zeigte sich dann, dass die Tiroler Schützen – zweiter Fehler – nicht die nötigen Papiere dabeihatten, um mit ihren Waffen das Kleine deutsche Eck bei Bad Reichenhall passieren zu dürfen. Dass diese gut 20 Kilometer lange Strecke von Österreich nach Österreich über deutsches Gebiet führt, ist für die Schützen nun zusätzlich zum Problem geworden.Die Staatsanwaltschaft in Tirol hat ihre Ermittlungen wegen der Hakenkreuze, welche die Bundespolizei auf zwölf der 34 Gewehre entdeckt hatte, nämlich schon wieder eingestellt. Das hat dieser Tage die österreichische Nachrichtenagentur apa berichtet. Die ins Metall geprägten Symbole seien ja bloß einen halben Zentimeter groß und nur sogenannte Beschusszeichen von amtlichen Waffenprüfungen aus der NS-Zeit, hieß es sinngemäß von Schützen wie Staatsanwälten aus Innsbruck. Dahinter stecke gewiss keine politische Absicht. Die Hakenkreuze seien so schlicht Bestandteil der historischen Waffen, von denen einige aus dem Zweiten Weltkrieg stammten.Das deutsche Recht ist da aber etwas strenger und erkennt eigentlich keine historischen Gründe an, aus denen irgendwo ein Hakenkreuz abgebildet oder eingeprägt sein mag. Auf Vorsatz, Öffentlichkeit und Wahrnehmbarkeit, also unter anderem auf die Größe der Symbole, werde es aber auch hier ankommen, teilt die Staatsanwaltschaft im oberbayerischen Traunstein mit, die weiterhin ermittelt. Warum die betreffenden Schützen mit Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg herumhantieren und warum sie nicht längst auf die Idee gekommen waren, die Hakenkreuze wenigstens abzukleben, das wird aber wohl in ihren Stopselhutablagen verborgen bleiben.
Bayern: Bei Kontrolle an der Grenze werden Gebirgsschützen entwaffnet
Die Bundespolizei stoppt 34 Tiroler Schützen. Bei der Kontrolle finden sich auf einigen Waffen Hakenkreuze aus der NS-Zeit.






