AnalyseAnleger lassen derzeit grosse Rüstungsunternehmen mit umfassendem Angebot wie Rheinmetall links liegen. Kleinere Anbieter mit einem klaren Profil bieten eine Eigenschaft, die den Vollsortimentern fehlt.Drei kleine Notizen zeigen, wie gross das Spektrum der Rüstungsbranche aus Anlegersicht derzeit ist: Da wäre der 1. Juli, an dem der Panzerbauer KNDS den Börsengang mangels Nachfrage absagte. Am 13. Juli wiederum betrat der Antennenspezialist SMAG zwar das Börsenparkett, musste aber einen Kursrücksetzer hinnehmen. Ganz anders Exail: Der Spezialist für Unterwasserdrohnen blickt nicht nur auf ein erfolgreiches Börsenjahr zurück, sondern erhielt auch Übernahmeangebote der französischen Rüstungskonzerne Safran und später Thales.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das zeigt, dass der Sektor allein kein Kaufargument mehr ist. Entscheidend ist vielmehr, ob die Unternehmen liefern können, was derzeit besonders gefragt ist.Stille Trendwende bei InvestorenDer Nachholbedarf westlicher Armeen ist gross. Das gilt für das Auffüllen des Arsenals mit militärischem Schwarzbrot wie Artilleriemunition oder auch Schützenpanzern. Der Bedarf umfasst aber auch moderne Technologie wie Drohnen, Langstreckenraketen oder die Fähigkeit, das Schlachtfeld per Sensorik transparent zu machen. Sie sind neben dem herkömmlichen Grossgerät entscheidender Baustein moderner Kriegsführung, wie die Entwicklungen in der Ukraine und dem Iran zeigen. Eine ganze Reihe spezialisierter kotierter Unternehmen ist auf diesem Feld aktiv.Der europäische Verteidigungsinvestitionszyklus trete in seine nächste Phase ein, sagt Joakim Agerback, Fondsmanager des Finserve Global Security Fund mit Fokus auch auf Rüstungsanbieter weltweit. Das nehme der Markt zunehmend wahr. Eine entscheidende Rolle dabei spielt Elektronik. «Moderne Gefechtsfähigkeit wird vernetzter und softwarebasierter», sagt Hans-Jörg Kutschera, Partner des Beratungshauses Strategy& Deutschland. «Sensoren, Radar, elektronische Kampfführung und Datenaustausch sind zu den eigentlichen Differenzierungsmerkmalen geworden.»Dazu kommt die Erkenntnis der Anleger, dass ein pralles Orderbuch nur bedingt als Kriterium der Qualität eines Unternehmens taugt. Denn die meisten Rüstungsgesellschaften haben «aussergewöhnlich hohe Auftragsbestände», wie es Clemens Berendt formuliert, Lead Portfoliomanagement von ApoBank.Beim Produktionshochlauf haben kleinere, fokussierte Anbieter häufig strukturelle Vorteile, wie etwa eine geringere Komplexität in der Lieferkette, sagt Kutschera: «Wer nur eine Technologie skaliert, muss nicht mehrere Wertschöpfungsketten parallel hochfahren.»Übernahme voraus: ExailExail stellt vor allem Unterwasserdrohnen her. The Market hat das Unternehmen im Juli 2025 erstmalig vorgestellt. Die Drohnen werden zum Beispiel zur Überwachung, aber auch zum Minenräumen eingesetzt. Weil sich mit Seeminen Häfen oder Wasserstrassen einfach und kostengünstig sperren lassen, hat die Fähigkeit zum Räumen für die Nato hohe Priorität. Exail ist weltweit einer der wenigen Anbieter kompletter Minenräum-Drohnensysteme aus einer Hand.Exails Unterwasserdrohne A9-M.ZVGDie Übernahmeangebote von Safran (inzwischen sind die Gespräche beendet) und Thales zeigen, dass diese Position nicht ungesehen bleibt. Thales bietet 134 € pro Aktie und will der Eignerfamilie Gorgé ihren 35,51%-Anteil abkaufen. Angepeilt ist die vollständige Übernahme. Abgeschlossen werden soll die Übernahme des Gorgé-Anteils im dritten Quartal 2027. Für 2028 peilt Thales den Beginn der umfassenden Übernahme an. Für neue Anleger bedeutet das angesichts der aktuellen Notierung ein Kurspotenzial von gut 8% und ein Delisting, falls Thales die Pläne umsetzt. Ein Langfristinvestment wäre Exail daher nicht.Solche Übernahmen dürften kein Einzelfall bleiben. «Die Bilanzen vieler Grossunternehmen sind durch Rekordaufträge gut gefüllt», sagt Berater Kutschera. Mit Zukäufen liessen sich Fähigkeitslücken schneller schliessen als durch organisches Wachstum.Luftverteidigung auf dem Radar der Börse: HensoldtEin Demonstrator mit Hensoldt-Sensorik.ZVGHensoldt aus Taufkirchen bei München ist auf die Herstellung von Sensoren und Optronik spezialisiert und damit auf die Technologie, die hilft, das Umfeld auf militärische Bedrohungen abzusuchen. Diese Fähigkeit ist entscheidend für die Bekämpfung von Drohnen oder Raketen. Mit ihren Produkten beliefert Hensoldt andere Rüstungsanbieter.Das Spexer-Radar beispielsweise wird im Luftabwehrpanzer Skyranger von Rheinmetall verbaut. Ceretron wiederum ist eine Software, die die Vielzahl der Daten, wie Sensoren auf Landfahrzeugen jeder Art sie erfassen, bündelt und sortiert. Dazu kommen Angebote wie MDOCore, das eine vergleichbare Aufgabe plattformübergreifend erledigt.Für Benjamin Heelan und Lorenzo Di Patrizi von Bank of America bilden diese beiden Produkte das Rückgrat von Hensoldts strategischer Neuausrichtung auf softwaredefinierte Verteidigung. Software biete den Anbietern wiederkehrenden, margenstarken Erlös durch regelmässige Updates oder Data-as-a-Service-Modelle, erklärt Berater Kutschera. «Ein qualitativer Sprung gegenüber dem klassischen Hardware-Einmalverkauf.»Schon jetzt schlägt sich die gute Marktposition in der Umsatzentwicklung nieder: Zwischen 2020 und 2025 verdoppelte sich die Grösse von 1,2 auf 2,5 Mrd. €. 2026 sollen es 2,8 Mrd. sein, prognostiziert das Unternehmen. Im selben Zeitraum stieg der Gewinn auf Stufe Ebitda von 291 auf 504 Mio. €. Für 2027 prognostizieren die von Bloomberg erfassten Analysten 625 Mio. €. Wie sich diese Entwicklung fortsetzt, zeigt der 31. Juli. Dann berichtet das Unternehmen über das zweite Quartal.Bei der Profitabilität (gemessen an der Ebitda-Marge) zeigte sich Hensoldt mit 21% zuletzt robuster.Die Eigenkapitalrendite (ROIC) lag 2025 bei 6 und damit etwas unter dem Niveau des Vorjahres (8).Um den Wachstumskurs zu stützen, hat Hensoldt zuletzt den niederländischen Optronikspezialisten Nedinsco übernommen. Die Transaktion sei unter anderem «ein gezielter strategischer Schritt zur Skalierung der Produktionskapazitäten». Am 1. Juli wurde der Abschluss des Deals vermeldet. Dazu kommt, dass das Unternehmen die Türen für die knappe Ressource neuer Mitarbeiter mit Kooperationen mit Aumovio und Voith weit geöffnet hat. Während die Zulieferer unter der Dauerkrise der Autobranche leiden, sucht Hensoldt Arbeitskräfte.Nicht nur Nachtsichtgeräte: TheonDas griechische Unternehmen Theon sorgt dafür, dass Soldaten besser sehen. Sei es mit Nachtsichtgeräten oder mit Infrarotgeräten, mit denen sich Wärmesignaturen von Gegnern ausmachen lassen. Beide lassen sich wie eine Art Brille am Helm befestigen. Bei den Nachtsichtgeräten ist Theon Weltmarktführer.Nachtsichtgerät von Theon im natürlichen Umfeld.ZVGDerzeit machen sie gut 90% des Umsatzes aus. Der Markt bietet viel Wachstumspotenzial. In den USA habe rechnerisch jeder der 1,3 Mio. Soldaten zuzüglich der 760ʼ000 Nationalgardisten ein Nachtsichtgerät, hiess es auf dem Kapitalmarkttag am 6. November 2025. In Europas Militär (rund 1,5 Mio. Soldaten) sei es nur jeder Dritte. Angesichts der starken Marktposition und des Drucks, Soldaten angemessen auszurüsten, sind das gute Aussichten für Theon.Doch Wachstum soll auch aus der Erschliessung neuer Märkte kommen. Inzwischen liefert Theon auch Systeme, die auf Fahrzeugen montiert werden (Plattformgeschäft). Mittelfristig soll dieses Segment 20% des Umsatzes ausmachen und die Nachtsichtgeräte 50%. Den Rest sollen tragbare Geräte für Infanteristen erwirtschaften, die mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) potenzielle Ziele erkennen und klassifizieren.Auch in seiner heutigen Form wächst das Unternehmen kräftig. Von 2024 auf 2025 stieg der Umsatz um 26% auf 443 Mio. €.Der Gewinn auf Stufe Ebit wuchs im selben Zeitraum um 28% auf mehr als 116 Mio. €. Am 27. Juli berichtet das Unternehmen über das zweite Quartal.Theon steht wie andere Gesellschaften vor der Herausforderung, die Produktion hochzufahren und gleichzeitig einen reibungslosen Ablauf der Lieferketten sicherzustellen. Wie wichtig das ist, zeigt der Auftragsbestand von 1,4 Mrd. €. Gemessen am Umsatz von 443 Mio. € wäre das Unternehmen mehr als drei Jahre mit der Abarbeitung beschäftigt.Kein Wunder also, dass die Griechen unter anderem ein Angebot für 80% an Merio sowie für HGH abgegeben haben. Merio soll auch helfen, das Plattformgeschäft voranzutreiben. Die Akquisition von HGH wiederum beschleunige Theon in einem der am schnellsten wachsenden Segmente, schreibt Oddo in einer Analyse und nimmt damit Bezug auf die HGH-Fähigkeit der Drohnenabwehr.Tatsächlich gehe es bei solchen Transaktionen nicht mehr nur darum, Produktionskapazitäten zu erhöhen, sagt Fondsmanager Agerback. Sie zielten auch darauf ab, sich den Zugang zu Technologien zu sichern, das Produktportfolio zu erweitern und Regierungen ein immer breiteres Spektrum an Fähigkeiten anzubieten.Theon sichere die Lieferkette durch langfristige Handelsvereinbarungen mit wichtigen Lieferanten für alle kritischen Komponenten ab, sagt Nikos Malesiotis, Head of Investor Relations bei Theon. Darüber hinaus habe man Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen an einigen der wichtigsten Lieferanten erworben. Mit einem Langfristabkommen mit Exosens hat sich Theon zum Beispiel Nachschub von Bildverstärkerröhren gesichert. Diese Röhren sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Nachtsichtgeräte. Dazu kommt der Ausbau der Produktion für das Plattformgeschäft in Koropi, dem Sitz des Unternehmens.Diese Investitionen und die breitere Aufstellung lasten auf der Kapitalrendite (ROIC), die von 42% (2021) auf 18% (2025) gesunken ist. Ist die Phase abgeschlossen, dürfte sie steigen. Das zeigen auch die Analystenschätzungen für die Profitabilität.Vincorion: Zulieferer unter anderem für Patriot-LuftabwehrVincorion sorgt mit dem Modul GTD chaser v für die Stabilisierung der Waffenanlage des Puma.Vincorion liefert ebenfalls keine Grosssysteme, sondern Bausteine dafür. Konkret hat sie drei Geschäftsbereiche. Erstens stellt sie Systeme für die Energieversorgung und die Stabilisierung von Militärfahrzeugen wie den Panzern Leopard und Puma her (Vehicle Systems).Zweitens produziert sie Systeme zur Energieversorgung für Luftabwehrsysteme wie Patriot und Iris-T (Power Systems). Drittens baut sie Rettungswinden und Heizsysteme für die Luftfahrt (Aviation). 2025 machten Vehicle Systems die Hälfte des bereinigten Rohertrags aus (31 Mio. €), dahinter folgten die Energieversorgung (20 Mio. €) und die nochmals deutlich kleinere Sparte Luftfahrt (11 Mio. €).Das Unternehmen aus dem kleinen Wedel vor den Toren Hamburgs hat einige der grossen Namen auf der Kundenliste. Beispiele sind KNDS, Rheinmetall oder auch der Produzent des Patriot-Luftabwehrsystems Lockheed Martin.Weiteres Wachstum könnte beispielsweise vom grossen Bedarf an Luftabwehrsystemen getrieben werden. CEO Kajetan von Mentzingen erklärte gegenüber Berenberg-Analysten auf der Rüstungsmesse Eurosatory, dass das Tempo des Ausbaus der Produktion von Patriot-Luftabwehrraketen bei RTX (vormals Raytheon) zu einem Gutteil auch von den Zulieferern abhänge. Er zeigte sich optimistisch mit Blick auf die Nachfrage nach den Luftverteidigungssystemen Patriot und Iris-T SLM. Bei der Europäischen Union (EU) steht die Luftabwehr ganz oben auf der Prioritätenliste.Auch Vincorion geht Kooperationen ein, um das Portfolio zu erweitern. Das unbemannte Landfahrzeug RDX-1 zum Beispiel entstammt einer Partnerschaft mit Reactive Dynamics, zu der Vincorion die Energiesysteme beisteuert, mit der beispielsweise Drohnen geladen werden. Vincorion hat gemäss dem Management die Kapazitäten und die Mittel, um die Produktion hochzufahren. Allerdings werde sie erst investieren, wenn Verträge unterzeichnet seien.Mit Felix Zander hat das Unternehmen seit Juni auch einen Leiter für Investor Relations und damit einen Ansprechpartner für Investoren. Am 13. August berichtet es über das erste Halbjahr.Hohe Nachfrage, hohe Bewertung?Wie steht es um die Bewertung der Unternehmen?Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, auf Basis des geschätzten Gewinns der nächsten zwölf Monate) von 44 ist Exail auch im Vergleich zur Konkurrenz recht hoch bewertet. Hensoldt ist gemessen am KGV höher eingestuft als im langfristigen Schnitt.Allerdings ist das Unternehmen so etwas wie ein Pure Play und kann dank seines klaren Fokus auf Nachrüstung in seine Bewertung hineinwachsen. Bank of America schreibt in einer Studie, Hensoldt sei ein Hauptnutzniesser der gestiegenen Investitionen in Luftabwehr in Deutschland und Europa.Theons Bewertung dagegen liegt gemessen an der Relation vom Unternehmenswert zum Gewinn (auf Stufe Ebitda) von 14 nur etwas über dem Schnitt von 13. Sie ist jedoch erst seit dem Frühjahr 2024 an der Börse. Ein ähnliches Bild zeigt das KGV.Im Vergleich zur Konkurrenz rangiert die Bewertung eher am unteren Ende (siehe Tabelle).Das KGV von Vincorion lag zuletzt bei 24. Da der Börsengang erst am 20. März vollzogen wurde, ist der Vergleich mit der Historie nicht zielführend. Im Konkurrenzvergleich indes ist das Unternehmen eher niedrig bewertet.Zweite Reihe, erste Wahl?Die Aktien der genannten Unternehmen profitieren von der besonderen Bedeutung, die Rüstungselektronik heute hat.Die vier Unternehmen im KursvergleichExail ist ein besonders wachstumsstarkes Start-up. Wegen der Übernahme sind Kursfantasie und Anlagehorizont für Neuinvestoren begrenzt. Hensoldt ist als Platzhirsch in Sachen Luftverteidigung auch langfristig einen Blick wert.Theon punktet mit der geschickten Wachstumsstrategie. Als kleines Unternehmen könnte der Weltmarktführer für Nachtsichtgeräte auch ein Übernahmeziel sein. Für Vincorion bietet sich angesichts der kurzen Börsenhistorie ein Platz auf der Watchlist an.Der Autor hält Aktien von Exail und Hensoldt.
Kleinere Rüstungsunternehmen punkten mit einem klareren Profil als Vollsortimenter
Abseits von Rheinmetall & Co.: kleinere Rüstungsanbieter mit Elektronikfokus als Trendprofiteure







