Michel Friedman und Katharina Wagner: »Die Diktatur verachtet den Menschen nicht, sie sieht ihn nicht einmal«

Der jüdische Publizist Michel Friedman hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele zu Engagement für Demokratie und gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft aufgerufen. »Was muss eigentlich noch passieren, dass wir unsere Demokratie persönlich verteidigen«, fragte der 70-Jährige im Festspielhaus bei einer Gedenkveranstaltung für während des NS-Regimes verfolgte und ermordete jüdische Musiker.

Inzwischen sei klar, »dass wir den Anfängen nicht genug gewehrt haben, sondern mittendrin sind«, sagte er auch mit Blick auf Sachsen-Anhalt, wo die AfD rund sechs Wochen vor der Landtagswahl laut Umfragen mit mehr als 40 Prozent deutlich vorn liegt. Gerade den Menschen, die heute gern nörgelten, müsse man klarmachen: »Sie müssen demokratisch wählen, damit sie morgen noch entspannt nörgeln können.«

Friedman, aus dessen Familie seinen Angaben zufolge 50 Menschen von den Nationalsozialisten ermordet wurden, betonte: Hass auf Juden, Hass auf Muslime, Hass auf Frauen oder Homosexuelle sei vor allem eins: Hass auf Menschen. »Die Diktatur verachtet den Menschen nicht, sie sieht ihn nicht einmal«, sagte Friedman. Darum müssten alle überzeugten Demokraten ihre Stimme erheben und Werbung machen für »das bessere Produkt«.