Zum Zeitpunkt des Angriffs auf den CSD war unser Autor im Tiergarten. Mit einem Freund, der schon mehrere Anschläge erlebt hat. Was macht das mit uns?
D er Tiergarten ist ein Sommernachtstraum, gerade am CSD. Da schleichen im Mondlicht mehr oder weniger Nackte und Glitzernde durchs Unterholz, Trauerweiden hängen in dunkle Tümpel, leibhaftige Kaninchen hüpfen über die Wiesen. Musik dröhnt vom Brandenburger Tor her und bricht sich an Tausend Bäumen.
Umso krasser der Kontrast, als die Musik verstummt und ein Freund und ich um kurz nach 22 Uhr aus dem Wald auf die Straße des 17. Juni treten. „Abbruch“ steht auf den warngelben Videowänden hier. „Bitte geht nach Hause, der CSD ist abgebrochen.“
Ob das normal sei, fragt der Freund, der aus Barcelona stammt, aber in London lebt. „Ist hier so früh Schluss?“ Das ist nicht normal, das weiß ich von vielen Malen auf dem Berliner CSD. Ich bin Journalist, ich checke die App, die ich für Agentur-Eilmeldungen habe. Nichts.
Wir folgen den Anweisungen. Der Freund kann nicht nach Hause gehen, ich hake ihn unter, schlage ihm vor, zu Fuß zu seinem Hotel zu gehen, die Bahnen müssen völlig überfüllt sein. Auch auf den Gehwegen Hunderte Queers, die sich vom Tiergarten entfernen, ruhig, scherzend, lachend. Der Freund neben mir stumm.










