Deutschlands Schulen im freien Fall: Ein Viertel der Neuntklässler scheitert an mathematischen Mindeststandards und die Pisa-Ergebnisse kennen seit 2012 nur eine Richtung – nach unten. Doch während die Politik nach immer mehr Digitalisierung ruft, warnt der Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer vor einer „Ideologie der Gleichheit“, die den Leistungsgedanken systematisch aushöhlt. Im Interview spricht er darüber, warum der Versuch, Bildungsergebnisse zu erzwingen, in einer „Blödheit für alle“ zu enden droht, weshalb das finnische Vorbild wankt und warum deutsche Schulen eine Rückkehr zu Leistung und Anstrengung benötigen.Herr Zierer, der gerade erschienene Bildungsbericht kommt mit neuen Meldungen zum Bildungsnotstand in Deutschland: Die durchschnittlichen Leistungen der Schüler sind in den letzten zehn Jahren deutlich gesunken. In der neunten Jahrgangsstufe etwa verfehlt ein Viertel den Mindeststandard in Mathematik, 15 Prozent erfüllen die Anforderungen für den niedrigsten Schulabschluss nicht. Die Liste ließe sich fortsetzen. Wie ist das passiert?Die Gründe sind vielfältig. Einer ist sicherlich in der Migration zu sehen, der zweite in der verfehlten Digitalisierungspolitik und der dritte in der Ideologie, aufgrund derer wir seit Jahren den Leistungsanspruch aus dem Bildungssystem nehmen. Ich habe das zusammen mit Matthias Brodkorb, dem ehemaligen Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern, in unserem Buch „Tyrannei der Gleichheit“ beschrieben. Wer keine Leistung fordert, wird auch keine bekommen.