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Handelsstreit: Jamieson Greer – der Stratege hinter Trumps Zollkurs Hinter den jüngsten Strafzöllen der USA steht ein Mann, der aus tiefer Überzeugung handelt. Er ist einer der größten EU-Skeptiker in Donald Trumps Regierung.

Donald Trump und Jamieson Greer: Greer ist die Schlüsselfigur für diese aggressive und umfassende Zollpolitik von Trump. Foto: Getty Images via AFPWashington, Berlin. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer hatte viel zu erklären in der vergangenen Woche. Diese begann damit, dass er neue Zölle gegen Kanada rechtfertigen musste. Und sie endete damit, dass er neue Zölle gegen 60 Länder präsentierte, darunter die Europäische Union, Großbritannien, Argentinien, Australien, China und Japan.Greer ist die Schlüsselfigur für diese aggressive und umfassende Zollpolitik von Trump. Der 45-jährige Jurist bereitet die Optionen für den Präsidenten vor, aus denen dieser dann seine favorisierte wählt.Handelskrieg Trump droht wegen Google-Strafe mit neuen Zöllen: „Die EU wird einen sehr hohen Preis zahlen“ Greer hat in den vergangenen Monaten immer mehr an Bedeutung in der US-Regierung gewonnen und sich zu einem seiner wichtigsten Berater hochgearbeitet.Dabei gilt Greer als eher still und zurückhaltend. Das ist eher untypisch neben den oft laut und sendungsbewusst auftretenden Regierungsmitgliedern wie Trump selbst, aber auch seinem Vizepräsident J.D. Vance, Steven Miller, Vizestabschef im Weißen Haus, oder Verteidigungsminister Pete Hegseth.Aber er hat etwas, das dem Präsidenten gefällt: Greer ist in Trumps Regierung einer der größten Skeptiker der Europäischen Union (EU). In seiner ersten größeren Stellungnahme als Kabinettsmitglied im Frühjahr 2025 bezeichnete er die Wirtschaftspolitik der EU als „realitätsfern“.„Unsere Autos sind genauso sicher wie eure“Immer wieder drängt Greer darauf, dass sich die EU deutlich breiter für amerikanische Importe öffnet. „Unsere Autos sind genauso sicher wie eure, unsere Lebensmittel sind genauso gut wie eure“, sagte er am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos im Januar dieses Jahres. Europa „weigere“ sich, US-Standards als gleichwertig zu akzeptieren, kritisierte Greer.Handelskonflikt Trump kündigt neue Strafzölle gegen 60 Handelspartner an – die wichtigsten Fragen und Antworten Bereits 2022 hatte er in einer Rede die Abhängigkeit Europas von russischem Gas scharf kritisiert, die vor dem Ukrainekrieg noch erheblich war. Noch heute legt er europäischen Diplomaten nahe, dass mehr US-Energieexporte nach Europa ein Schlüssel zur Lösung des transatlantischen Handelskonflikts sein könnten.„Die EU verzeichnet gegenüber den Vereinigten Staaten einen enormen Handelsüberschuss von über 200 Milliarden Dollar“, sagte Greer im Mai in einem Interview mit dem Thinktank Council on Foreign Relations. Die Zahl bezieht sich allerdings ausschließlich auf den Warenhandel.Rechnet man Dienstleistungen hinzu, beträgt der Überschuss der EU gegenüber den USA nur rund 20 Milliarden Euro. Greer argumentiert dennoch mit dem Warenhandel und kritisierte: „Der Überschuss der EU gegenüber den USA ist größer als der Chinas gegenüber den USA.“Vom McDonald’s-Job in die RegierungDer US-Präsident scheint ihm zu vertrauen. Denn Greer stand bereits nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs vor der Aufgabe, Ersatz für Trumps ursprüngliche Zölle zu finden. Diese hatte der Präsident an dem von ihm „Liberation Day“ („Tag der Befreiung“) genannten Tag im April 2025 verkündet. Nachdem der Supreme Court die Abgaben für rechtswidrig erklärt hatte, musste die US-Regierung neue Wege suchen.Am Donnerstag vergangener Woche verkündete Trump darum seine nächste kreative Begründung für die Sonderabgaben: Die Länder bekommen Zölle auferlegt, weil sie nicht ausreichend kontrollieren, dass exportierte Produkte keine Zwangsarbeit enthalten.Handelskrieg Trump droht wegen Google-Strafe mit neuen Zöllen: „Die EU wird einen sehr hohen Preis zahlen“ Greer steckte auch hinter den ursprünglichen Zöllen, die vom Supreme Court für ungültig erklärt worden waren. In einem Interview mit der „New York Times“ verteidigte er sie jüngst. „Es war entscheidend und wichtig, dass wir dieses Gesetz angewandt haben, da wir auf einen Notfall reagierten“ so Greer. „Wir mussten sehr, sehr schnell handeln.“Dahinter steckt seine Annahme, dass die Defizite in der US-Handelsbilanz der amerikanischen Wirtschaft schaden und Arbeitsplätze kosten.Zwischenwahlen in den USA Wie Trump-treue Republikaner das US-Wahlrecht ändern wollen Greer wuchs in einfachen Verhältnissen als eines von fünf Geschwistern in einer kleinen Stadt namens Paradise in Kalifornien auf. Ein Ort, den Greer in seinem Interview mit der „New York Times“ als „ganz und gar von der Arbeiterklasse geprägt“ bezeichnete.Seine Familie lebte in einem in den USA bei Geringverdienern verbreiteten mobilen Häuser, eine sehr einfache Form der Unterkunft. Greer besuchte eine öffentliche High School und jobbte nebenbei bei der Fast-Food-Kette McDonald’s.Sein Vater, der selbst immer wechselnde Jobs hatte, und seine Mutter, die bei einer Bank arbeitete, legten Wert auf Bildung. Greer studierte Jura, machte einen Master-Abschluss in Global Business Law in Paris und verpflichtete sich beim US-Militär, wo er als Militäranwalt unter anderem in der Türkei und im Irak arbeitete.Was hat Trumps Zollpolitik den USA gebracht?Erst nach seiner Militärkarriere nahm sein Leben eine Wendung hin zum Thema Handel: Er trat eine Stelle bei der Washingtoner Kanzlei Skadden an, wo er US-Stahlunternehmen bei Handelsstreitigkeiten vertrat. Sein Chef bei Skadden war Robert Lighthizer, den Trump in seiner ersten Amtszeit als US-Präsident zum US-Handelsbeauftragten machte.US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer: Zentrale Figur in Trumps Zollpolitik. Foto: AFPGreer folgte Lighthizer und wurde sein Stabschef. Lighthizer gilt als einer der Initiatoren für die harte Zollpolitik unter Trump. Trump machte Greer dann 2025 zu seinem neuen US-Handelsbeauftragten.Haben Trump und Greer ihre Ziele erreicht? Wenn man Greers eigene Maßstäbe anlegt, eher nicht. In einem Beitrag für die „Financial Times“ schrieb er Ende 2025, dass er drei Indikatoren heranziehe, um den Erfolg ihrer Handelspolitik zu messen. Sie solle das Handelsdefizit senken, die Löhne amerikanischer Arbeiter erhöhen und den Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaft steigern.Tatsächlich ist das US-Handelsbilanzdefizit unter Trump bislang nicht wesentlich gesunken. Auch das Ziel des höheren Anteils des produzierenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt wurde bislang nicht erreicht.Der Trend zeigt seit Jahren nach unten, daran änderte auch Trump und seine Zollpolitik nichts. Greer argumentiert, dass diese allein eben nicht ausreiche, es brauche auch politische Maßnahmen, die das produzierende Gewerbe unterstützen. Verwandte Themen Donald TrumpEuropäische UnionUSAChinaEuropaEins ist daher sicher: Trumps Mann für die Zölle wird weiterhin viel zu tun haben. Derzeit laufen noch einige Untersuchungen der US-Regierung, an deren Ende neue Abgaben stehen könnten, etwa für Deutschland oder die EU.Zudem ist fraglich, ob die neuen, am Donnerstag verkündeten Zölle von Greer Bestand haben werden oder ob er in ein paar Monaten wieder auf die Suche nach Ersatz gehen muss – denn gegen sie wurden bereits die ersten Klagen eingereicht. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! 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