PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungFrankreichWenn jüdische Künstler von der Bühne gejagt werdenStand: 08:39 UhrLesedauer: 3 MinutenBarbara Butch, DJQuelle: AFP/JOEL SAGETDie queere jüdische Künstlerin Barbara Butch wurde in Grenoble mit Flaschen und Schotter beworfen. Ein weiteres Beispiel für den Fanatismus der antiisraelischen Boykottbewegung BDS – unterstützt von der französischen Linken.Inzwischen gelten also auch Flaschenwürfe auf jüdische Künstler als „friedlicher Boykott“. Die jüdische Künstlerin Barbara Butch musste ihren jüngsten Auftritt beim Festival Cabaret Frappé in Grenoble nach nur 20 Minuten abbrechen. Denn antiisraelische Aktivisten, darunter Amtsträger von Jean-Luc Mélenchons Linksaußenpartei „La France insoumise“, hatten zum „Protest“ und „Boykott“ gegen die DJane aufgerufen. Sie wurde dabei regelrecht von der Bühne gejagt.Mit dieser Störaktion offenbart sich einmal mehr der aggressive Fanatismus der antiisraelischen Boykottbewegung BDS, die jüdische und israelische Künstler aus der Kulturszene am liebsten vertreiben würde, wenn sie Israel nicht ablehnen und dem jüdischen Staat nicht einen „Genozid“ vorwerfen. Was stets als „gewaltfreie“ Protestform verkauft wird, setzt häufig auf Einschüchterungen, Drohungen oder eben Gewalt.Lesen Sie auchSo auch in Grenoble. Mehr als hundert Demonstranten begrüßten Barbara Butch mit Buhrufen, Beleidigungen und Palästinaflaggen. Sie warfen Schotter, Plastikgegenstände und Flüssigkeiten auf die Bühne. Glasflaschen zerschellten auf ihrem Mischpult und an ihren Füßen. Auch Kabel sollen zerschnitten worden sein, um den Auftritt zu verhindern.Barbara Butch ist in Frankreich ein bekanntes Gesicht. Die queere Künstlerin war 2024 Teil der Eröffnung der Olympischen Spiele in Paris, ihrer Heimatstadt. Das Tableau samt Drag-Performance löste Empörung bei christlichen Konservativen und rechten Kulturkämpfern aus, die darin eine Anspielung auf das Abendmahl sahen (eigentlich soll der griechische Gott Dionysos als Inspiration gedient haben, nicht Da Vinci). Sie wurde daraufhin mit Vergewaltigung, Folter und dem Tod bedroht.Eigentlich müsste sie von Linken gefeiert werdenDie feindselige Motivation hinter den Angriffen war offensichtlich: Hier trat eine starke, selbstbewusste, lesbische, jüdische Frau auf, die offensiv für Body Positivity eintritt. Sie ließ sich jedoch nicht einschüchtern. Einen Monat später trug sie als mutige Trotzreaktion die Flamme bei der Eröffnung der Paralympischen Spiele.Lesen Sie auchEigentlich müsste Barbara Butch deshalb von einer aufgeklärten, progressiven Linken als Heldin gefeiert werden. Wer könnte eine bessere Botschafterin der Intersektionalität sein? Stattdessen wird sie wieder bedroht – nun auch von links. Der Grund liegt auf der Hand. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie lesbisch oder „dick“ ist, wie sie sich selbst nennt.Vielmehr wird ihr vorgeworfen, die Position zu vertreten, dass der einzige jüdische Staat der Welt nicht vernichtet werden sollte. Konkret wird das an einem offenen Brief festgemacht, den sie im März unterschrieben hat. Dieser war als Unterstützung eines (mittlerweile verhinderten) Gesetzentwurfs gedacht, der neue Formen des Antisemitismus bekämpfen und unter Strafe stellen sollte – darunter Aufrufe, Israel zu zerstören.Lesen Sie auchBarbara Butch hat sich nach der Kritik am Gesetz inzwischen von dieser Unterschrift distanziert, schließlich sei sie keine Juristin, sondern DJ, sagt sie. Trotzdem berichtet sie, dass sie Ziel einer koordinierten Kampagne sei, die darauf abziele, sie aus der Kunstszene und dem öffentlichen Leben auszuschließen. Es ist nicht ohne Ironie, dass die Aktivisten, die Barbara Butch „Zensur“ vorwerfen und sich auf die Meinungsfreiheit berufen, nun ihren Auftritt in Grenoble gewaltsam beendeten.Barbara Butch gibt aber nicht klein bei. „Eine Demokratie wird daran gemessen, inwieweit sie diejenigen schützt, die der Mob zum Schweigen bringen möchte“, schreibt sie in einem Gastbeitrag mit ihrer Anwältin in „Le Monde“. Sie kündigt darin auch ihre Rückkehr auf die Bühne an. Und dafür verdient sie Applaus und Respekt.