Was nach Langeweile klingt, ist in Wahrheit eine Überraschung: Mannheim entpuppt sich als quicklebendige Universitätsstadt – und ist nur knapp drei Stunden von der Schweizer Grenze entfernt.Mannheim? Wieso Mannheim? Wo es doch Heidelberg, Tübingen oder Rothenburg ob der Tauber gibt? Tatsächlich gehört das zwischen Neckar und Rhein eingebettete Städtchen mit knapp 330 000 Einwohnern zu den unterschätzten Reisedestinationen in Deutschland. Für all jene, die trotzdem hinfahren, ist das eine gute Nachricht. Es bedeutet: kein Ramsch, wenige Touristen und vieles, was man ganz entspannt entdecken kann.Etwa die vielfältige Musikszene, die Mannheim den Unesco-Titel City of Music beschert hat. Die Stadt beherbergt die renommierte Pop-Akademie Baden-Württemberg sowie das Nationaltheater. Das wird zwar derzeit saniert, doch für die Dauer der Arbeiten finden die Aufführungen in interessanten Ersatzspielstätten statt, in historischen Kinos oder in der eigens zur Überbrückung errichteten Oper am Luisenpark (Opal). In der Alten Feuerwache treten aufstrebende und etablierte Jazz-, Techno- oder Hip-Hop-Talente auf. Und in der SAP-Arena trifft man auf die ganz grossen Namen und Acts. Die Universität Mannheim befindet sich in einem alten Barockschloss, das als ehemalige Residenz der Kurfürsten von der Pfalz diente. Getty Images Dann wäre da die kuriose Stadtstruktur: Mannheim besteht aus einem gitterförmigen System aus 144 Blocks, die nach einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen benannt sind. Es heisst, das ungewöhnliche Layout gehe auf das 17. Jahrhundert zurück, als Mannheim als Festungsstadt geplant wurde. Für Besucher bedeutet das zunächst einmal: suchen. Wo ist der denkmalgeschützte Wasserturm, der als eine der schönsten Jugendstilanlagen Deutschlands gilt? Wo ist die Kunsthalle? Und der Paradeplatz mit seinen Boutiquen und Concept-Stores?G1 ist jedenfalls der Block, in dem seit 400 Jahren der Wochenmarkt stattfindet. Am Samstag trifft man sich dort, kauft ein – es gibt Obst, Gemüse, Käse, Honig, Fleisch, das meiste davon aus der Region – und zieht weiter. Beliebt sind die zahlreichen Bars und Cafés im ehemals verrufenen und heute hippen Jungbusch-Viertel, zum Beispiel die coole «Nelson Bar» oder das «Mima Peru» mit köstlicher peruanischer Küche. Und wer nach viel Musik und Kulinarik seinen Besuch mit Kultur abrunden möchte, der halte sich über die gegenwärtigen Ausstellungen im Reiss-Engelhorn-Museum auf dem Laufenden.Tipps für ein Wochenende in Mannheim Freitag: 17:00 | Check-in Im renovierten Traditionshotel Mannheimer Hof trifft Minimalismus-Architektur auf modernes Design.Samstag: 10:00 | Shopping Einmal im Monat, immer samstags, findet der Krempelmarkt statt. Grösster Flohmarkt der Region.19:30 | Abendessen Das Zwei-Sterne-Restaurant Opus V steht für eine urbane, naturverbundene Küche.14:00 | Schlossbesuch Im Schloss Mannheim fanden einst ritterliche Versammlungen und rauschende Feste statt. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.