Setzt Trump erneut bunkerbrechende Bomben gegen Iran ein? So könnte ein Angriff ablaufenDas Regime in Teheran baut womöglich bereits an der nächsten Festung für sein Atomprogramm. Wollen die USA auch diese ausschalten, wäre der militärische Aufwand erheblich, aber erprobt.26.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIllustration Ida Götz, Fotografie Vantor, Julia Demaree Nikhinson / Reuters, APNachdem die USA ein Dutzend tonnenschwere Bomben auf die unterirdische Atomanlage Fordo in Iran abgeworfen hatten, verkündete das Weisse Haus deren vollständige Zerstörung. Das iranische Atomprogramm sei dadurch für Jahre geschwächt worden, so die Trump-Regierung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Aus dem Schlagabtausch im Juni 2025 ist inzwischen ein offener Krieg geworden. Noch immer wollen die USA verhindern, dass Iran waffenfähiges Uran herstellen kann. Doch die monatelangen Angriffe der USA und Israels in Iran scheinen das Regime in Teheran nicht von seinen Bemühungen abzuhalten. Vielmehr nähren Satellitenbilder und israelische Geheimdienstinformationen den Verdacht, dass es den nächsten Berg befestigt hat, um dort womöglich Zentrifugen zur Urananreicherung und eine weitere Anlage unterirdisch zu betreiben.Tiefer als Fordo225 Kilometer südlich von der Hauptstadt Teheran liegt die Atomanlage von Natanz am Fusse des Kuh Kolang Gaz La, zu Deutsch Spitzhackenberg. Natanz gehört zu den wichtigsten Standorten des iranischen Atomprogramms und wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von Israel und den USA angegriffen. Parallel zum Angriff auf Fordo im Juni 2025 warf die US-Luftwaffe zwei bunkerbrechende Bomben auf den Anreicherungskomplex ab. Allein in den ersten fünf Monaten des aktuellen Kriegs kam es laut Angaben des Konfliktforschungsinstituts Acled zu mindestens vier Angriffen auf das Umland von Natanz und zwei weiteren auf die Nuklearanlage selbst. Das nur wenige Kilometer entfernte Bergmassiv blieb jedoch verschont.Dabei zeigten Satellitenbilder schon 2007 Tunneleingänge, die in den Spitzhackenberg führen. Erst im September 2020 kündigte Iran aber den Bau einer unterirdischen Anlage zur Herstellung und Lagerung von Zentrifugen an. In der Folge entstanden neue Tunneleingänge auf der Ost- und Westseite. Die beiden westlichen Zugänge wurden ab Sommer 2025 stärker befestigt und eine Sperranlage um den Berg errichtet.Die Bilder aus dem All zeigen nicht, was sich genau unter der Erde befindet, wie gross die potenzielle Anlage ist oder wie sie angeordnet ist. Die IAEA hat bisher keinen Zugang zum Berg erhalten. Doch neben den Zufahrtswegen und Tunneleingängen liefern auch andere Strukturen Hinweise darauf, was unter der Erde entstanden sein könnte. So zeigen Satellitenbilder beispielsweise zwei mutmassliche Belüftungsschächte. Solche Schächte sind für den Betrieb einer unterirdischen Anlage unerlässlich und liefern Hinweise darauf, wo sich grössere unterirdische Räume befinden könnten.Experten des Institute for Science and International Security (ISIS) schätzen zudem, dass die mutmassliche Anlage zwischen 100 und 145 Meter tief im Berg liegen könnte. Grundlage ist die Lage der Zugänge: Zwischen dem östlichen Tunneleingang und dem Gipfel liegen rund 145 Höhenmeter, zwischen dem westlichen Eingang und dem Bergrücken etwa 100 Meter. Die Differenz könnte laut dem ISIS darauf hindeuten, dass die unterirdische Anlage auf mehreren Ebenen angelegt ist.Damit läge die Anlage noch tiefer als die Atomanlage in Fordo, die schätzungsweise 80 bis 90 Meter unter der Erde lag.Einige bunkerbrechende Bomben nötigWill Donald Trump seine jüngste Drohung wahr machen und auch die mutmassliche Atomanlage im Spitzhackenberg zerstören, könnte die Operation «Midnight Hammer» vom Juni 2025 in Fordo als Blaupause dienen. Der Einsatz wäre allerdings wohl aufwendiger.Während sich Eingänge, Belüftungsschächte und die Stromversorgung an der Oberfläche noch mit Präzisionsbomben zerstören lassen, wären für die mutmasslichen unterirdischen Anlagen die rund 14 Tonnen schweren GBU-57-Bunkerbrecher nötig. Sie zählen zu den grössten konventionellen Sprengkörpern weltweit und wurden speziell für die Zerstörung von stark befestigten Zielen in bis zu 60 Metern Tiefe entwickelt. Nur die USA verfügen über diese Waffe.Weil die Anlage im Spitzhackenberg wohl noch tiefer liegt als Fordo, wären mehrere präzise Abwürfe von GBU-57-Bunkerbrechern auf dieselben Ziele nötig. Experten sind jedoch skeptisch, dass selbst das die Anlage vollständig zerstören würde.Beim Angriff auf Fordo setzten die USA rund ein Dutzend dieser Bomben ein. Wie viele GBU-57 den USA noch zur Verfügung stehen, ist ausserdem offen. Das Pentagon beauftragte den Hersteller zwar 2024, die Produktionskapazitäten von zwei auf sechs bis acht Bomben pro Monat zu verdreifachen. Laut Medienberichten sollte die mögliche Kapazität von etwa zwei auf sechs bis acht Einheiten monatlich steigen; ob dieses Ziel erreicht wurde, bleibt ebenso unklar wie die Zahl der GBU-57 im amerikanischen Arsenal.Wann setzen sich die B-2-Bomber in Bewegung?Wären jedoch ausreichend Bomben vorhanden, braucht es noch die passenden Trägerflugzeuge: die Tarnkappenbomber B-2 Spirit. Sie können jeweils zwei von den tonnenschweren Sprengkörpern transportieren und von vorgeschobenen Stützpunkten in Grossbritannien, auf Guam oder im Indischen Ozean starten. Das verkürzt den Weg nach Iran, doch ihre Vorverlegung der Flugzeuge wäre ein Indiz für einen bevorstehenden Angriff. Aufwendiger, dafür mit grösserem Überraschungseffekt, wäre ein Start von der Heimatbasis Whiteman in Missouri.Für die rund 24 000 Kilometer lange Strecke zum Spitzhackenberg und zurück müssten die B-2-Bomber in der Luft betankt werden. Die Bewegungen amerikanischer Tankflugzeuge dürften deshalb in nächster Zeit genau beobachtet werden. Sie könnten auf einen bevorstehenden Angriff hindeuten. Mit grosser Gegenwehr von Iran wäre kaum zu rechnen: Die USA und Israel haben die iranische Flugabwehr weitgehend ausgeschaltet.Schon die Operation «Midnight Hammer» schlossen die B-2-Bomber laut Angaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums innert 36 Stunden ab und kehrten danach nach Missouri zurück. Der Einsatz war die Premiere der GBU-57-Bunkerbrecher, die Trump-Regierung feierte diesen als Prestigeerfolg. Nun will der amerikanische Präsident das offenbar am Spitzhackenberg wiederholen. «Wir werden dieses Gebiet wahrscheinlich schon sehr bald angreifen. Und sie können nichts dagegen tun», sagte Donald Trump letzte Woche.Passend zum Artikel
Bunkerbrechende Bomben gegen Pickaxe-Mountain: So könnte der US-Angriff in Iran ablaufen
Das Regime in Teheran baut womöglich bereits an der nächsten Festung für sein Atomprogramm. Wollen die USA auch diese ausschalten, wäre der militärische Aufwand erheblich, aber erprobt.










