Darüber spricht Venedig: «Achtung, Pickpocket!»Eine Italienerin warnte Touristen vor Taschendieben. Ihre Videos machten sie berühmt. Nun musste sie einen Dieb vor der Selbstjustiz einer beklauten Touristengruppe retten.Virginia Kirst26.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenSchön sind die Ferien in Venedig und der Ausblick auf die Rialto-Brücke – bis die Taschendiebe aufkreuzen.Luca Bruno / APMonica Poli ist mit ihren Videos im Internet als «Lady Pickpocket» berühmt geworden: Darin warnt sie Passanten in Venedig vor Taschendieben, indem sie diese verfolgt und mit schneidender Stimme «Attenzione Pickpocket» – «Achtung Taschendiebe» – ruft.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Poli ist Teil einer Bürgerinitiative, die sich gegen die Kleinkriminalität wehrt, weil Polizei und Justiz sie nicht in den Griff bekommen. Denn die Taschendiebe verbringen fast nie mehr als eine Nacht im Gefängnis. Grund sind die italienischen Gesetze, die etwa vorsehen, dass die Opfer Anzeige erstatten und zur Verhandlung vor Gericht erscheinen müssen. Für Touristen mit knappem Zeitplan ist das ein Ding der Unmöglichkeit.Monica Poli, bekannt als «Lady Pickpocket».PDDie Diebe, vor denen Poli warnt, sind Teil von Banden, die diese Gesetze kennen und ihre Schlupflöcher ausnutzen. So schicken sie auch Kinder auf Diebestour. Die Polizei in Venedig hat schon Elfjährige in flagranti erwischt.Also helfen sich die Bürger selbst. Poli berichtet auf Youtube, dass der Moment, in dem die Initiative das leer geraubte Portemonnaie eines 95-Jährigen gefunden habe, den Anstoss für die Videos gegeben habe: «Damals haben wir beschlossen, dass wir die Menschen warnen müssen», sagt Poli. Die Aktionen haben sie in Venedig so berühmt gemacht, dass sie im Juni mit den meisten Stimmen für die rechtspopulistische Lega in den Stadtrat gewählt wurde.Zwar gibt es auch vereinzelt Kritik an Polis radikaler Methode. Doch im Internet überwiegt das Lob. So kommentiert etwa der Nutzer Gaetano auf Youtube: «Gib niemals auf, Monica.» Im Ausland hätten sie wegen der Taschendiebe einen schlechten Ruf. «Aber zum Glück gibt es ehrliche Bürgerinnen mit Gemeinschaftssinn wie diese Dame.» Ihre Methode hat in anderen Städten Nachahmer gefunden: Auch in Mailand, Rom und Florenz warnen Bürger Passanten mit lauten Rufen vor den Dieben und stellen Videos davon ins Internet.Doch in der vergangenen Woche haben sich die Rollen plötzlich umgekehrt. Poli musste einem Taschendieb zu Hilfe eilen: Dieser beklaute eine Gruppe ausländischer Touristen, die ihn dann auf der Rialto-Brücke festhielten und zu Boden drückten. Poli war zufällig in der Nähe, und er rief sie um Hilfe. Denn die beiden sind alte Bekannte: Poli hat ihn über die Jahre schon mehrfach der Polizei gemeldet, wie italienische Zeitungen berichten. Schon vor zehn Jahren wurde er in einem Artikel über ein Verfahren als Verdächtiger genannt. Beim Handgemenge auf der Rialto-Brücke aber musste Poli diesmal schlichtend einschreiten und rief die Polizei, um den Mann vor der Selbstjustiz der Diebstahlopfer zu schützen.Michele Bizzi kommentiert die Geschichte auf Facebook mit den Worten: «Nur in Italien kann jemand mit einer ganzen Reihe von Vorstrafen weiterhin problemlos Straftaten begehen! Wie kann das sein?» Und auch Poli ist frustriert: «Es bedrückt mich, wenn ich daran denke, wie oft ich diesen Mann schon gemeldet habe.» Und dann treffe sie ihn wieder auf der Rialto-Brücke. «Es ist, als würde sich nie etwas ändern.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Monica Poli: Heldin gegen Taschendiebe in Venedig – und nun Retterin eines Diebes
Eine Italienerin warnte Touristen vor Taschendieben. Ihre Videos machten sie berühmt. Nun musste sie einen Dieb vor der Selbstjustiz einer beklauten Touristengruppe retten.








