KommentarNoch nie war Donald Trump so erfolgreich wie heuteDie Umfragewerte des US-Präsidenten sind im Keller, die Teheraner Teflonkrieger bieten ihm die Stirn. Nur in der Disziplin Selbstbedienung ist er erfolgreicher denn je. Die erratische Ankündigungspolitik ist Trumps Geschäftsmodell – ab sofort mit noch mehr Gewinn.26.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenPräsident Donald Trump verkauft jetzt sogar seine Ankündigungen auf Truth Social zeitgleich bei Veröffentlichung an InvestorenMark Schiefelbein / APNichts scheint unsäglicher als Fussballvergleiche. Auch nach der WM feiern in den sozialen Netzwerken die Intellektuellendarsteller das Fest des Unterkomplexen. Mit dem Dreiklang Team, Trainer und Tor erklären sie das halbe Leben. Nein, solche runden und rollenden Analogien gehören auf den Misthaufen der Metaphern – mit einer Ausnahme: Fussball ist neuerdings wie Geopolitik oder Aktienhandel. Echt jetzt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit der US-Präsident Donald Trump mit seinem Anruf beim Fifa-Chef Gianni Infantino nach dem Spiel der USA gegen Bosnien-Herzegowina die rote Karte neu erfunden hat, hält die beiden nichts mehr zurück. Was einst für die Sperrung im nächsten Spiel stand, wechselte nach dem Foul des US-Spielers Folarin Balogun in den Status des temporär Ungefähren. Irgendwie rosa statt rot, irgendwie wieder aufgehoben.Fairplay ist etwas für Feiglinge, denkt sich Trump und mit ihm Gianni Infantino. Nun wollen der Walliser und der Wahnsinnige gar die Geopolitik aufmischen. Einen Deal mit Trumps Friedensrat über die Fussballifizierung des Gazastreifens gibt es bereits, jetzt soll Infantino Generalsekretär der Konkurrenzveranstaltung Uno werden. Damit wäre der Hausherr im Oval Golden Office die lästigen Völkerrechtsdiskussionen über Grönland-Eskapaden oder den Angriff auf Iran los – so wie sein Nationalspieler Balogun die rote Karte.Das wirkt auf den ersten Blick ziemlich lächerlich, zumal der Ego-Shooter Trump gerade ziemlich erfolglos wirkt. Sein Friedenspreis stammt von Infantino statt vom Nobelpreiskomitee. Die USA scheiden trotz Kartentricks im Achtelfinal aus. Die fanatischen Teflonkrieger aus Teheran geben nicht auf. Und sein Atom-Deal mit Saudiarabien könnte ein atomares Wettrüsten auslösen.Doch das pathologische Dauerbrechen aller Regeln endet für Trump selbst nicht immer im Desaster. Der viele Lärm lenkt davon ab, dass er keine Disziplin erfolgreicher beherrscht als die Bereicherung seiner Familie – geschätzt um 2,2 Milliarden Dollar im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit. Aus der Perspektive der Selbstbedienung ergibt seine erratische Politik plötzlich Sinn. Oft kommt sie in Form von Ankündigungen daher, die die Finanzmärkte bewegen, weil sie vom mächtigsten Mann der Welt stammen – zugleich der mächtigste Insider der Welt, der seinen Informationsvorsprung offenbar vergoldet.Der neue «Wolf of Wall Street» wohnt im Weissen Haus. Egal, ob Zoll- oder Iran-Krieg, immer häufen sich im Vorfeld wundersam die Finanzwetten. Sein jüngster Schachzug bestätigt den Zockerverdacht. Jetzt verkauft er die Ankündigungen auf seinem Netzwerk Truth Social sogar zeitgleich an Investoren – wodurch die Kurse noch schneller steigen und damit die Gewinne seiner Family and Friends.Abgesehen von ein paar Demokraten entsetzt die Korrumpierung des wichtigsten Finanzmarktes kaum jemanden. Dabei sind mehrere hundert Millionen Anleger rund um den Globus betroffen. Vielleicht wacht die Welt erst auf, wenn Trump seinen Freund Infantino als Chef der SEC vorschlägt.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Noch nie war Donald Trump so erfolgreich wie heute
Die Umfragewerte des US-Präsidenten sind im Keller, die Teheraner Teflonkrieger bieten ihm die Stirn. Nur in der Disziplin Selbstbedienung ist er erfolgreicher denn je. Die erratische Ankündigungspolitik ist Trumps Geschäftsmodell – ab sofort mit noch mehr Gewinn.







