Breitling-Chef Georges Kern lobbyiert in den USA: Die Uhrenindustrie hofft auf Trumps GnadeWeil Amerika keine nennenswerte Uhrenindustrie hat, kann man sie mit Zöllen auch nicht schützen. Die Schweizer Uhrenhersteller wollen sich das zunutze machen.25.07.2026, 21.54 Uhr4 LeseminutenBreitling ruft Amerika an: Die Uhrenindustrie hofft auf eine Zollbefreiung.Nina Westervelt / GettyDass US-Präsident Donald Trump ein Faible für Schweizer Uhren hat, weiss die Weltöffentlichkeit spätestens seit letztem Herbst. Im November überbrachte ihm eine Delegation von Schweizer Unternehmern um den Partners-Group-Mitgründer Alfred Gantner eine goldene Tischuhr von Rolex.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Donald Trumps Portfolio an Schweizer Uhren geht jedoch weit über dieses Geschenk hinaus. Einschlägige Blogs dokumentieren seine Sammlung detailliert. Sie gilt als exquisit. So wurden seine Handgelenke bereits von einer Rolex Day-Date 36, einer Patek Philippe Golden Ellipse oder einer Vacheron Constantin Historiques Ultra-Fine 1968 geschmückt.Vielleicht hilft diese Vorliebe ja beim Erwirken von Sonderkonditionen für die Uhrenindustrie im Zollstreit. Schweizer Hersteller müssen künftig einen Zollsatz von 12,5 Prozent abdrücken, wenn sie ihre Produkte in die USA liefern. Dieser neue Satz wurde in der Nacht auf Freitag bekanntgegeben.Schon seit längerem hofft die Branche aber auf Gnade und hat eine Lobbying-Kampagne lanciert. Georges Kern, Chef und Mitbesitzer der Marke Breitling, hat Anfang Juni im amerikanischen Magazin «Newsweek» einen Gastbeitrag veröffentlicht mit dem Titel: «Die Aufhebung der Zölle auf Produkte, die nicht in Amerika hergestellt werden, hilft den USA».Ausnahmen sind zahlreichKerns Argumentation: Es gibt Produkte, die in den USA begehrt sind, aber dort gar nicht hergestellt werden können – französischer Champagner, japanische Messer oder eben Schweizer Uhren. Würden diese von den Zöllen befreit, profitierten alle: die Kunden, deren Produkte günstiger würden, die Firmen, die weniger belastet würden. Aber auch der amerikanische Werkplatz. Denn dort könnte dann mehr investiert werden.Auf Anfrage unterstreicht Kern sein Anliegen: «Bei den Zöllen geht es um Protektionismus. Aber es gibt Industrien, welche die Amerikaner nicht schützen müssen, weil sie gar keine haben. Schweizer Uhren gehören dazu. Es wäre deshalb richtig, dass man solche Industrien von den Zöllen befreit.»«Zölle erst einmal schlucken»: Der Breitling-Chef Georges Kern.Christian Merz für NZZKern ist mit seiner Forderung nicht allein, die gesamte Branche steht dahinter. «Die Idee, Schweizer Uhren von den US-Zöllen zu befreien, verfolgen wir schon sehr lange. Wir hoffen, dass dies gelingt», sagt Yves Bugmann, Präsident des Uhrenverbands Fédération de l’industrie horlogère (FH).Zwar gebe es in den USA vereinzelte Hersteller von handwerklichen Uhren. Doch diese würden ihre Komponenten in der Regel im Ausland bestellen, oft auch in der Schweiz, sagt Bugmann. «Ihnen würde es auch helfen, wenn Uhren von den Zöllen befreit würden.»Abwegig ist der Gedanke nicht. Obwohl US-Präsident Trump eisern an seinen Zöllen festhält, gibt es zahlreiche Ausnahmen, von denen auch Schweizer Firmen profitieren. Allen voran die Pharmaindustrie, mit der Trump separat verhandelt hat.Auch Kaffee ist seit letztem November von US-Zöllen befreit. Der Waadtländer Lebensmittelgigant Nestlé profitiert massgeblich davon, da er seine Nespresso-Kapseln ausschliesslich in der Schweiz produziert.Im vergangenen Herbst ist es den Verhandlern des Bundes zudem gelungen, eine Ausnahme für den Innerschweizer Flugzeughersteller Pilatus zu erwirken. Der Handel für Zivilflugzeuge ist gemäss einer Vereinbarung aus den 1970er Jahren von Zöllen befreit. Diese konnte reaktiviert werden. Somit gilt für Pilatus-Flugzeuge der Nulltarif. Im Schnitt dürfte die Schweizer Exportwirtschaft den USA also einen realen Zoll abliefern, der deutlich unter den nun geltenden 12,5 Prozent liegen wird. Die genaue Höhe ist derzeit noch nicht bekannt.Amerikaner stehen auf Schweizer UhrenEs gibt Anzeichen, wonach das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das die Zollverhandlungen mit den USA führt, nach dem Vorbild des Flugzeugherstellers Pilatus auch für die Uhrenindustrie eine Ausnahme herausholen möchte. Die Seco-Chefin Helene Budliger Artieda persönlich soll sich dafür einsetzen. Die Behörde teilt auf Anfrage mit: «Nachträgliche Verhandlungen sind nie völlig ausgeschlossen. Ein formeller Prozess ist hierzu jedoch nicht vorgesehen.»Stand jetzt gilt deshalb der Satz von 12,5 Prozent für die Uhrenindustrie. Das schmerzt auch deshalb, weil die USA für die Branche enorm wichtig sind. In kein anderes Land wird so viel exportiert. «Der amerikanische Markt ist der einzige, der boomt. Wir haben dort trotz den Zöllen viel investiert, und wir konnten auch die Preise erhöhen», sagt der Breitling-Chef Kern. In Europa hingegen sei das politische und wirtschaftliche Klima kompliziert, immerhin erhole sich der chinesische Markt allmählich.Kern glaubt aber nicht, dass sich die Situation kurzfristig verbessert. «Wir sollten diese Zölle jetzt erst einmal schlucken und schauen, dass wir langsam und pragmatisch Verbesserungen erzielen.»So habe man auch in China und Indien lange hohe Steuern bezahlt. «Mit den US-Zöllen leben wir nun schon seit einem Jahr. Der Mensch gewöhnt sich an alles. It is what it is.» Zentral sei erst einmal etwas anderes, sagt der Uhrenchef: ein Ende des ständigen Hin und Hers. «Wichtig wäre, dass man mal zwei Jahre Ruhe hat und verlässlich planen kann.»Die Zölle vom letzten Jahr, die das oberste amerikanische Gericht im Februar für ungültig erklärt hat, hat Kern jedenfalls zurückgefordert – mit Erfolg. «Wir haben sie zu 100 Prozent zurückerstattet bekommen.» Den genauen Betrag nennt er nicht.Überhaupt mag Kern nicht Trübsal blasen. Zwar habe es der Schweiz bei den Zöllen nicht geholfen, dass sie ein so erfolgreiches Land sei. Aber: «Ich habe lieber Erfolg, einen höheren Zollsatz als die EU und einen starken Franken als umgekehrt.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Breitling-Chef Georges Kern will Zollausnahme für Uhrenindustrie
Weil Amerika keine nennenswerte Uhrenindustrie hat, kann man sie mit Zöllen auch nicht schützen. Die Schweizer Uhrenhersteller wollen sich das zunutze machen.






