Unsere Autorin hat eine Psychose durchlebt. Sie fühlte sich verfolgt, verschenkte ihr Handy, entwickelte einen Wahn. Wie kommt man da wieder raus?
D er Papst ist tot. Die Worte fliegen über den Bildschirm, vervielfachen sich und fangen an zu flattern. Wie aufgescheuchte Hühner. Es ist das Einzige, was ich noch wahrnehme. Um mich herum ist die Luft dünner geworden. Ich versuche dem Nachrichtenticker etwas thematisch Brauchbares zu entnehmen, aber da ist immer nur die eine Nachricht: Der Papst ist tot.
Die Momente danach erinnere ich kaum mehr. Ich weiß noch, dass ich meiner Kollegin gegenüber Handzeichen machte, wie ich nur noch flüsterte – vermutlich zusammenhanglos. Sie legte ihre warmen Finger auf meinen Unterarm und sagte leise, ich solle beim Krisendienst anrufen. Weiterarbeiten konnte ich nicht mehr.
Wie ich nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht; nur, dass ich irgendwann auf meinem Sofa lag, zusammengerollt wie ein Tier. Später im Bett. Schlaflos, wie schon die Nächte zuvor.
In meinem Tagebuch steht: Ich scrolle durchs Adressbuch meines Handys. Es ist 2:36 Uhr. Die Namen verschwimmen. Wer sind all diese Menschen? Ich erkenne sie nicht. Die Buchstaben wirken wie zufällig zusammengewürfelt, fremd, unbrauchbar. Irgendetwas stimmt nicht. Es hört sich an, als würde jemand die Tür öffnen. Ein kaum hörbares Klicken. Ich traue mich nicht nachzusehen. Wie war noch mal der Notruf? War es 112?








