Staatsanleihen großer Industrieländer können neuerdings eine ganz ungewohnte Rolle im Portfolio spielen: als Renditebringer. Das hat eine ganze Generation von Anlegern noch nicht erlebt. Seit der Finanzkrise sanken die Erträge der größten Schuldner der Welt immer weiter dem Nullpunkt entgegen, die Papiere des deutschen Staates und manch anderer Länder schossen sogar über dieses Ziel hinaus. Ihre Anleihen waren nur noch etwas für Pensionsfonds, (Zentral-)Banken, Cash-Manager oder Versicherungen, für renditeorientierte Privatanleger spielten sie keine Rolle mehr.Diese Zeiten sind schon seit der Zinswende passé. Nun aber erklimmen die Renditen Höhen, die sie zuletzt hatten, als die allermeisten Überweisungen noch in Papierform am Bankschalter eingereicht wurden. Wer über lange Zeit Vermögen aufbauen will, dem ist immer noch in erster Linie zu Aktien zu raten. Wer aber über zwei, drei oder fünf Jahre eine gesicherte und ansehnliche Euro-Rendite von mehr als vier Prozent erzielen möchte, in den USA oder Großbritannien sogar über fünf Prozent, der wird nun bei G-10-Staatsanleihen fündig.Das Ganze kommt mit mindestens zwei Haken. Den Zinsaufschlag müssen die Staaten nicht bloß wegen der Inflation zahlen, sondern weil die öffentlichen Haushalte Jahr für Jahr deutliche Defizite ausweisen. Die nötigen neuen Schulden erhöhen das Anleihenangebot – was wiederum die Renditen steigen lässt.