Liebe Leserin, lieber Leser, was wir essen, beeinflusst nicht nur unseren Körper, sondern auch unser Gehirn – und zwar weit stärker als lange angenommen. Gunter Eckert, Professor für Ernährung in Prävention und Therapie an der Universität Gießen, empfiehlt im Gespräch mit der F.A.Z. die sogenannte MIND-Diät. Wofür das Kürzel über das „M“ (für mediterran) hinaus steht, muss man sich nicht merken, nur den Inhalt: viel Blattgemüse, Beeren, Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Olivenöl und ein- bis zweimal wöchentlich fetter Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering. Meiden sollte man dagegen frittierte Speisen, viel Zucker und Lebensmittel mit gesättigten Fetten. Ein bisschen Butter aufs Vollkornbrot? Vollkommen in Ordnung, sagt Eckert – es komme auf die Menge an.Die Wirkmechanismen: Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch sind Hauptbestandteile der Nervenzellmembranen und wirken entzündungshemmend. Polyphenole aus Beeren und Olivenöl werden von Darmbakterien in winzige Moleküle zerlegt, die bis ins Gehirn gelangen und dort Gene an- oder abschalten. Nüsse liefern Aminosäuren, aus denen Neurotransmitter entstehen – Walnüsse etwa sind reich an Omega-3-Fettsäuren, Cashewkerne an Selen, Mandeln an Magnesium. Wer sich langfristig so ernährt, senke, so liest man dort, sein Demenzrisiko um bis zu 40 Prozent. Dazu sollten Bewegung, ausreichend Schlaf und soziale Kontakte kommen. Als größte Risikofaktoren nennt Eckert Alkohol und Zucker: Letzterer kann über vaskuläre Schäden zu Demenz beitragen, Alkohol lässt bei jedem Vollrausch Millionen Nervenzellen absterben.Empathie ist nicht für alle gleichApropos soziale Kontakte: Empathie ist ihr Fundament – und sie ist trainierbarer, als man lange dachte. Die Sozialneurowissenschaftlerin Tania Singer unterscheidet zwischen emotionaler Empathie, dem unmittelbaren Mitfühlen, das schon unter Säuglingen beobachtbar und zu einem erheblichen Teil erblich sei, und kognitiver Empathie, dem rationalen Verstehen fremder Gefühle, das sich stärker durch Erfahrung und Umfeld forme. In einem ihrer Projekte absolvierten Hunderte Teilnehmer über neun Monate hinweg mentale Übungen – mit messbaren Folgen: Das Gehirn veränderte sich strukturell, soziale Fähigkeiten verbesserten sich. Besonders wirkungsvoll waren Übungen, bei denen zwei Menschen täglich für einige Minuten einander zuhörten, ohne zu werten. Eine Einschränkung gibt es aber: Empathie ist nicht für alle gleich. Wer nicht zur eigenen Gruppe gehört, bekommt oft deutlich weniger davon – das zeigen Hirnstudien mit Fußballfans ebenso wie der Blick in die Gesellschaft. Die eigentliche Herausforderung ist daher wohl gar nicht, mehr Empathie zu entwickeln, sondern, sie auch jenen entgegenzubringen, die uns fremd sind.Und zum Abschluss etwas fürs Wochenende, das mich an unsere neue vegane Eisdiele im Heimatort erinnert, die regen Zuspruch erfährt: Stephanie Mittermeier vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV hat nach sechs Jahren Forschung veganes Vanilleeis entwickelt, das genauso cremig schmeckt wie das Original. Das Geheimnis steckt nach ihren Worten in der Blauen Lupine – einer Hülsenfrucht mit hervorragenden Emulgiereigenschaften, die regional angebaut werden kann, sogar auf sandigen Böden in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Kombiniert mit raffiniertem Rapsöl, erzeugt sie jene Cremigkeit, die sonst nur Milchfett durch seine Schmelzeigenschaften im Mund hinterlässt. Den grasig-bohnenartigen Eigengeschmack der Lupine beseitigten die Forscher durch Entölung und Proteinextraktion – übrig blieb ein nahezu neutrales Protein. Warum ausgerechnet Vanille als erste Sorte? „Es ist die anspruchsvollste“, sagt Mittermeier: sahnig, hell, aromatisch – kein Grauschleier erlaubt. Mittlerweile umfasst das Sortiment mindestens zehn Varianten.Vielen Dank für Ihr freundliches Interesse an unserer Arbeit. Wenn Sie ein FAZ+ Abo und eine konkrete Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de.Herzliche GrüßeIhrCarsten KnopHerausgeberFrankfurter Allgemeine Zeitung
Demenzrisiko senken: Gunter Eckerts Tipps zur MIND-Diät
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