Manuela Spuhl hat Desiree auf einen Stuhl neben die Eingangstür zu ihrem Wohnzimmer gesetzt, weil der richtige Ständer für ihre Lieblingspuppe noch fehlt. Desiree trägt ein Sommerkleid mit Blumenmuster, hat große Augen und lange Beine. Manuela streichelt ihr behutsam das rötliche Haar. In ihrer bunt eingerichteten Wohnung in Berlin-Britz sitzen noch mehr solcher Puppen: auf Regalen, in Ecken, manche sind fast so groß wie Kinder, andere gerade einmal so groß wie ihre Hand. „Einige sind noch in Kartons verstaut“, sagt die Sammlerin. Sie ist erst vor kurzem in die neue Wohnung gezogen.
Manuela Spuhl liebt ihre Puppen, weil sie mit ihnen etwas machen kann, was ihr mit sich selbst verwehrt ist. Sie kann ihnen High Heels und hübsche Kleider anziehen, sie frisieren und fotografieren. „Ein Stück weit lebe ich an denen aus, was ich selbst nicht mehr kann“, sagt sie.
Zu Besuch bei Manuela und Benjamin
Manuela Spuhl ist 52 Jahre alt und hat Pflegegrad 2. Sie sitzt im Rollstuhl, kann sich in der Wohnung zwar mit Rollator oder Stock bewegen, aber wirklich mobil ist sie nur noch auf Rollen. Vor rund einem Jahrzehnt bekam sie die Diagnose Diabetes Typ 2. Ihr Diabetes hat eine Gruppe von Nervenerkrankungen ausgelöst, deshalb spürt sie an den Füßen vieles nicht mehr. Taubheitsgefühle wechseln sich mit schmerzhaften Krämpfen ab und kleine Druckstellen können für Manuela schnell gefährlich werden. An ihrem linken Fuß war bereits ein Teil amputiert worden, und ausgerechnet am Tag ihres Umzugs geriet eine weitere Wunde in einen kritischen Zustand.







