Diesen Samstag und nächsten Donnerstag müssen die Markthändler in ihrem Exil an der Frankfurter Hauptwache noch durchhalten. In einer Woche, am 1. August, ist der erste Verkaufstag in alter Umgebung. Das städtische Marktmanagement HFM geht davon aus, dass dieser Termin klappt, auch wenn es an der Konstablerwache noch wüst aussieht. In dieser Woche wurden Fundamente für die monumentale Netzskulptur „A Sky Full of Hope“ gegossen. Die Händler würden regelmäßig über die Baufortschritte informiert, sagt eine HFM-Sprecherin.Offiziell wird die Installation erst zehn Tage später präsentiert, am 11. August. Die amerikanische Künstlerin Janet Echelman wurde dafür im Zuge des Veranstaltungsjahrs „World Design Capital“ engagiert. Viele sprechen schon von Frankfurts neuem Wahrzeichen. Drei Jahre lang soll die Netzskulptur in bis zu zwölf Meter Höhe über den Köpfen der Händler und Besucher auf dem Erzeugermarkt schweben.Zwei Millionen Euro soll das Projekt kosten, was auf Kritik stößt. Zuletzt fragte die Linke im Römer, ob das Geld an anderer Stelle nicht besser eingesetzt wäre. Unter den Händlern hätten sich viele gewünscht, dass die Stadt die Bauarbeiten, bei denen ein Teil der Pflastersteine ausgebuddelt werden musste, dazu genutzt hätte, auch den Platz etwas aufzuhübschen.Hier entsteht Kunst: An der Konstablerwache wird die Aufhängung für eine schwebende Skulptur installiert.Lando HassFür das Marktgeschäft waren die letzten Wochen hart. Speisepilz-Züchter Arno Kubach hat das spüren bekommen. Er ist mit seinem Imbissstand wie alle Lebensmittelhändler an der Hauptwache untergebracht, die Gastronomiebetriebe befinden sich am Roßmarkt. In seinem Wagen bereitet der Direktvermarkter mit seinem Bruder Michael kleine Gerichte wie Maultaschen mit Pilzen oder Kartoffelteigtaschen zu. „Mir fehlt etwa die Hälfte vom Umsatz“, sagt Kubach. Dass ihn an der Hauptwache Leute registrieren, die ihn bisher nicht kannten, und zukünftig an der Konstablerwache besuchen, schließt er allerdings nicht aus.Dem Interimsstandort allein will er die Flaute nicht zuschreiben. Wie andere Händler führt er auch die große Hitze an vielen Markttagen und die Sommerferien als Grund für die schlechteren Geschäfte an. „Das hätten wir auch an der Konstablerwache gespürt. Bei 35 Grad und mehr hat niemand Lust, in die Stadt zu gehen“, sagt Kubach. Mancher Händler packt, wie zuletzt überall auf Wochenmärkten in Frankfurt zu beobachten war, seine Sachen an Hitzetagen früher zusammen, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt – oder ihm die Temperaturen selbst zu schaffen machen.Trennung von Lebensmitteln und Gastronomie unglücklichNicht glücklich sind die Händler mit der Trennung von Lebensmitteln und Gastronomie. Seine Kunden holten sich zum Essen gerne auch mal ein Glas Wein oder Apfelwein vom Nachbarstand. Jetzt sind die Wege weit, weshalb Kubach jetzt frische Säfte anbietet. Wegen der Anzahl der Stände hätte der Platz an der Hauptwache nicht für alle gereicht. Am Christopher Street Day (CSD) ist das anders. Da müssen die Händler nur für einen Tag ans andere Ende der Zeil umziehen. Viele nutzen das Fest für eine Pause.Provisorium: Vorübergehend sind die Gastronomiestände des Erzeugermarkts auf dem Roßmarkt untergebracht.Lando HassTimo Haas, Ziegenbauer aus Schlüchtern, vermisst die Kompaktheit der Konstablerwache. Zwar seien Auf- und Abbau an der Hauptwache einfacher als auf dem Plateau. Die Erhöhung habe aber den Vorteil, dass die Marktstände etwas abgeschirmt seien, auch von den sozialen Problemen in der Innenstadt. Dass jemand direkt hinter seinem Stand uriniert, wie es an der Hauptwache verkomme, kenne er von der Konstablerwache nicht.Niko Funk, Obst- und Gemüsehändler aus Büttelborn, steht mit seinem Stand am Haupteingang des Kaufhauses Galeria, er hat damit einen der besten Plätze. „Es läuft besser als gedacht.“ Allerdings sei er froh, dass es bald wieder zurückgehe. „Uns fehlen die Büroleute von dort“, sagt er. Über den Verkauf von frischem Obst an die Laufkundschaft habe er die Verluste etwas ausgleichen können. Etwa ein Drittel des Umsatzes fehle ihm aber. Fertigartikel habe er von vornherein weniger produziert.Am Ausweichstandort trifft man viele Stammkunden, die ihren Händlern die Treue halten. Sie vermissen die Konstablerwache ebenfalls. „Ich bin froh, wenn der Markt bald wieder zurück ist. Dort weiß ich, wo was ist“, sagt ein älterer Herr, der einen Korb mit Pfandflaschen dabeihat. So gut wie jeden Donnerstag kommt er in die Stadt, um frische Milch und Gemüse auf dem Bauernmarkt einzukaufen. Am Stand von Händler Funk sind es die frischen Eier, die eine Stammkundin aus Rödelheim nicht missen möchte. „Es sind die besten.“Einen eindeutig schöneren Platz als an der Konstablerwache haben die Weinstände am Roßmarkt mit dem Gutenberg-Denkmal in der Mitte. Donnerstagabends sitzen hier viele Büroangestellte mit Weinglas lässig auf den Stufen. Die Bilanz von Anna Wayerhäuser-Jung vom Weingut Rollanderhof aus Rheinhessen fällt gemischt aus. Vor allem die Donnerstage seien in den Abendstunden gut gelaufen. Das Feedback bei den Kunden sei positiv. Auch viele neue Gesichter habe sie an ihrem Stand gesehen. Doch die Samstage hätten „überhaupt nicht funktioniert“, sagt sie. Ihr Fazit: „Es ist ein schöner Platz zum Verweilen. Aber er kann unsere Konsti nicht ersetzen.“
Erzeugermarkt Frankfurt: Baustelle bringt Probleme für Händler
Weil an der Konstablerwache in Frankfurt ein Kunstwerk installiert wird, wurde der Wochenmarkt an die Hauptwache und auf den Roßmarkt verlegt. Für die Händler ist es eine schwere Zeit.








