Donald Trumps Rede werde vereinend und doch gnadenlos sein, sagte Sprecherin Karoline Leavitt kurz vor dem Auftritt des amerikanischen Präsidenten beim traditionellen Pressedinner der Hauptstadtjournalisten. Sie sollte aber vor allem unangenehm werden. Es war der zweite Anlauf Trumps, in Washington vor denjenigen zu sprechen, die über ihn und das Weiße Haus berichten.Vor drei Monaten war ein bewaffneter Angreifer während der Veranstaltung durch die Sicherheitsschleuse gestürmt und hatte versucht, zum Präsidenten oder Kabinettsmitgliedern durchzudringen. Am Freitag wurde das Dinner nun nachgeholt, in kleinerem Rahmen und mit schärferen Sicherheitsvorkehrungen.Das sei bislang kein einfacher Abend für ihn gewesen, scherzte Trump zu Beginn seiner gut eine Stunde langen Rede, „all diese Auszeichnungen“. Wenige Minuten vorher hatte er mehreren Journalisten des Wall Street Journal die Hand geschüttelt, die für eine Recherche ausgezeichnet wurden, laut der Trumps Name in den Epstein-Dokumenten steht. Der Präsident verklagte die Zeitung dafür auf mehr als zehn Milliarden Dollar Schadenersatz.Trump bescheinigt Journalisten kollektive HysterieAm Freitag beließ er es bei der Erwähnung der Klage bei einem herzlichen Lachen und merkte später an, im Saal versammele sich die größte Gruppe von Menschen mit kollektiver Trump-Hysterie, dem „Trump-Derangement-Syndrome“. Diese „Diagnose“ war nicht neu, genauso wenig wie alle anderen Beleidigungen von Journalisten und Politikern, die der Republikaner im Laufe seiner Rede äußerte.Das jährliche Dinner, dieses Mal mit Hummer und Beef Wellington, ist durchaus Bühne für einen humorvollen Schlagabtausch zwischen dem Präsidenten und den Washingtoner Journalisten. Trump hatte seine Teilnahme bislang immer verweigert, war diesmal aber der Erste, der nach dem Anschlagsversuch auf eine Wiederholung der Veranstaltung pochte. Die Journalisten hätten Glück gehabt, dass das Dinner im April abgebrochen worden sei, sagte Trump am Freitag. „Ich hatte es auf euch abgesehen.“ Doch er konnte sich an diesem Abend nicht entscheiden, ob er nun austeilen oder gemocht werden wollte.So rief er ins Publikum, das sei seine bisher beste Erfahrung in diesem Saal (das Waldorf Astoria war bis 2021 das Trump-Hotel). Es seien „unglaubliche Leute“ anwesend, es sei ein großartiges Gefühl. Trump sprang von minutenlangem Lob seines im Bau befindlichen Ballsaals zu den „fantastischen“ Feierlichkeiten am 4. Juli und den Käfigkämpfen auf dem Rasen des Weißen Hauses, bevor er ab Minute zwanzig zu zusammenhanglosen Angriffen auf politische Gegner und unliebsame Journalisten überging.Trump: „Großer, fetter, hässlicher Wassermelonenkopf“Als es darum ging, warum er über Jahre nicht am Dinner teilnehmen wollte, sagte er: „Sie wollten mich. Sie wollten mich für die Einschaltquoten und andere Gründe, aber nicht aus Liebe.“ Über die neue Vorsitzende der ausrichtenden White House Correspondents’ Association, Jacqui Heinrich von Fox News, sagte Trump, sie sehe „so wunderschön“ aus, könne aber „so gemein“ (nasty) sein. „Wie kann das sein?“Überhaupt zielten seine „Scherze“ häufig auf das Aussehen der jeweiligen Personen. Der CNN-Journalistin Kaitlan Collins warf Trump vor, sie sei eine „junge, attraktive Frau“ mit einem tollen Job bei „CNN Fake News“, aber sie lächele nie. „Lächle einfach mal.“ Über den demokratischen Senator Adam Schiff sagte er, der habe einen „großen, fetten, hässlichen Wassermelonenkopf“ und er hasse ihn, auch wenn er das als Präsident eigentlich nicht sagen dürfe.Um den demokratischen Gouverneur von Illinois J.B. Pritzker zu beleidigen, tat Trump so, als würde er jemanden im Publikum schelten: Derjenige könne Pritzker nicht einfach ein „fettes Schwein“ nennen. Dann fügte er hinzu, wenn sich jetzt jemand frage, wen er da angesprochen habe – „so kann dich die Presse nicht drankriegen“.„Das einzig Gute in dieser verdammt blöden Rede“An einer Stelle unterbrach Trump seine Aufzählung von zu scheltenden Personen und rief in die Menge, die Amtszeit von Kongressmitgliedern müsste jetzt im Übrigen begrenzt werden. Ein Senator, den er kenne, habe jüngst eine Nachricht seiner Frau bekommen: Wenn er nach Hause komme, solle er sofort die Treppe hochkommen und Sex mit ihr haben. Er habe dann geantwortet, er könne nicht beides – die Treppe hochgehen und dann Sex haben.„Versteht das jemand?“, sagte Trump, als Reaktionen ausblieben. Er habe das eigentlich ziemlich witzig gefunden. „Das war eigentlich das einzig Gute in dieser verdammt blöden Rede, die sie geschrieben haben“, sei aber offenbar nicht so angekommen. Dann erklärte der Präsident den Scherz noch einmal.Einer der wenigen Momente, in denen wirklich gelacht wurde, ging auf Kosten eines Regierungsmitglieds. Trump witzelte, das an diesem Abend servierte Rinderfilet sei etwas ganz Besonderes: Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. habe das Tier höchstpersönlich überfahren. Kennedy hatte vor zwei Jahren zugegeben, ein totes Bärenjunges von einer Straße im Bundesstaat New York mitgenommen und schließlich im Central Park in New York City abgelegt zu haben, weil er es nicht weiter transportieren konnte. Außerdem hat er sein Interesse an überfahrenen Tieren bekundet.Trump schien nicht zu stören, dass seine Rede ansonsten wenig Widerhall fand. Er zog gegen Ende eine rote „Make America Great Again“- Kappe auf und sagte, das sei die Neuigkeit des Abends: Er werde noch ein viertes Mal zur Präsidentenwahl antreten. Den Scherz hatte er allerdings schon zu Beginn gemacht und dann auch gesagt, das sei nicht ernst gemeint. Zum Pressedinner wiederkommen will der Präsident im nächsten Jahr aber jedenfalls. Nur wenn die Journalisten „richtig, richtig gemein“ würden, dann vielleicht nicht.
Wie niemand über Trumps Scherze beim Pressedinner lachte
Beim nachgeholten Pressedinner in Washington äußert US-Präsident Donald Trump die üblichen Beleidigungen – und kündigt an, nächstes Jahr wiederzukommen.












