308 Meter lang ist der Augsburger Eiskanal – das hört sich nach recht wenig an. Aber wer mal erlebt hat, wie wild das Wasser durch den längst legendären Olympia-Kanal von 1972 – Spitzname „Die Streif des Kanusports“ – donnert und was es mit demjenigen anstellen kann, der sich da mit welchem Gefährt auch immer aufs schäumende Nass traut, der weiß, dass sich diese 300 Meter wie eine halbe Ewigkeit anfühlen können. Wer sich hier einfach so zum Spaß und womöglich auch noch zu viert und in Verkleidung in seine selbst gebaute Nussschale setzt, muss schon ein bisschen verrückt sein. Und damit willkommen beim „Red Bull Paddelfest“, dem etwas anderen Wildwasser-Rennen!Die Teilnehmer treten in fantasievollen, selbstgebauten Booten gegeneinander an. Die kreativsten werden danach ausgezeichnet, bewertet werden auch die Showeinlagen der Teams. Red Bull Content Pool40 Teams – darunter welche mit so schönen Namen wie „Turnen bis zur Urne“, „Kenterenten“ oder „Haifutter e.V.“ – und rund 160 Teilnehmer treten am 1. August von 13 bis 17 Uhr gegeneinander an, mit selbst gebauten, fantasievoll gestalteten Booten, die ausschließlich durch Muskel- und Wasserkraft angetrieben werden. Nicht nur Geschwindigkeit entscheidet über den Sieg, bewertet werden auch die Kreativität von Boot und Kostüm sowie die Show-Einlage des Teams vor dem Start. In der Jury sitzen die ortskundige Kajak-Olympiasiegerin Ricarda Funk sowie der Olympia-Dritte Noah Hegge, Extrem-Kajakfahrer Adrian Mattern sowie Leon Labu und Shane Klingler, die Sieger der Kreativ-Wertung 2024, die als Asterix und Obelix ins Boot gestiegen waren. Die spinnen, die Kanuten!Sieger der Kreativ-Wertung 2024: Leon Labu und Shane Klingler, die als Asterix und Obelix ins Boot gestiegen waren. Red Bull Content PoolRed Bull Paddelfest, Samstag, 1. August, 13 bis 17 Uhr, Am Eiskanal 30, Augsburg, redbull.comAndererseits ist es ja nur allzu verständlich, dieses allsommerliche Verlangen, sich auf dem Wasser treiben zu lassen – sei es mitten in der Stadt, in Badehose als urbanes Treibgut von der Weideninsel bis zur Reichenbachbrücke oder mit Kanu oder Schlauchboot von irgendwo aus dem Süden gen City schippernd. Nicht selten landen Möchtegern-Wasserratten danach allerdings im Krankenwagen, bei der Feuerwehr und schließlich in der Zeitung, weil dieses durchaus auch heimtückische Wasser halt nicht so wollte wie seine Befahrer.Wer über einen solchen Fluss-Trip nachdenkt, sollte vorab die Befahrungsregeln kennen. Die wichtigsten Regeln: Alkohol-Obergrenze 0,5 Promille, Kinder bis acht Jahre und Nichtschwimmer müssen Rettungswesten mit CE-Kennzeichen tragen. Glasflaschen sind verboten, ebenso Tonwiedergabegeräte. Kiesbänke, Flachwasserzonen und Kies-Inseln dürfen oft nicht betreten werden, da sie als Brutplätze für gefährdete Vogelarten dienen. Verstöße können mit bis zu 5000 Euro Bußgeld geahndet werden. Die andere Möglichkeit: zum Profi gehen.Isar: Trip auf der ReißendenKanutour zu zweit von Schäftlarn nach Thalkirchen in München. Sebastian GabrielAllein für einen Trip auf der „Reißenden“, wie die Isar ja auch genannt wird, gibt es zahlreiche Anbieter, vor allem im Münchner Süden (Snow and Raft, Sport-Piraten, Montevia Lenggries, Jochen Schweizer, Action & Fun Tours). Schon vom Sylvenstein bis nach Lenggries und weiter nach Bad Tölz kann mit dem Kanu gepaddelt oder im Raftingboot gefahren werden. Ein Klassiker ist der viel befahrene Abschnitt von Pullach bis nach Thalkirchen, auf dem Floßkanal und mit einem rauschenden Höhepunkt: der finalen Floßrutschn in Thalkirchen. Sehr beliebt als Firmen-Event, Teambuilding-Maßnahme oder bei Junggesellenabschieden. Der Vorteil der Profi-Touren: Ausrüstung wie Helm, Schwimmweste, Neoprenanzug, Paddel und ein ortskundiger Guide sind im Preis inklusive und allesamt auf dem neuesten Stand. Manche Touren sind für rund 60 Euro pro Person zu haben.Loisach: Paddeln mit BergpanoramaWer auf der Loisach paddelt, wird mit Ausblicken auf Zugspitze, Jochberg und Herzogstand belohnt. ZUK e.V. BenediktbeuernRund eine Auto-Stunde südlich von München geht es auf dem Wasser der Loisach, die dann bei Wolfratshausen schließlich in die Isar mündet, übersichtlicher zu, dafür aber, was das Berg-Panorama betrifft, noch um einiges spektakulärer: Wer zum Beispiel die gemütliche Einsteiger-Tour durchs Murnauer Moos bucht, wird mit Ausblicken auf Zugspitze, Jochberg und Herzogstand belohnt. Für die 14 Kilometer von Farchant nach Eschenlohe ist man dagegen rund eineinhalb Stunden auf dem Wasser, die elf Kilometer längere Tour bis Großweil kann sich mit Badepausen und abschließendem Grillabend schon zu einem Tagesausflug auswachsen.Saalach/Salzach: Gemütliche und sportliche TourIm Berchtesgadener Land mündet die Saalach in die Salzach. Je nach Können paddelt man hier gemächlich oder im Wildwasser. Matthias KöpfIm Berchtesgadener Land, ganz am südöstlichsten Zipfel der Republik, ist die Aussicht von der in die Salzach mündenden Saalach auch nicht zu verachten. Je nach Können kann hier entweder eine eher gemächliche Familienstrecke gebucht werden oder eben doch richtiges Wildwasser, zum Beispiel durch die mit Walzen und Wellen nur so gespickte „Waschmaschine“ oder das „Auer Loch“. Landschaftlich wunderschön ist auch die rund vierstündige Tour von Lofer hinab nach Bad Reichenhall. Ein paar Kilometer weiter südlich im Salzburger Land bieten sich auf der Salzach dann die nächsten Wildwassermöglichkeiten, zum Beispiel bei Zell am See oder in den flotten Stromschnellen zwischen Taxenbach und Schwarzach.Iller/Lech: Kanadische Wildnis im AllgäuKanuten fahren im tosenden Wasser des Lechs das Lechwehr hinunter. Karl-Josef Hildenbrand/dpaAuch im südwestlichsten Eck Deutschlands, dem Allgäu, lässt es sich prächtig flussabwärts rauschen, sei es zu zweit im Canadier oder zu acht oder gar zu zwölft im Rafting-Boot. Auf der ganzjährig sehr kalten Iller, gespeist aus den Zuflüssen von Trettach, Stillach und Breitach, wechseln sich ruhige Stellen mit Strudeln, kleinen Stufen und Kehrwasser ab. Gestartet wird in Fischen oder bei genügend Wasser auch schon in Oberstdorf. Der Lech als einer der wenigen naturbelassenen Wildflüsse der Alpen erinnert dagegen ein wenig an die kanadische Wildnis. Nachdem er die Lechschluchten bei Füssen verlassen hat, geht es über spritziges Weißwasser durch ein weitverzweigtes Flusslabyrinth. Für diese anspruchsvolle Tour sollte man allerdings Paddelkenntnisse haben.Inn/Ötztaler Ache: Höllenritt in TirolAnspruchscoller Ritt durch das schäumende Wildwasser: Die Ötztaler Ache ist nur etwas für erfahrene Kajakfahrer. Nicolas Armer/Imago/Aurora PhotosBei den Nachbarn in Tirol wird Rafting ebenfalls groß geschrieben. Auch hier reicht das Angebot von ruhigen Familientouren über 14 Kilometer auf der sogenannten Flößerstrecke des Inn bis hin zu atemraubenden Adrenalinschüben im schäumenden Weißwasser der Ötztaler Ache. Eine Steigerung zur Anfänger-Tour stellt die Fahrt durch die Imster Schlucht zwischen Imst und Haiming dar: Passagen wie „Memminger Walze“ und „das Loch“ lassen schon ahnen, dass hier verschärfter Paddeleinsatz gefragt ist. Schlüsselpassagen können allerdings auch umfahren werden; ansonsten wechseln sich Wellen und Walzen mit ruhigem Gewässer ab.Die Imster Schlucht ist sozusagen auch die Eintrittskarte für die Abenteuer-Tour im richtig anspruchsvollen Wildwasser auf der von Gletscherwasser gespeisten Ötztaler Ache – Experten sprechen von schwerem Wuchtwasser und der Königsstrecke für erfahrene Rafter. Deshalb gilt hier auch ein Mindestalter von 16 Jahren, in Begleitung Erwachsener. Außerdem nötig: Rafting-Erfahrung. Bevor es von der Station in Haiming flussauf zur Einstiegsstelle geht, werden noch Manöver wie Boots-Flips und Wildwasserschwimmen geübt – mit gemütlich wäre diese Tour falsch beschrieben. Vielmehr heißt es über die 13-Kilometer-Sause: „kaum Ruhepausen“. Die Schlüsselstellen bei diesem wilden Ritt heißen „Piburger Welle“, „Waldschlucht“, und erst wer die berühmt-berüchtigte „Construkta“ unbeschadet hinter sich gelassen hat, darf sich auf das sanfte Auspaddeln nach der Mündung der Ötz in den Inn freuen. Wohl selten war das Bier danach nötiger als nach diesem wilden Höllenritt.
Kajak, Rafting und Co: Das sind die besten Touren auf Bayerns Flüssen
Beim Paddelfest in Augsburg haben auch Zuschauer ihren Spaß. Wer selbst aktiv sein möchte, bucht eine Tour oder plant selbst seine Route. Tipps für Touren in Bayern und Tirol.







