Der alte jüdische Friedhof von Mainz, auf dem etwa 1700 geschichtsträchtige Grabsteine stehen, gehört seit fünf Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe. Diese Auszeichnung erhielt die Stadt 2021 als eine der drei sogenannten Schum-Städte am Rhein, die im Mittelalter Zentren jüdischer Gelehrsamkeit waren. Dabei ist Schum ein Akronym, das sich aus den Initialen Schin, Waw (gesprochen U) und Mem der drei früher gängigen hebräischen Bezeichnungen für Schpira, Warmaisa und Magenza – also Speyer, Worms und Mainz – bezieht.Zusammen erinnern die drei Orte mit ihren noch erhaltenen Mikwen und Synagogen sowie nicht zuletzt mit den jahrhundertealten Friedhöfen an die einstige Größe und Bedeutung der jüdischen Gemeinden am Rhein. Diese haben über mehr als 1000 Jahre hinweg das religiöse Leben geprägt und den kulturellen Austausch in der Region gefördert.Erst Baustofflager, dann DenkmalfriedhofDer Mainzer Judensand an der Mombacher Straße, der mit einigen Unterbrechungen seit dem 11. und bis ins 19. Jahrhundert hinein für Beisetzungen genutzt wurde, gilt als einer der ältesten und bedeutendsten jüdischen Friedhöfe Europas. Wobei das zuvor mehrfach geplünderte Gräberfeld, das des Öfteren als Baustofflager missbraucht worden war, erst vor genau 100 Jahren und auf Initiative der Rabbiner Sali Levi und Siegmund Salfeld in einen Denkmalfriedhof verwandelt wurde. Das näher rückende Jubiläum war für die Stadt ein wesentlicher Ansporn, den zuletzt doch etwas in Vergessenheit geratenen religiös bedeutenden Begräbnisort bis Spätsommer 2026 so herzurichten, dass er fortan auch für Touristen interessant und generell wieder vorzeigbar ist.Schöne Aussicht: Das Warten hat ein Ende, denn am 6. September soll das lange geplante Besucherzentrum Sali-Levi-Haus offiziell eröffnet werden.Visualisierung Holzer Kober/SinaiDas insgesamt rund fünf Millionen Euro teure Umgestaltungsprojekt wird inzwischen von einem neu geschaffenen Besucher- und Infozentrum oberhalb des Hanggeländes gekrönt, das dem Betrachter künftig einen Überblick über das ganze von einer Eibenhecke gefasste Areal bietet. Die offizielle Eröffnung des neuen Sali-Levi-Hauses ist für den 6. September angekündigt. An diesem Tag soll es laut Stadt neben mehreren Führungen nachmittags auch ein Bürgerfest direkt am Friedhofseingang geben. Außerdem sei eine danach noch bis zum 11. September dauernde Eröffnungswoche mit verschiedenen Programmpunkten geplant: neben Lesungen und Ausstellungsbesuchern sind unter anderem weitere Friedhofsführungen vorgesehen.Wer nicht so lange warten möchte, um sich selbst einen ersten Eindruck vom umgestalteten alten jüdischen Friedhof zu verschaffen, hat bereits am Sonntag, 26. Juli, dazu die Gelegenheit. Dann nämlich werden nach Angaben der Stadt kostenfrei zwei Führungen von Vertretern des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz angeboten, die um 13 Uhr und um 14 Uhr am Haupttor, Mombacher Straße 63 in der Mainzer Neustadt, beginnen.Eine Anmeldung sei nicht erforderlich. Allerdings müssten Männer, so sie an einem Besuch des ehemaligen Judensands interessiert seien, eine Kopfbedeckung tragen. Bei dem Rundgang sollen unter anderem Grabsteinsymbole gezeigt, aber auch Begräbnis- und Trauerrituale näher erläutert werden.
Welterbe: Neues Besucherzentrum für Judensand in Mainz
Lange genug hat es gedauert: Nun ist das Sali-Levi-Haus, das neue Besucherzentrum am alten jüdischen Friedhof von Mainz, so gut wie fertig.







