Es ist ein sonniger Freitagnachmittag, auf den Straßen rund um das Rennplatz Zentrum (REZ) in Regensburg ist es relativ ruhig. Vor dem Einkaufszentrum schieben Mütter ihre Kinderwagen vorbei, Radfahrer und Fußgänger passieren. Fast wirkt es wie ein ganz normaler Werktag. Wären da nicht die Blumen und Kerzen vor der Filiale der Hypo-Vereinsbank, wo sich am Tag zuvor eine schreckliche Tat ereignet hat. Ein 20-jähriger Mann hat dort am Donnerstagnachmittag auf einen Bankmitarbeiter eingestochen. Später starb der Mann im Krankenhaus an seinen Verletzungen.Der mutmaßliche Angreifer habe die Bankfiliale im REZ am Donnerstag betreten und einen Zettel vorgezeigt. Auf diesem habe etwas von einem „Banküberfall“ gestanden, sagte Polizei-Einsatzleiter Erwin Frankl bei einer Pressekonferenz in Regensburg am Freitag. Dann habe er ein Küchenmesser mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge in die Luft gehalten, sei an dem Tresen vorbei zu dem Mitarbeiter gegangen und habe mehrfach auf den Bankmitarbeiter eingestochen.Beim mutmaßlichen Täter, das berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft bei der Pressekonferenz, handelt es sich um einen 20-jährigen, polizeibekannten Mann. Er sei in den vergangenen Jahren immer wieder auffällig geworden, etwa wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Bei ihm wurden damals ein Einhandmesser sowie ein Elektro-Impulsgerät gefunden, woraufhin die Stadt Regensburg 2023 ein Waffenbesitzverbot erlassen habe.Informationen zu dem Angriff in einer Regensburger Bankfiliale gaben am Freitag in Regensburg: Polizeivizepräsident Erwin Frankl, Robert Fuchs von der Kriminalpolizei und Staatsanwalt Thomas Schug (von rechts nach links). Foto: Armin Weigel/dpaAußerdem sei er mehrmals vermisst worden, als er nicht rechtzeitig in eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung zurückgekehrt war. Erst im Juli sei der junge Mann wieder nach Regensburg zurückgekehrt, erklärten die Ermittler, zuvor lebte er zwei Jahre in Berlin.In der Nacht auf Donnerstag war der mutmaßliche Täter bereits bei Regensburger Polizei kurzzeitig in Gewahrsam. Er sei zur Polizei gekommen und habe sich selbst stellen wollen, unter anderem, weil er seinen Angaben zufolge eine Bierflasche auf ein Polizeigelände geworfen habe, sagte Frankl. Da jedoch keine Haftgründe vorlagen, habe er wieder entlassen werden müssen.Nach dem Angriff auf den Mitarbeiter in der Bank hätten ein Ehepaar mit einem Kleinkind, die als Kunden in der Bank waren, sowie ein Kundenberater den schwer verletzten Bankmitarbeiter in einen anderen Raum bringen können, sagte Robert Fuchs von der Kripo Regensburg. Dort hätten sie Erste Hilfe geleistet. Später konnte die Polizei, die mit 372 Kräften im Einsatz war, die Kunden und den Verletzten über ein Fenster nach draußen holen.Der mutmaßliche Täter befand sich demnach zu diesem Zeitpunkt im hinteren Teil der Filiale. Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Geld habe er nicht erbeuten können, es handle sich um eine bargeldlose Filiale, sagten die Ermittler.Darauf, dass der Beschuldigte und sein Opfer sich kannten, gibt es laut Polizei keine Hinweise. „Es war wohl ein Zufallstreffen“, sagte Fuchs. Der 20-Jährige wurde am Freitag einer Haftrichterin vorgeführt, die daraufhin Haftbefehl erlassen hat. Er wird des Mordes und der versuchten schweren räuberischen Erpressung verdächtigt und sitzt nun in Untersuchungshaft.Die Spurensicherung war in der Bankfiliale im Einsatz. Foto: Jason Tschepljakow/dpaDer mutmaßliche Täter wurde am Freitag dem Haftrichter vorgeführt. Foto: Armin Weigel/dpaHinweise auf eine psychische Erkrankung lägen nicht vor, sagte Thomas Schug von der Staatsanwaltschaft Regensburg. Dennoch soll der Beschuldigte psychiatrisch begutachtet werden. Das sei in solchen Fällen üblich, sagte Schug. Drogen seien bei ihm nicht gefunden worden. Zum Tatmotiv habe der Mann bisher noch keine Angaben gemacht. Das Opfer wurde am Freitagvormittag obduziert, die Ergebnisse stehen noch aus.Vor der von der Polizei versiegelten Bankfiliale, die am Freitag geschlossen bleibt, halten am Vormittag immer wieder Passanten an, legen Blumen nieder, kommen miteinander ins Gespräch. Eine von ihnen ist Ülgūr Nazli. Am Donnerstagnachmittag war sie gerade auf dem Weg zum Geldabheben und wollte in der Nähe anschließend ihre Großmutter besuchen, als kurz vor dem REZ nichts mehr weiterging. „Auf der Kreuzung standen um die zehn Polizeiautos, ein Hubschrauber in der Luft, überall Blaulicht“, erzählt sie.Am Tag danach ist sie immer noch fassungslos. Ihre Gedanken sind bei der Familie und den Kollegen des Opfers. „Das war schon krass, das ist sehr traurig“, sagt sie. Ihre Oma sei am Abend zu Hause gesessen „und hat geweint, weil es ihr so leidgetan hat“, sagt sie. „Sie hat zu mir gesagt: Das hättest auch du sein können.“Auch Martin Huber ist am Freitagvormittag zum Ort des Geschehens gekommen. Er hat ähnliche Gedanken. Auch er wollte am Donnerstag Geld in der Filiale abheben und kam nicht weiter, weil die Polizei alles abgeriegelt hatte. Sein Sohn habe vorher noch etwas in einem Supermarkt einkaufen wollen, drum war er etwas später dran als geplant. „Gott sei Dank, muss man im Nachhinein sagen, sonst wäre ich zur betreffenden Zeit vielleicht dort gewesen.“ Auch er drückt sein Mitgefühl für die Familie des Getöteten aus.Bankkundin Ülgūr Nazli (links) im Gespräch mit Pia Roß vom Weißen Ring. Foto: Alexander KappenPia Roß vom Weißen Ring Regensburg zündet am Freitagvormittag eine Kerze vor der Bankfiliale an. Wie schon am Donnerstag kommt sie mit den Anwesenden ins Gespräch, bietet ihnen Hilfe an. Man werde für die Betroffenen in den kommenden Tagen etwas organisieren, vielleicht zusammen Kaffee trinken, sagt sie. Über die Motivation des mutmaßlichen Täters könne man nichts sagen, aber jedes verlorene Menschenleben „ist eines zu viel“.
Tödlicher Messerangriff in Regensburg: Verdächtiger war kurz vor Attacke in Polizeigewahrsam
Der tödlich Verletzte war wohl ein Zufallsopfer. Am Tag danach geben die Ermittler Details bekannt. Das Motiv bleibt im Dunkeln.












