Tesla verkauft endlich wieder mehr Autos, doch an der Börse stürzen die Aktien ab. Hat sich Elon Musk verkalkuliert?Besonders in Europa und China ist der Absatz von Elektroautos im ersten Halbjahr kräftig gestiegen. In der EU profitierten vor allem Tesla und chinesische Anbieter von staatlichen Kaufanreizen. An den Märkten wird derweil über eine Fusion von Tesla und SpaceX spekuliert.24.07.2026, 15.35 Uhr4 LeseminutenLadesäule von Tesla in Kalifornien: Der Elektroautohersteller verzeichnet in den USA sinkende Gewinne im Geschäft mit Umweltzertifikaten.Mario Anzuoni / ReutersDas dürfte Elon Musk nicht geschmeckt haben: Diese Woche hat der Elektroautohersteller Tesla mit zwei gegenläufigen Entwicklungen überrascht. Einerseits ist der Fahrzeugabsatz im ersten Halbjahr um 16 Prozent auf 480 000 Einheiten geklettert, allein im zweiten Quartal betrug der Anstieg 25 Prozent. Zugleich ist der adjustierte Nettogewinn aber um 17 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar eingebrochen. Analysten hatten mit 1,9 Milliarden Dollar gerechnet. Entsprechend hart war das Urteil von Marktteilnehmern: An der Börse stürzten die Aktien von Tesla am Donnerstag um satte 14 Prozent ab.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Von Rabatten in der EU profitieren Tesla und die ChinesenDas Unternehmen hat zwei schwierige Jahre mit jeweils leicht sinkenden Absätzen hinter sich. Die Gründe dafür waren vor allem eine veraltete Modellpalette und die politischen Eskapaden von Elon Musk. Der Multimilliardär war zeitweise als Berater des US-Präsidenten Donald Trump tätig, sorgte unter dem Stichwort Doge für einen massiven Stellenabbau bei amerikanischen Behörden und äusserte immer wieder Sympathien für politisch weit rechts agierende Parteien in Europa. Das dürfte einige potenzielle Käufer der E-Auto-Community vergrault haben.Dieses Jahr läuft es wieder besser, wobei Analysten kritisieren, dass der höhere Absatz mit Rabatten erkauft wurde. Das führte zum genannten Einbruch der Gewinne. Davon profitierten auch die Kunden in Europa. Die Rabatte sowie die politische Förderung von Elektroautos in vielen Ländern sorgten bei Tesla für einen Anstieg des Absatzes gegenüber dem Vorjahr in der EU sowie der Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island und Grossbritannien um 55 Prozent auf 170 000 Einheiten. Höhere Wachstumsraten verzeichneten nur die drei chinesischen Marken BYD (146 Prozent), Chery Automobile (306) und Leapmotor (558).«Gegenwärtig sind die chinesischen Hersteller und Tesla die grössten Profiteure der diversen Förderprogramme für Elektroautos in der EU», sagt Constantin Gall, Autoexperte der Unternehmensberatung EY, zu den Zahlen. «Während diese Förderungen umweltpolitisch sinnvoll sein mögen, da sie den Hochlauf der E-Mobilität beschleunigen, sind sie industriepolitisch fragwürdig», ergänzte Gall. Die grössten Profiteure der Förderung seien nämlich nichteuropäische Hersteller.Das Ergebnis davon ist, dass im Juni jeder zehnte in der EU neu zugelassene Wagen aus China stammte. Diese Zugewinne scheinen gemessen an den Absatzzahlen vor allem zulasten von Ford, Mitsubishi, der Renault-Gruppe und Hyundai gegangen zu sein.Im derzeit sehr schwierigen und wettbewerbsintensiven chinesischen Markt hat Tesla nach Berechnungen des deutschen CAR Institute im ersten Halbjahr fast 100 000 Fahrzeuge mehr verkauft als im gleichen Vorjahreszeitraum. Damit sei jeder zweite Tesla wohl im Reich der Mitte abgesetzt worden, hiess es. Auch dort waren Preissenkungen ein Treiber der Entwicklung, diese liessen die Gewinnmarge jedoch schmelzen.In den USA litt das Unternehmen dagegen darunter, dass im Herbst Steuergutschriften für den Kauf von Elektroautos von bis zu 7500 Dollar weggefallen waren. Zudem war das Geschäft mit Emissionspunkten viel weniger profitabel als früher. Tesla erhält in manchen Gliedstaaten für die Produktion von E-Autos Emissionszertifikate, welche man dann an Wettbewerber verkaufen darf. Den Konkurrenten helfen die Zertifikate, die gesetzlichen Emissionsvorgaben zu erfüllen. Der Gewinn von Tesla sank in dem Geschäftsfeld von 439 Millionen auf 146 Millionen Dollar.Gerüchte über Fusion von Tesla und SpaceXIm Fokus stand jüngst aber nicht nur die Geschäftsentwicklung von Tesla, sondern auch die Zukunft der Firma insgesamt. An den Märkten wird seit längerem darüber spekuliert, ob Elon Musk seine Firmen SpaceX und Tesla vereinen könnte. Bei einer Analystenkonferenz in dieser Woche schloss Musk das nicht aus, sagte aber, die Präsentation der Quartalszahlen sei der falsche Anlass, um dies zu diskutieren.Dennoch liess er es sich nicht nehmen, auf bereits bestehende Kooperationen und Synergien zwischen SpaceX und Tesla hinzuweisen. So planen die beiden Unternehmen gemeinsam mit dem Chiphersteller Intel eine grosse Halbleiterfertigung in den USA. Zudem integriert Tesla den Satellitendienst Starlink und den Chatbot Grok, die beide zu SpaceX gehören, in seine Robotaxis. Insgesamt verstärkt sich bei Beobachtern der Eindruck, dass sich Musk immer weniger für die Herstellung von Elektroautos für Privatpersonen interessiert, sondern vor allem über Robotaxis, humanoide Roboter und künstliche Intelligenz redet.Besonders diese drei Bereiche erfordern einen enormen Kapitaleinsatz. In diesem Jahr will Tesla deshalb 25 Milliarden investieren, was fast einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entspricht. In den kommenden Jahren sollen die Ausgaben sogar noch steigen.Erstmals seit Jahren verzeichnete Tesla deshalb wieder einen negativen Cashflow. Mit anderen Worten: Das Unternehmen verbrannte Geld. Für Analysten ist das ein Warnzeichen. Auch dies dürfte dazu beigetragen haben, dass die Tesla-Aktien an der Börse abgestraft wurden. Das Unternehmen kommt nun nur noch auf einen Marktwert von gut einer Billion Dollar, SpaceX wird derzeit mit 1,5 Billionen Dollar bewertet.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Passend zum Artikel