Es war der Traum vom Volks-Mercedes, der vor 90 Jahren den Typ 170 V als Statussymbol der bürgerlichen Mitte etablierte. Was damals keiner ahnte: Technisch modern, aber konservativ im Design, brachte der Mercedes 170 V ab 1949 sogar die junge Bundesrepublik in Fahrt – und er legte die Basis zur heutigen C-Klasse.SP-X/Köln. Heute ist es die aerodynamisch gezeichnete elektrische C-Klasse, mit der Mercedes die dicht besetzte Premium-Mittelklasse aufmischen will – ganz so wie vor 90 Jahren der Mercedes 170 V (W 136) für Furore sorgen sollte. Allerdings benötigte der Mercedes 170 V dafür keine progressiven Formen, ganz im Gegenteil: Dieser hochbeinige Urahn der modernen C- und (nach Mercedes-Diktion) auch E-Klasse trug den Stern stolz über dem steil aufragenden Kühler, kleidete sich in konservative Vorkriegsformen mit freistehenden, bauchigen Kotflügeln und Trittbrettern.

Kaum zu glauben, dass dieser majestätisch, aber in der Masse der Stromlinien-Konkurrenten zugleich altmodisch aussehende Mercedes sogar zwei Leben hatte: Nach kriegsbedingt unterbrochener Produktion startete der 170 V Ende der 1940er seine Karriere als erster Stuttgarter Sternträger für die deutschen Wirtschaftswunderjahre. Der Typ 170 etablierte sich zum Statussymbol für Aufsteiger und Taxi-Fahrer – denn als 170 D brachte er den Dieselmotor im Pkw endgültig in die Großserie. Hinzu kamen vielfältige Nutzfahrzeugversionen, nicht zu vergessen der oberhalb des 170 V positionierte 170 S (W 136 IV) mit opulenterer Karosserie für repräsentative Auftritte. Tatsächlich stellte sich sogar Hollywood-Diva Marilyn Monroe – sonst eher in glamourösem Cadillac oder Ford Thunderbird zu sehen – einen gediegenen 170 S in die Garage. Denn unter dem antiken Blechkleid verband der Benz modernste Technik mit einer Solidität, die Maßstäbe setzte. Fachleute lobten den 170 V als robusteste Mercedes-Entwicklung überhaupt: Er lief und lief – wie der VW Käfer.