Keine Entspannung in Frankreich: An der Atlantikküste und im Süden des Landes kämpft die Feuerwehr weiterhin mit einem Großaufgebot gegen mehrere große Waldbrände. Bedrohlich bleibt die Lage an der bei deutschen Touristen beliebten Küste bei Bordeaux, wo seit Mittwoch rund 20.000 Menschen vor allem von Campingplätzen und Ferienanlagen evakuiert wurden. Geräumt wird auch die Halbinsel Cap Ferret. Bei Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann bei der Explosion einer Gasflasche verletzt.Wann die Urlauber in ihre Quartiere zurückkönnen, ist noch vollkommen offen. Vorläufig kamen die Betroffenen in Notunterkünften und Ausweichquartieren in angrenzenden Urlaubsorten unter. In Bordeaux wurde auch eine Messehalle zur Einquartierung evakuierter Touristen geöffnet. Die Gendarmerie koordinierte die Evakuierungen und bewacht die verwaisten Campingplätze und Ferienzentren, wo viele Menschen Wohnwagen und Zelte zurücklassen mussten. Wie die Präfektur in Bordeaux am Abend mitteilte, hat der Brand sich inzwischen auf 4800 Hektar ausgedehnt. Die Lage bleibe weiterhin ungünstig, da das Feuer im gesamten betroffenen Gebiet nach wie vor sehr aktiv sei.Heute Abend liefern sich unsere Einsatzkräfte einen regelrechten Kampf gegen die Waldbrände.Laurent Nuñez, Innenminister von FrankreichHohe Temperaturen, starker Wind und die Trockenheit der Vegetation nach drei Hitzewellen befördern die Ausbreitung der Flächenbrände. Die Gegend an der Atlantikküste ist von Pinienwäldern geprägt, die derzeit ausgetrocknet sind. Die Feuerwehr rechnete für Freitag mit erschwerten Bedingungen, da der Wind zunehme und die Richtung ändere. Auch heute wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad in der Region erwartet.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Die Feuerwehr ist mit 800 Kräften, 260 Fahrzeugen, fünf Löschflugzeugen und einem Löschhubschrauber im Einsatz – und benötigt Unterstützung. Frankreich stehe „unter hoher Spannung“, erklärte Präsident Emmanuel Macron. Er gab in der Nacht zum Freitag bekannt, dass er die Europäische Union um Hilfe gebeten habe. Es sei die Auslösung des europäischen Zivilschutzmechanismus’ beantragt worden. Frankreich werde damit „schnell“ Hilfe aus anderen Ländern für die Brandbekämpfung aus der Luft bekommen. „Wir werden bald auf Verstärkung zählen können“, erklärte Macron im Onlinedienst X. Unter anderem sollten Löschflugzeuge und Schwerlast-Hubschrauber aus Kroatien, Portugal, Tschechien und der Slowakei die französischen Einsatzkräfte unterstützen.Ein weiterer Brand breitete sich ebenfalls an der Atlantikküste südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse aus. Dort hatte ein Lieferwagen Feuer gefangen und die Flammen griffen schnell auf die Natur über. 1200 Hektar Fläche brannten bis zum späten Abend bereits nieder und 5000 Menschen wurden evakuiert.In Südfrankreich flammte unterdessen im bergigen Hinterland nordöstlich von Marseille rund um den Ort Pontevès ein Waldbrand wieder auf, den die Einsatzkräfte zwischenzeitlich einigermaßen in den Griff bekommen hatten. Rund 500 Einwohner aus mehreren Orten wurden am Nachmittag vorsorglich evakuiert, ein Teil von ihnen konnte am Abend wieder zurückkehren, teilte das Département Var mit.„Heute Abend liefern sich unsere Einsatzkräfte einen regelrechten Kampf gegen die Waldbrände“, sagte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez und hob den Einsatz aller Beteiligten hervor. „An alle, die gegen die Flammen kämpfen, um die Franzosen, ihr Eigentum und unsere Wälder zu schützen: Die Nation steht hinter euch“, sagte der Minister. Frankreich rüstet Militärflieger zum Löschflugzeug um Angesichts der verheerenden Waldbrände rüstet Frankreich nun kurzfristig ein großes Militärtransportflugzeug des Typs Airbus A400M für Löscheinsätze um. Die entsprechend ausgerüstete Maschine, die 20 Tonnen Wasser auf einen Schlag abwerfen kann, werde binnen zehn Tagen einsatzklar sein, kündigte das Verteidigungsministerium in Paris an. Die technischen Vorbereitungen, die Ausbildung des Militärpersonals und Testflüge hätten am Montag begonnen. Die Löschflugzeuge spielen bei der Bekämpfung der Waldbrände in Frankreich eine zentrale Rolle. © dpa/AP/Caroline Blumberg Der Transportflieger fasst doppelt so viel Wasser wie ein herkömmliches Löschflugzeug. Insgesamt verfügt Frankreich über 67 Löschflugzeuge und Löschhubschrauber. Diese sind seit Kurzem angesichts zahlreicher Brände im Dauereinsatz. Erstmals überhaupt fassten Löschflugzeuge kürzlich auch auf der Seine südlich von Paris Wasser, um einen großen Brand im Wald von Fontainebleau zu bekämpfen.Auch in Spanien bleibt die Lage dramatisch. Wegen der verheerenden Waldbrände hat die Regierung in Madrid für zwei Regionen den „Notstand nationaler Tragweite“ ausgerufen. Dieser gelte ab sofort für die Hauptstadtregion Madrid sowie in der nahegelegenen Provinz Ávila, teilte das Innenministerium in der Nacht zum Freitag mit.Durch die Ausrufung des Notstands kann der Staat mehr Mittel und Gelder im Kampf gegen die Flammen mobilisieren. Unter anderem wird die Leitung der Einsätze automatisch in die Hände einer militärischen Kriseneinheit gelegt.In den vergangenen Tagen sind in Spanien zahlreiche Brände ausgebrochen. Vor allem ein außer Kontrolle geratener Waldbrand westlich von Madrid besorgt Einsatzkräfte und Anwohner. Am Donnerstag wurde deshalb für 3500 Menschen eine Evakuierung angeordnet.Bereits am Vortag hatten die Behörden in Gemeinden südwestlich der spanischen Hauptstadt wegen eines weiteren Brandes Evakuierungen verfügt. Insgesamt mussten rings um Madrid bereits 10.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Durch Waldbrände sind in Spanien in diesem Jahr bereits 125.000 Hektar Land verbrannt. (dpa, AFP)