Einige tausend Ausländer durften wählen gehen: Hat Donald Trump etwa doch recht, wenn er von Wahlbetrug spricht?In New Jersey hat eine Panne dazu geführt, dass auch Nicht-US-Bürger im Wählerverzeichnis gelandet sind. Der Präsident pocht nun umso mehr auf seinen «Save America Act», der unrechtmässige Stimmabgaben verhindern soll.23.07.2026, 19.19 Uhr3 LeseminutenÜber 6000 Ausländer waren in New Jersey eingeladen, wählen zu gehen.Charlie Neibergall / APDonald Trump sieht sich bestätigt. Es gibt Wahlbetrug in den USA. Der Fall des Gliedstaats New Jersey zeigt es. Dort wurden rund 6600 Ausländer als Wähler registriert. Eine Softwarepanne hatte dazu geführt, dass sie fälschlicherweise im Wählerverzeichnis landeten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Für den Präsidenten handelt es sich um ein klares Indiz für systemische Probleme. Von einem «korrumpierten Wahlsystem» schreibt er auf Truth Social. Die Aussage unterstrich er mit einigen Ausrufezeichen und dem Hinweis auf seine «Save America Act», die unter anderem eine Ausweispflicht bei der Stimmabgabe fordert. Vielleicht also nicht ganz zu Unrecht?Kritiker von Massnahmen wie der Wähleridentifikation haben stets bestritten, dass überhaupt ein Problem besteht. Einige tausend fehlerhaft registrierte Personen zeichnen nun ein anderes Bild. Der Fall sei «eine weitere Erinnerung daran, dass illegales Wählen kein Mythos ist», schreibt denn auch das «Wall Street Journal». Die Zeitung stellt aber auch klar, dass es sich keinesfalls um die Verschwörung handle, «die Trump gerne in den Köpfen seiner Anhänger hervorruft».Nur 400 Leute gingen wählenTatsächlich lässt sich von der Panne kaum auf einen grossflächigen, vorsätzlichen Betrug schliessen. Trumps Wahlrechtsreform hätte die Resultate in New Jersey nicht nennenswert beeinflusst. Nach ersten Erkenntnissen haben nur rund 400 der 6600 Personen von ihrer Einladung, an Wahlen teilzunehmen, profitiert. Das erklärte die Gouverneurin des Gliedstaats, die Demokratin Mikie Sherrill, die den Lapsus am Dienstag eingeräumt hatte.Zu den falschen Registrierungen war es im Sommer 2023 gekommen. Der Fehler ging vom Strassenverkehrsamt aus, wo Antragsteller für Führerscheine, die sich korrekt als ausländische Staatsbürger ausgewiesen hatten, ans Wählerverzeichnis übermittelt wurden. Ein Jahr lang wurde das Problem nicht behoben.Offenbar gingen die rund 400 Personen irrtümlich davon aus, dass sie zur Teilnahme an Wahlen berechtigt seien. Ihre Stimmen entfielen auf Lokalwahlen 2023 und auf die Präsidentschaftswahl 2024, bei der Kamala Harris den Gliedstaat mit 252 498 Stimmen Vorsprung gewonnen hat, aber insgesamt chancenlos gegen Trump war.Wenngleich die Computerpanne also überschaubare Folgen hatte, betonte Sherrill, dass sie die Angelegenheit ernst nehme. Als ehemalige Bundesanwältin und auch «als Militärveteranin, die einen Eid zur Verteidigung unserer Verfassung geschworen hat», wisse sie, von welch grundlegender demokratischer Bedeutung «die Integrität von Wahlen» sei.Ohne ihren Parteikollegen Phil Murphy, in dessen Amtszeit es zu dem Fehler gekommen war, beim Namen zu nennen, kritisierte sie auch ihre Vorgängerregierung vehement: «Ich bin entsetzt über die fahrlässigen Versäumnisse, die dies ermöglicht haben, und über den Mangel an Transparenz, den die damaligen Verantwortlichen gezeigt haben.»Trumps LieblingsthemaIhre deutlichen Worte wird sie nicht ohne Grund gewählt haben. Sie weiss, dass der Fall Trump in die Hände spielt. Der Präsident, der sich bekanntlich um die Wahl 2020 gegen Joe Biden betrogen fühlt, bewirtschaftet das Thema unermüdlich. In einer Fernsehansprache vergangene Woche widmete er sich ausgiebig der angeblichen Einmischung von China.Darüber hinaus stellte er die Zahl von 250 000 unberechtigten Wählern in vier Gliedstaaten in den Raum. Sein Minister für Inlandsicherheit, Markwayne Mullin, machte derweil allen voran Pennsylvania aus, wo bis zu 14 000 Ausländer in den Wahllisten registriert seien. Stichfeste Belege für ihre Vorwürfe konnten aber sowohl der Präsident als auch Mullin bisher nicht vorbringen.«Donald Trump hat null Glaubwürdigkeit in der Frage der Wahlintegrität», schrieb Sherrill in ihrem Statement. Seit Jahren arbeite er daran, «das Vertrauen der Amerikaner in unsere Wahlen zu untergraben». Im Unterschied zum Präsidenten erfinde sie keine Verschwörungen, fügte sie hinzu. Dass die Probleme, wie sie sagt, «offen eingeräumt, untersucht und behoben» wurden, stimmt mit Blick auf ihre Vorgängerregierung allerdings auch nicht ganz.Passend zum Artikel