Die Rasanz hat abgenommen: Vergangenes Jahr sind gut 25 000 Menschen auf dem Gebiet des Erzbistums München und Freising aus der katholischen Kirche ausgetreten – 8,5 Prozent weniger als 2024. Damit einher gehen sinkende Kirchensteuereinnahmen, die Haupteinnahmequelle der Erzdiözese, um 15 Millionen Euro haben sie im Vergleich zu 2024 abgenommen. Sie lagen 2025 noch bei 630 Millionen Euro.Auf der anderen Seite sind vergangenes Jahr die Kosten beim Bau und Unterhalt kirchlicher Gebäude, Gehälter und Altersvorsorge der Mitarbeitenden weiter angeschwollen. Unter diesen Rahmenbedingungen könne man „nicht mehr alles weiterführen wie bisher“, sagte Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese, am Donnerstag bei der Finanzpressekonferenz seines Hauses.Es gelte, so Klingan als Verwaltungschef der Erzdiözese, sich zu fokussieren und das eigene „Profil zu schärfen“. Was das heißt, wissen die 750 Pfarrgemeinden spätestens seit 2023. Als Kirchenstiftungen sind sie Eigentümerinnen von rund 3600 pastoral genutzten Gebäuden zwischen Dachau und Berchtesgaden. Vor drei Jahren ging das Projekt „Immobilien und Pastoral“ zunächst in zwei Pilotgemeinden an den Start – mit dem Ziel, dass die Pfarreien künftig selbst entscheiden sollen, was sie mit ihren im Unterhalt teuren Immobilien anstellen.Denn zahlen müssen sie das dann im Wesentlichen auch selbst. Rund 50 Millionen Euro – den Wert rief Klingan in der Pressekonferenz nochmals auf – fließen aktuell pro Jahr an Zuschüssen für Baumaßnahmen und Instandhaltung von der Erzdiözese an sie alle. Zum Vergleich: Die jüngst abgeschlossene Sanierung der Sendlinger St.-Thomas-Morus-Kirche hat allein 17,9 Millionen Euro gekostet – finanziert zum Großteil aus Kirchensteuermitteln.„Es geht nicht um einen Rückzug aus der Fläche. Kirche bleibt vor Ort“, sagte der Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Christoph Klingan. Sven Hoppe/dpaBis 2031 sollen diesen Prozess alle 18 Dekanate, die Verwaltungsbezirke, vollzogen haben, sagte Klingan. Für die in hohem Maße ehrenamtlich getragenen Gemeinden ein Kraftakt. Der Generalvikar nannte das eine „beteiligungsorientierte Vorgehensweise“ und sagte auch: „Es geht nicht um einen Rückzug aus der Fläche. Kirche bleibt vor Ort.“Zuvor hatte der Erzbischöfliche Finanzdirektor Markus Reif bereits den Rahmen des Jahresabschlusses 2025 und den Haushalt 2026 in den Blick genommen. Die Erträge bewegten sich 2025 mit rund 920 Millionen Euro in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Neben den Kirchensteuereinnahmen flossen auch öffentliche Zuschüsse von 148 Millionen Euro. Allein 98 Millionen davon sind staatliche Gelder für den Betrieb von Schulen und 19 Millionen Euro von Städten und Gemeinden im Wesentlichen für den Betrieb diözesaner Kindertagesstätten.Inflationsbedingt sind die Ausgaben des größten katholischen Bistums in Bayern auf 897 Millionen Euro gestiegen, von 836 Millionen im Vorjahr, so der Erzbischöfliche Finanzdirektor. Größter Aufwandsposten sind mit 376 Millionen Euro die Personalkosten.Die Bilanzssumme von 4,1 Milliarden Euro weist ein Plus von 74 Millionen Euro aus. Mit 1,4 Milliarden Euro entfällt der Großteil des Vermögens auf bebaute und unbebaute Grundstücke.Im Haushalt für 2026, so Reif, lägen die Erträge von 868 Millionen Euro niedriger als die Aufwendungen von 927 Millionen Euro. Für einen Teil der geplanten Aufwendungen habe die Erzdiözese bereits in den vergangenen Jahren zweckgebundene Rücklagen gebildet. Zu den Bauprojekten, die 2026 am meisten verschlingen werden, zählen der Neu- und Umbau des früheren Kardinal-Döpfner-Hauses am Domberg in Freising (74,9 Millionen Euro) und die Generalsanierung sowie der Umbau des denkmalgeschützten ehemaligen Klostergebäudes an der Rochusstraße in München zu einer Gewerbeimmobilie (8,2 Millionen Euro).Trotz rückläufiger Ressourcen, das versicherten Klingan wie auch Stephanie Herrmann als Amtschefin des Ordinariats, wolle man in der Gesellschaft „weiter wirksam als Kirche präsent und für die Menschen da sein“. Gleichwohl seien „Konzentration und Schwerpunktsetzung angezeigt“. Bis auf die „Immobilien und Pastoral“-Strategie haben die beiden gleichwohl nicht ausdefiniert, was an Unterstützung im Detail wegfallen soll.Zuhören gehöre zur Kernkompetenz seiner Profession, sagte Alexander Fischhold, Leiter der Telefonseelsorge in der Erzdiözese München und Freising. Stephan RumpfFesthalten wolle man jedenfalls am Angebot der Telefonseelsorge in der Erzdiözese, die fast vollständig aus Kirchensteuermitteln finanziert werde, sagte Klingan. Der Leiter der Einrichtung, Alexander Fischhold, stellte zusammen mit einer Kollegin die Arbeit seines Teams bei der Pressekonferenz vor. Mit rund 35 000 Anrufen von Hilfesuchenden pro Jahr und etwa 4000 Mail- und Chatkontakten sei die Nachfrage sehr hoch.Ein wichtiges Handlungsfeld der Kirche, sagte Stephanie Herrmann, bleibe die Bildung. Mehr als 11 000 Jungen und Mädchen besuchten derzeit 25 Schulen in ihrer Trägerschaft. Die Modernisierung der weitgehend renovierten Erzbischöflichen Ursulinen-Realschule in Landshut lässt sich die Kirche 62 Millionen Euro kosten.
München: Die Kirchensteuer sinkt weiter, die Erzdiözese muss sparen
Große Einschnitte gibt es vor allem in den Pfarrgemeinden, die ihre Immobilien weitgehend selbst finanzieren müssen.







