Die große Hitzewelle, die seit Tagen Nordafrika heimsucht, ist noch heftiger als die in Spanien und Frankreich. In Tunesien und Algerien erreichen die Temperaturen fast 50 Grad. Im tunesischen Kairouan wurden bereits 49,6 Grad gemessen – damit war die Stadt am Dienstag nach Yanbu in Saudi-Arabien der Ort mit der zweithöchsten Temperatur auf der Welt. In Tiaret in Algerien wurden 49,5 Grad registriert. Auch am Donnerstag erwarteten Meteorologen vielerorts wieder 49 Grad. Dazu kommen oft tropische Nächte mit Tiefsttemperaturen von mehr als 30 Grad. Ursache ist eine Art Hitzeglocke, die seit knapp einer Woche über dem Maghreb liegt, verstärkt vom Schirokko, einem heißen Wüstenwind.Die Rekordhitze bringt die Stromversorgung an ihr Limit. In Tunesien klagen Menschen über Stromausfälle, die zum Teil sechs Stunden und länger dauerten. Besonders wegen der vielen Klimaanlagen und der Hochsaison in den Badeorten ist das marode Stromnetz überlastet. Der Strom- und Gasversorger STEG forderte die Bevölkerung zum Energiesparen auf und kündigte zugleich Abschaltungen an. Der Stromverbrauch hat am Dienstag nach seinen Angaben einen Rekordwert von sechs Gigawatt erreicht.Ähnlich ist die Lage in Algerien, wo der Strombedarf ebenfalls noch nie so hoch war wie während dieser Hitzewelle. Dort war es in der Nacht vom 14. Juli zum schlimmsten Stromausfall seit zwei Jahrzehnten gekommen. Davon war nicht nur ein Viertel aller Provinzen betroffen, sondern auch das benachbarte Tunesien, das Strom aus dem erdgasreichen Algerien erhält.In Tunesien protestieren wütende Menschen gegen die StromabschaltungenIn Tunesien protestierten wütende Menschen vor Niederlassungen des hoch verschuldeten Stromversorgers STEG. Hotelbesitzer und Metzger beschwerten sich. Fabriken mussten ihre Produktion reduzieren, Lebensmittel verderben. Abgeordnete forderten eine Sondersitzung des Parlaments. Amnesty International äußerte sich besorgt über die Lage in den nicht klimatisierten Gefängnissen. Es gibt bereits Forderungen nach „Klima-Begnadigungen“ von chronisch kranken Häftlingen. Auch die Wasserversorgung bricht immer wieder zusammen.Zugleich kämpfen Einsatzkräfte in Algerien, Tunesien und Marokko seit Tagen gegen Hunderte Brände. Am Rand von Algier kamen bei einem Feuer in einem Waisenhaus in der vergangenen Woche elf Menschen ums Leben. In Algerien wurden in diesem Jahr schon mehr als 20.000 Hektar zum Raub der Flammen.Auf der anderen Seite des Mittelmeers in Spanien hat der Waldbrand in der Provinz Guadalajara bereits 32.000 Hektar verwüstet – die zweitgrößte Fläche in den vergangenen Jahrzehnten in Spanien, wo in diesem Jahr insgesamt schon mehr als 90.000 Hektar brannten. Ein weiteres Feuer erreichte den Rand der Region von Madrid. Auch in Spanien schließen Fachleute Temperaturen von bis zu 50 Grad in Zukunft nicht mehr aus. „Barcelona bei 50 Grad“ heißt das neue Projekt, mit dem sich die dortige Stadtverwaltung auf diese Wetterextreme vorbereitet.
Temperaturrekord in Algerien und Tunesien: Fast 50 Grad gemessen
Über dem Maghreb liegt eine Hitzeglocke, die für extreme Temperaturen sorgt. Viele Menschen klagen über Stromausfälle – und Einsatzkräfte kämpfen gegen Waldbrände.






