Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen am Donnerstag konstant gehalten. Der für die geldpolitische Steuerung maßgebliche Einlagensatz bleibt unverändert bei 2,25 Prozent. Im Juni hatte die Notenbank angesichts der steigenden Inflation erstmals seit drei Jahren den Leitzins von 2 auf 2,25 Prozent angehoben. In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Spekulationen über eine weitere Zinserhöhung gegeben.Angesichts der erneuten Eskalation im Iran-Krieg möchte die Notenbank aber zunächst Zeit gewinnen, um die Auswirkungen des Konflikts auf die Rohstoffpreise und die Inflation insgesamt abschätzen zu können. Der Ölpreis der Sorte Brent ist seit dem Wiederausbruch der Militärschläge zwischen den USA und Iran Anfang Juli von 71 Dollar auf 98 Dollar je Barrel gestiegen. Der hohe Ölpreis könnte auf andere Wirtschaftsgüter übergreifen und den jüngsten Preisschub noch einmal verstärken. Die Inflation in der Euro-Zone hatte sich nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen Iran und den USA im Juni abgeschwächt, lag aber mit 2,8 Prozent immer noch deutlich über dem Inflationsziel der EZB. Die Währungshüter streben mittelfristig eine Jahresteuerung von zwei Prozent an. Im Mai betrug die Inflationsrate noch 3,2 Prozent.Der anhaltende Militärkonflikt um die Kontrolle der Straße von Hormus belastet auch die Anleihemärkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist am Donnerstag mit 3,2 Prozent auf den höchsten Stand seit 2011 geklettert; die Investoren preisen damit höhere Inflationsraten und eine weitere Leitzinserhöhung der EZB ein.Sparkassen und Volksbanken zahlen sehr wenig TagesgeldzinsBankkunden haben bislang sehr wenig von der jüngsten Leitzinserhöhung der EZB profitiert. Nur jede sechste Bank in Deutschland hat den Aufschlag seit Juni zumindest teilweise an ihre Tagesgeldanleger weitergegeben, so auch eine aktuelle Auswertung von über 823 Banken und Sparkassen durch das Vergleichsportal Verivox. Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote bringen im Schnitt aktuell 1,38 Prozent. Vor dem letzten Notenbanktermin lagen sie bei 1,33 Prozent; die Durchschnittszinsen sind seitdem somit um 0,05 Prozentpunkte gestiegen. Bei den regionalen Geldhäusern müssen sich Tagesgeldanleger im Schnitt mit wesentlich niedrigeren Zinsen begnügen: Die Sparkassen zahlen durchschnittlich 0,41 Prozent aufs Tagesgeld. Bei den regionalen Genossenschaftsbanken, also insbesondere den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken, liegen die Zinsen im Schnitt bei 0,47 Prozent. In beiden Bankengruppen ging es bei den Durchschnittszinsen seit der EZB-Leitzinserhöhung von 0,25 Prozentpunkten im Juni nur um 0,03 Prozent nach oben.Ausgewertet wurden die unbefristeten Standardzinssätze der Geldhäuser. Sonderkonditionen, die nur für Neukunden oder Neuanlagen und auch nur für wenige Monate gültig sind, blieben unberücksichtigt.