Die Formel 1 tuschelt wieder: Christian Horner, der Lieblingsbösewicht aus der Netflix-Doku-Serie «Drive to Survive», könnte zurückkehrenAston Martin, BYD, Alpine – bis anhin gibt es nur Gerüchte über die Art der Rückkehr von Horner. Und der scheint das zu geniessen.Elmar Brümmer23.07.2026, 14.00 Uhr4 LeseminutenEr ist wieder da! Christian Horners Erscheinen Anfang Juli in Silverstone sorgte für eine Menge Gerüchte.Sara Ruffoni / ImagoOhne Bösewichte geht es nicht in der Formel 1, das Rollenspiel gehört zur grossen Inszenierung der Königsklasse dazu. Als perfekte Besetzung erschien über zwei Jahrzehnte hinweg der Brite Christian Horner, bis er im vergangenen Juli Knall auf Fall von Red Bull Racing entlassen wurde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach der Schamfrist von einem Jahr, offenbar vertraglich vereinbart, ist die Personalie Horner vor dem Grossen Preis von Ungarn an diesem Wochenende wieder Thema im Fahrerlager. Allein die Möglichkeit, dass einer der Lieblingsprotagonisten aus der Netflix-Doku-Serie «Drive to Survive» bald wieder mitmischen könnte, beflügelt die Phantasie.Kaum ist er wieder da, wird getuscheltMachtkämpfe unter Teamchefs faszinieren, das haben sie schon immer. So lieferte sich der nüchterne Perfektionist Ron Dennis heftige Duelle mit dem extrovertierten Flavio Briatore oder dem diplomatischen Jean Todt. Christian Horner wurde als Agent provocateur zum würdigen Nachfolger von Dennis und ging keinem Streit mit dem Mercedes-Gegenspieler Toto Wolff aus dem Weg.Horner provozierte, traf häufig einen Nerv bei seinen Gegnern, wechselte zwischen persönlichen und politischen Angriffen. Niemand polarisierte so sehr wie er, weshalb seine Demission letzten Sommer – offiziell, weil er erfolglos war – zunächst auch für ein kollektives Aufatmen sorgte. Doch es dauerte nicht lange, da begann sogar der Kontrahent Wolff, den Schlagabtausch zu vermissen.Schon früh war klar: So einfach lässt sich einer wie Horner nicht von seiner Spielwiese vertreiben. Ganz bescheiden mit einer Windjacke bekleidet, tauchte er beim vorletzten Rennen in Silverstone wieder auf. Sofort war es wieder wie immer: Es wurde getuschelt, beäugt, spekuliert.Alle im Ungewissen über seinen nächsten Schachzug zu lassen, das ist die Masche des 52-Jährigen. Sein dezentes Lächeln deutete an, dass er diese Auftritte genoss. Offiziell gibt es von ihm nur die Bemerkung, dass er mit der Formel 1 noch nicht fertig sei. Ein Manager, der einen Rennstall von null zum Championteam gemacht hat, besitzt stets Optionen.BYD, Alpine, Aston Martin – alles ist möglich, nichts ist klarMehrere Szenarien sind denkbar, in denen der Brite jene gewichtige Rolle spielen könnte, die er für sich beansprucht. Gewöhnlicher leitender Angestellter will er nicht wieder sein, mindestens Teilhaber wie Toto Wolff bei Mercedes. Wie praktisch, dass in diesem Sport vieles käuflich ist – und dem Vernehmen nach soll der selbst nicht ganz unvermögende Horner ein Konsortium potenter Investoren hinter sich versammelt haben, die ihm den Lebenstraum von der Spitzenposition erfüllen könnten. Natürlich nicht uneigennützig, die Formel 1 verspricht momentan allen rasante Renditen.Die entscheidende Frage lautet: Füllt ein neues, zwölftes Team das Starterfeld auf – oder wird irgendwo die oberste Etage bei einem bestehenden Rennstall geräumt? Für beide Möglichkeiten gibt es Indizien. Dass sein kriselndes altes Team Red Bull Racing mit dem ersten selbstgebauten Motor der Rennstallgeschichte gleich an der Spitze der PS-Wertung liegt, ist Horners Weitsicht zu verdanken. Vielleicht ist auch deshalb der aufstrebende chinesische Automobilkonzern BYD («Build Your Dreams») auf Horner aufmerksam geworden, der Firmenname würde bestens zu den Allmachtsphantasien des Managers passen. Die Gespräche wurden am Rande des Formel-E-Rennens in Monte Carlo geführt, bald wusste die Rennwelt über dieses mögliche Comeback Bescheid. Beim französischen Konzernteam Alpine stehen 24 Prozent der Anteile zum Verkauf, das Interesse Horners an einer Minderheitsbeteiligung aber scheint überschaubar. Zumal er es dort mit einem anderen Egomanen, Flavio Briatore, zu tun bekommen würde.Der Mann, der nach 405 Formel-1-Einsätzen mit der prominenten Gattin Geri Halliwell vorwiegend bei Pferderennen gesichtet worden war, ist auch von Mohammed Ben Sulayem, dem Präsidenten des Automobilweltverbandes FIA, empfangen, publikumswirksam umarmt und mit einem verbalen Empfehlungsschreiben versehen worden: «Christian wird zurückkommen, und ich finde das gut. Jeder macht einmal Fehler, aber die Frage ist doch: Hat er Leistung gebracht? Am Ende geht es um Ergebnisse.» Die Formel 1 vergisst im Renntempo.Keine Eile bei Horner, Hauptsache ein SiegKaum ein Team braucht positive Resultate so dringend wie die britische Traditionsmarke Aston Martin, deren Ambitionen bislang nur ein Milliardengrab sind. Laut «Daily Mail» soll der Besitzer Lawrence Stroll Horner ein konkretes Angebot gemacht haben. Das Problem dort heisst Adrian Newey. Der geniale Designer hatte Red Bull verlassen, weil er seine Arbeit durch Christian Horner nicht genügend gewürdigt sah. Doch der Eigenbrötler kommt mit der ihm aufgedrückten Teamchef-Rolle gar nicht klar, er würde am liebsten wieder nur konstruieren. Das könnte eine Versöhnung der beiden im Sinne einer Zweckehe beschleunigen.Christian Horner spricht inzwischen davon, dass es auch Herbst oder Frühjahr werden könne, bis er zurückkomme: «Es kommt darauf an, wann sich die richtige Möglichkeit bietet. Momentan sind eine Menge Dinge in Bewegung. Aber ich bin nicht in Eile. Ich mache nur etwas, bei dem ich am Ende gewinnen kann.»Passend zum Artikel