So viele Vogelarten in Berlin sichten wie möglich: Für ein komplettes Jahr Birdwatching – oder „Birding“ – hat Selina Veng ihren Job gekündigt.
Krähen und Tauben sehen wir in der Stadt auf Schritt und Tritt, auch Spatzen, Meisen oder Stockenten sind allgegenwärtig. Aber haben Sie in Berlin schon mal ein Wintergoldhähnchen beobachtet, einen Neuntöter oder eine Waldschnepfe? Wer sich an die richtigen Orte begibt und genau hinsieht, findet erstaunlich viele Arten innerhalb der Stadtgrenze, und Selina Veng hat sich das zur Herausforderung gemacht: Die Birdwatcherin, die vor sechs Jahren aus Dänemark zum Arbeiten nach Berlin zog, nimmt sich dieses Jahr eine Auszeit, um mit ihrer Kamera so viele verschiedene Vogelarten in Berlin zu dokumentieren wie möglich. 200 will sie schaffen, aktuell ist sie bei 157. Auf Instagram gibt sie regelmäßig Updates zu ihrem „Berlin Big Year“ – ein stehender Begriff in der Szene der „Birder“, wie viele Birdwatcher sich selbst nennen. Die taz hat Veng zum Interview im Tiergarten getroffen.
taz: Frau Veng, wir haben eben mal unser Glück versucht und am Neuen See nach dem Eisvogel Ausschau gehalten. Leider ohne Erfolg. Und auf Ihrer Liste fehlt er noch.
Selina Veng: Viele Birder bezeichnen Arten, mit denen sie kein Glück haben, als ihre „Nemesis“, also quasi ihren Endgegner. So ein bisschen ist das für mich gerade der Eisvogel. Dieses Jahr scheint der Bestand durch den harten Winter zurückgegangen zu sein. Andererseits verbringt die Art das ganze Jahr in Berlin, also bin ich noch einigermaßen entspannt. Demnächst fahre ich zur Spandauer Zitadelle, von wo immer wieder Sichtungen berichtet werden. Grundsätzlich ist es nicht so schwierig, einen Eisvogel vor die Kamera zu bekommen – da gibt es andere Arten, die sich sehr gut verstecken und meistens nur zu hören sind.







