Es muss ein traumatischer Moment gewesen sein in den Villenvierteln der Republik. Man stelle sich vor: Die Aktiendepots glänzen auf dem Smartphone-Bildschirm, während man am wohltemperierten Morgenespresso nippt – und dann ploppt ein TikTok-Video von Lars Klingbeil auf. Der Finanzminister, dieser „Robin Klingbeil“ der Umverteilung, wagt es doch tatsächlich, die Grundfesten der deutschen Lebensart zu erschüttern. Er spricht über einen Aktionsplan gegen Steuerbetrug und wird konkret.„Und dann sind die Rolex und der Porsche erst einmal weg“, sagt er da in die Kamera. Man hört förmlich das Klirren der zerbrechenden Cuvée-Gläser, die zu Boden fallen und zerspringen. Die schockierte Reaktion der selbsternannten Verteidiger von Freiheit und Eigentum ließ nicht lange auf sich warten. Von Hubert Aiwanger über Wolfgang Kubicki bis hin zu Ulf Poschardt formierte sich eine Allianz der Entrüsteten – als hätte Klingbeil gerade den Einmarsch der Roten Armee in die exklusiven Garagen von Grunewald und Blankenese angekündigt.

Der Generalverdacht gegen das Garagengold

Dabei ist der Anlass eigentlich eher spröde. Gemeinsam mit Justizministerin Stefanie Hubig, seiner SPD-Parteikollegin, hat Klingbeil letzte Woche einen 26-Punkte-Aktionsplan gegen Steuerbetrug und Finanzkriminalität vorgestellt. „Wir sagen Steuerbetrug und Finanzkriminalität den Kampf an“, betont Klingbeil in seinem Video.