Sie sitzt noch nicht ganz im Hinterhof-Café in der Münzstraße, da wird Yael Inokai schon von zwei jungen Frauen angesprochen. Eine von ihnen hat Wind davon bekommen, dass hier eine Schriftstellerin interviewt werden soll. „Stimmt das? Sie schreiben?“ fragt sie engagiert und etwas ungelenk zugleich. Sie würde auch gerade über ein paar Seiten sitzen und sich immer fragen, wie man diese dann herausbringen könne. Vielleicht könne sie ihr etwas dazu sagen?
Die Angesprochene lässt sich freundlich ihre Nummer geben, sie verspricht der jungen Bewunderin, sie anzurufen und einen Kaffee mit ihr trinken zu gehen. Müsste man jetzt eine Wette darauf abschließen, ob das nur eine Abwimmelung ihrerseits war oder wirklich so gemeint, würde man stante pede auf letzteres setzen. So, wie sie hier ankam, sich niedersetzte und die ersten Fragen beantwortete, geht etwas wunderbar Menschliches und Wohlüberlegtes von ihr aus. Fast schon etwas Altmodisches, im positiven Sinne. Etwas, das man in Berlin gar nicht mehr erwartet, und dann doppelt erfreut ist, es anzutreffen.
Gegenwärtige Tage mit leichter Nervosität angefüllt
Vielleicht sollten einfach noch ein paar mehr Schweizer wie sie nach Berlin ziehen. Und der Stadt so im Vorbeigehen zeigen, dass Glück so einfach sein könnte. In dem man wieder Freundlich- und Verbindlichkeit wagt. Macht sie, die Schriftstellerin, ja auch immer noch in ihrem nun vierzehnten Berlinjahr. Dabei sind die gegenwärtigen Tage mit leichter Nervosität angefüllt für sie, denn kurz nach unserem Treffen wird ihr viertes Buch bei Hanser Berlin erscheinen. Ein Roman mit dem Titel „Die Auster“. Er erzählt von den Geheimnissen eines Luxuskaufhauses, dessen ermordeten Chef und seiner Reinigungskraft. Yael Inokai führt uns in ein Universum aus verborgenen Lebensgeschichten, sozialen Gegensätzen und seltsamen Machtverhältnissen.






