Trump schockt mit Pharma-Zöllen – aber Lonza sieht darin eine ChanceDer Pharmahersteller Lonza sieht sich dank seinem internationalen Produktionsnetz im Vorteil. Im neuen grossen Werk in Kalifornien hat er noch freie Kapazitäten.22.07.2026, 17.01 Uhr3 LeseminutenDer Hauptsitz von Lonza wird einer Kernsanierung unterzogen. Die Mitarbeiter werden temporär andere Büros in Basel beziehen müssen.Arnd Wiegmann / ReutersRund um den Basler Pharmahersteller Lonza ist viel los: Zu Beginn dieser Woche wurde bekannt, dass sein grösster Konkurrent Samsung Biologics der Firma Polypeptide, einem ebenfalls schweizerischen Auftragsfertiger von Medikamenten, ein Übernahmeangebot im Wert von fast 1,5 Milliarden Franken unterbreitet hatte. Und in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kündigte der amerikanische Präsident Donald Trump an, dass die USA auf dem Import von Generika ab August 2028 Zölle von zunächst 100 Prozent und ein Jahr später sogar von 200 Prozent einführen würden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Management von Lonza versucht, trotz diesen Turbulenzen Gelassenheit auszustrahlen. An der Halbjahreskonferenz am Basler Konzernsitz kamen der CEO Wolfgang Wienand und der Finanzchef Philippe Deecke erst auf Nachfrage auf die beiden Vorkommnisse zu sprechen.Druck auf Anbieter von BiosimilarsLaut Deecke wären 200 Prozent Zölle eine herbe Belastung für Anbieter von Medikamentenkopien. Vor allem Firmen, die mit Biosimilars Geschäfte machten, hätten wohl keine andere Wahl, als die Produktion rasch in die USA zu verschieben.Lonza gilt als weltgrösster Lohnhersteller von Medikamenten. Sein Hauptgeschäft sind Biotech-Präparate, die der Konzern für Dutzende von Kunden aus der Pharma- und Biotechnologiebranche produziert. In den meisten Fällen stehen diese Produkte aber unter Patentschutz.Biosimilars, wie legale Nachahmerprodukte im Biotech-Bereich genannt werden, gehörten bis anhin nicht zum Kerngeschäft von Lonza. Wie der Firmenchef ausführte, garantiere man Kunden, basierend auf ihrem Originalpräparat keine Aufträge für Biosimilars anzunehmen. «Das ist Teil eines Gentleman's Agreement.»Auslaufende Aufträge von RocheAnders sieht es für Lonza aus, falls die entsprechenden Patente bei bisherigen Geschäften des Konzerns nie eine Rolle spielten. Dann sei auch Lonza offen für die Herstellung von Biosimilars, sagte Wienand.«Wir können Kunden in den USA signifikante Kapazitäten offerieren», sagte Wienand. Er meinte damit wohl explizit auch Anbieter von Biosimilars.Der Lohnhersteller erwarb 2024 ein grosses Werk im kalifornischen Vacaville vom Pharmakonzern Roche. Lonza produziert dort im Moment noch Biotech-Medikamente für Roche, doch werden diese Aufträge Schritt für Schritt auslaufen. Schon jetzt ist das Werk nur noch zu 30 Prozent ausgelastet.Polypeptide erfüllte die Anforderungen von Lonza nichtPolypeptide profitierte in den vergangenen Jahren wie andere Hersteller von Peptiden stark von der Nachfrage nach Abnehmspritzen. Die Wirkstoffe dieser Medikamente bestehen aus Peptiden. Ihre Produktion gilt zugleich als komplex, weshalb selbst die beiden führenden Anbieter von Abnehmspritzen, Eli Lilly und Novo Nordisk, auf Lohnhersteller zurückgreifen.Das Baarer Unternehmen befand sich auch auf dem Radar der Lonza-Führung. «Man sehe alles, was auf den Markt komme», sagte Wienand. Offenbar erfüllte Polypeptide aber nicht die Anforderungen, die Lonza an Akquisitionen stellt.Der Konzern war bis 2017 mit einer Fabrik in Belgien selbst in der Herstellung von Peptiden tätig gewesen. Dass man damals das Werk ausgerechnet an Polypeptide verkaufte, dürften nicht wenige Mitarbeiter von Lonza heute bereuen.Wolfgang Wienand schloss zugleich nicht aus, wieder in das Geschäft mit Peptiden einzusteigen, falls sich die Gelegenheit dazu ergibt. Das Geschäftsmodell von Auftragsfertigern funktioniere für Peptide.Samsung rückt nach Europa vorSamsung Biologics, der südkoreanische Käufer von Polypeptide, konzentrierte sich bis anhin auf die Herstellung von Biotech-Medikamenten in seiner Heimat. Die Südkoreaner hatten dort derart grosse Kapazitäten aufgebaut, dass sie an Lonza in der Fertigung von Biotech-Produkten aus Säugetierzellen vorbeizogen, wie Wienand einräumte.Dank dem Kauf von Polypeptide fassen die Koreaner verstärkt auch in Europa und in den USA Fuss. Sie hätten wohl erkannt, dass ein globales Produktionsnetz die Resilienz steigere, sagte Wienand.Der Aktienkurs von Lonza gab am Mittwoch bis zum frühen Nachmittag um 3,8 Prozent auf 542.40 Franken nach. Der Auslöser dürfte eine gewisse Enttäuschung über die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr gewesen sein. Lonza steigerte die Verkäufe zwar in Lokalwährungen um 16 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken, doch hatten manche Analysten leicht mehr erwartet. Für das Gesamtjahr beliess das Management das Wachstumsziel bei 11 bis 12 Prozent.Passend zum Artikel