KommentarAlbert Rösti muss aus dem Umweltdepartement – und warme Wohnungen sollen weniger Miete kosten: Die Grünen sind die launigste Partei des SommersHinter diesen Botschaften bleibt die Öko-Partei jedoch, was sie im Kern immer gewesen ist: Aus Angst vor der Klima-Apokalypse will sie mit Verboten zurück in die Steinzeit.22.07.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenKeckes Marketing: Der übliche grüne Alarmismus wird einigermassen intelligent übertüncht.Uli Deck / dpaDie Grünen, das muss man ihnen lassen, sind immer wieder für eine launige Überraschung gut. Mit ein bisschen gutem Willen könnte man der Partei, die sich vor allem über rigorose Verbotspolitik inszeniert, nun sogar attestieren: Sie ist kompromissbereit geworden. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» liess die Präsidentin Lisa Mazzone eine erstaunliche Milde walten. Man müsse Albert Rösti, für die Grünen ein klimapolitischer Gottseibeiuns, zwar sofort das Umweltdepartement entziehen – aber Bundesrat dürfe er, wenn es denn sein müsse, schon noch bleiben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Aufmerksamkeitsökonomisch sind die Aussagen Mazzones geschickt: Die Schlagzeilen haben überdurchschnittlich viel Wirkung erzielt. Die Grünen sind die präsenteste Partei dieses Sommers. Vor dem Frontalangriff auf Rösti hat die Partei bereits eine grossangelegte Werbekampagne lanciert – im Stile des Bundesamts für Gesundheit während der Corona-Pandemie: «So schützen wir uns». Auf den Plakaten zu sehen sind Illustrationen und Instruktionen. Der übliche grüne Alarmismus wird einigermassen intelligent übertüncht mit praktischen Botschaften; etwa mit ambulanten Hitzetipps wie «regelmässig Wasser trinken». Sogar für Klimaanlagen in Altersheimen oder Schulen sind die Grünen auf einmal zu haben.Die Klima-Apokalypse nahtDie knalligen Rücktrittsforderungen und auffälligen Werbekampagnen sind im positiven Sinne populistisch. Ein guter Mix zwischen (vermeintlichem) Pragmatismus und träfen Forderungen.Hinter diesen Hochglanzbotschaften bleiben die Grünen jedoch die Partei, die sie immer gewesen sind. Aus Angst vor der nahenden Klima-Apokalypse wollen sie mit Verboten zurück in die Steinzeit. Nebst fast schon langweiligen Evergreens – bloss keine neuen AKW, ja keine neuen Autobahnen – wird es jetzt so kleinteilig, dass es durchaus unterhaltsam wäre, agierten die Grünen nicht mit heiligem Zorn. Eigenheimbesitzer sollten künftig beispielsweise die «richtigen Storen» anschaffen. Vermieter, die ihre Häuser im Sommer «überhitzen» liessen, sollten künftig Mietzinsreduktionen gewähren. Wollen die Grünen bald auch noch die Körpertemperatur regulieren?Angereichert wird dieses Unterlassungspotpourri mit ordentlich Klassenkampfrhetorik. Der Bundesrat müsse, schimpft Mazzone, seine Ferien in «klimatisierten Hotels» sofort abbrechen und sich «endlich um den Schutz der Bevölkerung» kümmern, während das Land bereits «die Hitzetoten zählt». Und Mazzone suggeriert, dass die Landesregierung – in der immerhin auch zwei Sozialdemokraten sitzen – den Bezug zur Bevölkerung verloren habe: In einer Villa am See leide man nun einmal nicht gleich unter der Hitze wie im Wohnblock im Stadtzentrum.Die Grünen bleiben apodiktischDabei ist die Lösung ganz einfach, zumindest in der Wahrnehmung von Lisa Mazzone: «Die Wissenschaft weiss, wie der Energiebedarf künftig mit Erneuerbaren gedeckt werden kann.» Diese apodiktische Haltung entspricht dem wahren Wesenskern der Grünen. Grosszügig sind sie nur mit dem Geld, das andere verdient haben. Abweichende Meinungen sind nicht erwünscht. Man verhindert, was man kann, am besten mit Verboten. Innovative Ansätze sind bei der Öko-Partei an einem sehr kleinen Ort daheim. Eine festgefahrene Ideologie lässt sich auch mit modischem – und tatsächlich gut gemachtem – Marketing gänzlich kaschieren. Und auch das feurige Engagement von Mazzone, sich als wirkmächtige Gegenspielerin von Albert Rösti zu positionieren, wirkt nicht mehrheitsfähig, solange die Forderung derart unrealistisch ist. Für Utopien ist die Schweiz nicht zu haben.Unnütz sind die leidenschaftlichen Auftritte der Präsidentin jedoch nicht. Wenn es heiss ist, hilft das den Grünen. Und mit dem AKW-Referendum kann die Ein-Thema-Partei ihr Themenfeld im kommenden Jahr wirksam bespielen. Vor den Gesamterneuerungswahlen ist das Timing günstig. Nur werden die Grünen kaum gegen Albert Rösti (und seine SVP) reüssieren – sondern wenn, dann auf Kosten der Sozialdemokraten zulegen. Das freut jeweils die Bürgerlichen am meisten: Denn je stärker die Grünen, desto grösser der Zwist im linken Lager. Rösti dürfte also sogar noch seine helle Freude an den Rücktrittsforderungen haben.Das ist vielleicht die launigste unter vielen Pointen, die den Grünen, der unterhaltsamsten Partei des Sommers, zu verdanken sind.Passend zum Artikel
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Hinter diesen Botschaften bleibt die Öko-Partei jedoch, was sie im Kern immer gewesen ist: Aus Angst vor der Klima-Apokalypse will sie mit Verboten zurück in die Steinzeit.






