PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungParteitagDie Grünen blinken vorerst linksVeröffentlicht am 03.12.2025Lesedauer: 2 MinutenDer Grünen-Co-Vorsitzende Felix Banaszak auf dem Parteitag mit der gefeierten Claudia RothQuelle: AFP/MICHAEL MATTHEYBei ihrem ersten Parteitag nach der Bundestagswahlniederlage versuchen die Grünen einen Neustart. Auf der Suche nach neuen Wählern soll aus dem Klimakampf ein Klassenkampf werden. Und zu Habeck und Baerbock wird auf Distanz gegangen.An diesem Wochenende ist in Hannover eine grüne Ära zu Ende gegangen. Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern heimlich, still und ein wenig verklemmt. Nur Claudia Roth und Lisa Paus machten eine Ausnahme und ließen sich groß feiern nach der finalen Wahl-Niederlage einer Politiker-Generation, die sie selbst maßgeblich mitzuverantworten hatten. Robert Habeck und Annalena Baerbock, die diese Ära inhaltlich wie stilistisch nach Außen geprägt hatten, ließen sich dagegen gar nicht erst in Niedersachsens Landeshauptstadt blicken. Sie hätten wohl ohnehin nur noch bei dem grünen Bemühen um einen Neuanfang im Weg gestanden – dem Versuch, sich von Habeckismus und Ampel-Versagen zu distanzieren.Es ist ja auch so schon hinreichend schwierig. Weder den beiden Parteichefs noch irgendeinem anderen Redner gelang es in Hannover, nachvollziehbar und überzeugend darzulegen, wie eine wieder erfolgreiche grüne Zukunft aussehen könnte. Wie die Partei einen Weg aus ihrer Zehn-Prozent-Bubble finden soll. Kurs halten Richtung Mitte, Richtung bürgerlicher, generationengerechter, wirtschaftsfreundlicher Reformen, wie es Parteichefin Franziska Brantner etwas verschämt und Cem Özdemir mit Blick auf die eigenen Wahlchancen in Baden-Württemberg betont deutlich empfahlen? Oder doch lieber jene Kurskorrektur nach links, die Brantners Co-Vorsitzender Felix Banaszak für die bevorstehenden Oppositionszeiten bevorzugt? Beides zusammen, irgendwie?Lesen Sie auchDie Stimmung in der Parteitagshalle, die Beschlüsse, die die Delegierten an diesem Wochenende gefasst haben, deuten darauf hin, dass Banaszaks der grünen Seele schmeichelnder Linkskurs vorerst jedenfalls die Oberhand gewonnen hat. Mehrheiten gab es in Hannover für eine Sondersteuer für Privatjets und Business-Flugtickets, für eine Rückkehr zum 9-Euro-Ticket, für eine Übergewinnsteuer für Konzerne, die ihren Gewinn auf fossiler Grundlage erwirtschaften. Für ein Klimageld, für das diejenigen „die Rechnung bekommen, die sie bezahlen können und die sie bezahlen müssen“, wie es Banaszak es in seiner Parteitagsrede ausgedrückt hat.Klimakampf als Klassenkampf. Wir hier unten, gegen die da oben. Die Grünen als neue Partner von Industriearbeitern, Supermarktkassiererinnen und Paketboten. Das ist die grobe, angesichts einer durchakademisierten, durchgegenderten Parteitagsplenums nicht vollständig glaubwürdige Botschaft dieser ersten grünen Großversammlung der Nach-Habeck-Zeit. Ob sie der Partei trotzdem aus dem Stimmungs- und Stimmentief helfen kann, wird sich spätestens bei den fünf Landtagswahlen des kommenden Jahres zeigen.