Was hat der Mensch mit einem nur fünf Zentimeter langen, wurmartigen Wesen gemeinsam, das vor mehr als 550 Millionen Jahren lebte und seine rätselhaften Abdrücke in der rötlichen Erde eines Nationalparks im Süden Australiens hinterlassen hat? Nach einer Studie, die gerade im Wissenschaftsjournal Scientific Reports erschienen ist, dominieren bei beiden die „Rechtshänder“ – zumindest soweit man bei Spriggina floundersi, die weder Arme noch Beine hatte, von Händigkeit sprechen kann.„Wenn wir über Rechts- und Linkshändigkeit sprechen, denken die meisten Menschen daran, wie sie einen Stift halten oder einen Fußball kicken“, sagt der Paläontologe Scott Evans vom American Museum of Natural History in einer Pressemitteilung. Er ist Leiter der Studie, in der die überraschende Vorliebe von Spriggina floundersi für ihre rechte Seite beschrieben wird. Das Ergebnis der Untersuchung an mehr als 100 Fossilien zeige, dass das Tier, von dem man nicht einmal genau weiß, ob es eine Art Gliederfüßer war oder doch eher so etwas wie ein Ringelwurm, „seine eigene Version von Händigkeit hatte“.Etwa 90 Prozent aller Menschen sind Rechtshänder. Bei Spriggina ist die Vorliebe für die rechte Seite zwar nicht ganz so stark ausgeprägt, aber immerhin doppelt so viele Individuen bogen ihren Körper lieber nach rechts als nach links, schreibt das Team um Evans. Nach Ansicht der Studienautorinnen und -autoren bedeutet dieses Ergebnis, dass die Präferenz des Menschen und auch vieler Tiere für die eine oder andere Seite im Lauf der Evolution viel früher entstanden ist als bisher gedacht.Haben Linkshänder einen Minderheitenvorteil?Bei heute lebenden Tierarten ist eine Vorliebe für die rechte oder linke Körperhälfte weit verbreitet. Viele Vögel suchen mit dem rechten Auge nach Würmern. Honigbienen können sich Düfte besser mit ihrer rechten Antenne merken. Und Paviane benutzen fast immer die rechte Pfote, um anderen Affen zu drohen.Graue Riesenkängurus sind dagegen Linkshänder: Sie benutzen die linke Pfote – etwa um sich über die Schnauze zu streichen oder ein Blatt vom Boden aufzuheben. Bei manchen Schimpansen scheint es dagegen von der Tätigkeit abzuhängen, welche Hand sie bevorzugen: Termiten pulen sie mit links aus Erdhügeln, Nüsse knacken sie meist mit rechts.Zumindest beim Menschen hat die Vorliebe für die eine oder die andere Hand etwas mit der „Lateralität“ des Gehirns zu tun, das aus einer linken und einer rechten Hälfte besteht: Die rechte Seite steuert die linke Körperhälfte und damit auch die linke Hand. Die linke Seite des Gehirns kontrolliert die rechte Körperhälfte mit der rechten Hand.Warum Rechtshändigkeit beim Menschen deutlich häufiger vorkommt als Linkshändigkeit, ist nicht abschließend geklärt. Eine Theorie ist, dass die linke Hirnhälfte, in der viel Sprachverarbeitung stattfindet, dominant wurde, als die Menschen anfingen zu sprechen. Sozusagen als Nebeneffekt bekam dadurch auch die rechte Hand einen Vorteil.Dass es trotzdem auch Linkshänder gibt, wird mit einer Art Minderheitenvorteil erklärt. Bei Kämpfen oder im Sport zum Beispiel haben ihre meist rechtshändigen Gegner Schwierigkeiten, die ungewohnten Bewegungen der Linkshänder vorherzusehen und zu kontern.
Rechtshändigkeit seit 500 Millionen Jahren: Wie sie bei Tieren und Menschen entstand
Nicht nur Menschen haben eine Vorliebe für eine bestimmte Seite, auch viele Tiere. Forscher haben jetzt das älteste Tier mit Rechtsdrall entdeckt:








