In diesem Sommer steht man als Hobbygärtner gewissermaßen unter Hausarrest. Bei 37 Grad und Sonne verlangt die botanische Fürsorgepflicht, dass Hortensie, Rosen und Veilchen ausreichend und somit exzessiv gegossen werden. Lässt man Balkonkästen und Blumenbeete 48 Stunden unbeaufsichtigt, verwandelt sich der Inhalt in verdorrte Wüstenbüsche.Nun könnte man seine Nachbarn um Gießunterstützung bitten. Das entspricht zum einen allerdings nicht dem Zeitgeist, in dem es schon als übergriffig gilt, jemanden ohne Ankündigung anzurufen. Zum anderen kommt man sich albern vor, für drei Lavendel-Kästen Umstände zu bereiten.Dem schüchternen, aber reiselustigen Teilzeitgärtner bleibt also nichts anderes übrig, als seine Bepflanzung anzupassen. Was dem Staat im Großen misslingt – wie man beim Spazieren durch blätterlose Buchenwälder merkt –, kann im Blumenbeet durchaus gelingen. Welche Gewächse schaffen Blütenpracht bei Hitze und Dürre, strafverschärfend im zehn Zentimeter tiefen Balkonkasten?Die Tricks der DattelpalmePflanzen haben gegen Dürre und exzessive Sonne ein paar Tricks entwickelt, auf die man schon beim Kauf achten kann: Damit über die Oberfläche wenig Wasser verloren geht, sind bei Gewächsen wie Rosmarin die Blätter klein und spitz. Auch der gräulich-silberne Schimmer von Lavendel oder Heiligenkraut hat einen schützenden Effekt. Die Blätter sind von feinen Härchen bedeckt, die Sonnenlicht reflektieren und vor botanischem Sonnenbrand bewahren. Und tief wurzelnde Pflanzen haben bei Wassermangel bessere Überlebenschancen. Sukkulenten hingegen speichern Wasser in fleischigen Blättern, die von einer dicken Wachsschicht umgeben sind. Den Effekt sieht man bei der Dattelpalme: Die hat sogar im Vergleich zur Wüstenpflanze Koloquinte eine siebenfach dickere Wachsschicht, sodass ihr auch Temperaturen bis 50 Grad nichts ausmachen. Sie könnte es diesen Sommer also auch in Saarbrücken-Burbach aushalten (41,3 Grad, Ende Juni).Manche Pflanzen sind bei der Hitze besonders durstig.Charlotte WagnerGrundsätzlich sind also mediterrane Gewächse eine gute Wahl für die Sommer der Zukunft, etwa Lavendel, Thymian, Oleander und Mönchspfeffer. Andere hitzebeständige Blümchen sind Sonnenhut und Königskerze. Das dürfte für die meisten keine Überraschung sein. Doch online warten Gärtner auch mit ein paar ungewöhnlicheren Vorschlägen auf. Der britische Gartenarchitekt Joe Swift empfiehlt etwa die Spinnenblume-Sorte „Canberra Gem“ – ein stacheliger Strauch mit spitzen, roten Blüten. Zu seinen Topf-Hitzewellen-Favoriten zählen zudem weiß-rosafarbener Herbst-Salbei, Sorte „Strawberries and Cream“, sowie Bergminze und die Bläuliche Wolfsmilch.Die Autorin dieser Zeilen hat nach einem unfreiwilligen Praxistest einen anderen Liebling: Zwischen all dem verdorrten Braun sticht im Blumenkasten in Neonpink auch nach Tagen ohne Wasser die Geranie ins Auge. Pelargonium erscheint zwar so deutsch zu sein wie die Currywurst, doch die Standardbalkonpflanze stammt eigentlich aus Südafrika. Hier finden sich allein 250 wilde Arten, auch in Australien fühlt sie sich wohl.Ein kleiner Trost, wenn die echte Rose dem Hitzeschlag erlegen ist: Die Sorte Pelargonium graveolens verbreitet das Odeur von Rosen. Andere Duft-Geranien sind etwas unkonventioneller: Manche Sorten riechen nach Schokolade oder Weingummi, man kann auch „Cola-Duftgeranien“ erwerben. Die rosige Geranie kann sogar eine Woche ohne Gießen überstehen, wie Forscher in Südafrika zeigten. Allerdings duftete sie dann weniger. Am resistentesten gegenüber Trockenheit ist laut einer Studie in „Hort-Science“ jedoch die Geranienart „Chocolate Mint“. Womöglich dürfte der Sommer für den schüchternen Gärtner also bald auf andere Art süß duften.