Michael Kretschmer hat in einem Interview gefordert, mit allen Parteien zu sprechen. Der sächsische Ministerpräsident sprach angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Osten mit dem »Handelsblatt« auch über die Brandmauer zur AfD. Wer noch davon rede, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt«, sagte Kretschmer der Zeitung. »Wir müssen mit jedem reden, der reden will.«

Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hatte erst vergangene Woche bei seiner Sommerpressekonferenz betont, die CDU werde nicht mit AfD und Linkspartei zusammenarbeiten, und auf entsprechende Parteitagsbeschlüsse verwiesen. Kretschmer ist stellvertretender Vorsitzender der Bundes-CDU.Im »Handelsblatt« berichtete Kretschmer über die Minderheitsregierung, mit der er in Sachsen regiert. Der Ministerpräsident etablierte einen Konsultationsmechanismus im Landtag, der allen Fraktionen offensteht. Einzig die AfD sagte von vornherein, dass sie sich nicht beteiligen will, sagte Kretschmer. Sie setze darauf, dass die Regierung scheitere. »Eine Partei wie die AfD schadet dem Land.«

Das Modell einer Minderheitsregierung sei keine Belastung, sagte Kretschmer. »In einer Demokratie müssen Sie immer um Mehrheiten ringen.« Aushandlungsprozesse seien der Kern unserer Demokratie. Es müsse wieder gelernt werden, unterschiedliche Meinungen und Interessen als etwas Normales und Wertvolles anzuerkennen. »Und vor allen Dingen als etwas, was wir respektieren.«