Trump droht mit Generika-Zöllen von 200 Prozent – Sandoz dürfte davon stark betroffen seinDer führende Generika-Hersteller aus Basel hat bisher darauf verzichtet, neue Fabriken in den USA zu bauen. Die Schweizer Auftragsfertiger sind dagegen schon in Amerika präsent und könnten allenfalls sogar von der Zollmauer profitieren.22.07.2026, 05.02 Uhr2 LeseminutenDer amerikanische Präsident will sich nun auch die Generika-Hersteller vornehmen, und droht hohe Zölle an.Taras Grebinets / ImagoDonald Trump droht Herstellern von Generika, dass sie ab August 2028 Einfuhrzölle von 100 Prozent bezahlen müssen, und ein Jahr später sogar von 200 Prozent. «Das wird gemacht, um die Produktion von Generika nach Amerika zurückzubringen», schrieb der amerikanische Präsident am Dienstagabend auf seiner Plattform Truth Social. In den zwei Übergangsjahren würden noch keine Zölle fällig, fügte Trump hinzu. Nichts verändern werde sich für Hersteller von Originalpräparaten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die neuen Zölle könnten für einige Schweizer Firmen erhebliche Auswirkungen haben, insbesondere für den führenden Generika-Hersteller Sandoz. Das Unternehmen aus Basel, das 2023 von Novartis abgespaltet wurde, hat seine Produktionskapazitäten in den USA abgebaut. Sandoz produziert aus Kostengründen vor allem in Österreich und Slowenien; in Kanada hat man die Produktion an ein Partnerunternehmen ausgelagert, mit dem ein langjähriger Abnahmevertrag besteht.Sandoz-Chef Richard Saynor sagte im Interview mit der NZZ im vergangenen Jahr, dass sich ein Wiederaufbau der Kapazitäten in den USA unter den geltenden Bedingungen nicht rechne. Saynor hatte auch mehrfach gewarnt, dass Zölle auf Generika Medikamente in den USA verteuern und den Zugang von Patienten verschlechtern werde.Biosimilars als WachstumsmarktTrump erwähnte in seiner Nachricht nicht explizit, ob auch für Biosimilars Zölle entrichtet werden müssen, aber man muss wohl davon ausgehen. Biosimilars sind «Kopien» von Medikamenten, die mit der Hilfe lebender Zellen wie Bakterien oder Hefepilzen erzeugt werden. Sandoz erzielte im abgelaufenen Jahr 30 Prozent seines Umsatzes mit Biosimilars und 70 Prozent mit klassischen Generika, wobei Biosimilars als wichtiger Wachstumstreiber gelten.Nicht von der neuesten Zolldrohung betroffen sind Roche und Novartis, die sich auf Originalpräparate konzentrieren. Washington hat überdies mit den meisten grossen Pharma-Unternehmen, darunter auch mit den beiden Schweizer Konzernen, Abkommen geschlossen. Diese Abkommen befreien sie von Zöllen, wenn sie im Gegenzug die Preise ihrer Medikamente reduzieren, insbesondere für die staatliche Krankenversicherung Medicaid, und wenn sie einige ihrer Produkte zum Direktverkauf über die Plattform «TrumpRx» anbieten. Zudem erwartet die Trump-Regierung, dass die Unternehmen ihre Medikamentenproduktion in den USA ausbauen, was die meisten Pharma-Riesen auch tun.Die Auswirkungen der Generika-Zölle für Schweizer Auftragsfertiger wie Siegfried, Bachem und Lonza sind weniger eindeutig. Sie verfügen bereits über bedeutende Produktionskapazitäten in den USA – und könnten je nach Ausgestaltung der Zölle sogar von mehr Aufträgen profitieren. Allen voran Lonza betreibt in Kalifornien eine sehr grosse Biotech-Fabrik.Besonders betroffen von Trumps neuester Zoll-Offensive dürfte Indien sein, der wichtigste Exporteur von Generika. Medikamente machen einen beträchtlichen Anteil der indischen Exporte in die USA aus.Passend zum Artikel