Am Mittwoch jährt sich der rechtsterroristische Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum zum zehnten Mal. Angehörige warten bis heute auf Antworten.

A uf dem Grab steht die Skulptur eines weißen Engels mit Flügeln. Am Sockel das Foto eines jungen Mannes mit Baseballcap und schwarzer Brille, die Inschrift darüber: „Guili“. Der Engel hält ein geöffnetes Buch in der rechten Hand, auf der einen Seite steht eingraviert: „Wir sind nicht alle reich, aber bluten tun wir alle gleich.“ Es ist der letzte Vers, den Guiliano Kollmann, Kosename Guili, geschrieben und zwei Stunden vor seinem Tod gepostet hatte. Daneben sein Name und seine Lebensdaten: geboren am 8. 2. 1997, gestorben am 22. 7. 2016. Er wurde 19 Jahre alt.

Normalerweise besucht Gisela Kollmann mehrmals in der Woche das Grab ihres Enkels. „Manche Friedhofsbesucher“, sagt sie, „kommen und fragen: Der war ja noch so jung, was ist denn da passiert?“ Kollmann erzählt ihnen dann, was passiert ist: Guiliano wurde am 22. Juli 2016 bei dem Attentat im Münchner Olympia-Einkaufszentrum, von den Münchnern kurz OEZ genannt, ermordet. Wie acht weitere, fast nur junge Menschen mit migrantischer Herkunft oder migrantischem Aussehen.

Guiliano Kollmanns Grab