Er lag vielversprechend in diesem Tour-de-France-Einzelzeitfahren, rasant und technisch anspruchsvoll war Florian Lipowitz am Genfer See entlang Richtung Ziel gefahren. Die Zwischenzeit wies ihn als Rangdritten aus, das Ziel war nah, doch dann geschah, was niemand sehen wollte: In einer scharfen Rechtskurve verlor der Laichinger die Kontrolle über seinen Vorderreifen, kam zu Fall und rutschte mit voller Wucht gegen eine Bordsteinkante. Zuschauer sprachen sofort auf ihn ein, boten Hilfe an. Doch der beste deutsche Rennradprofi dieser Zeit signalisierte schnell: Mit dieser Verletzung geht es für ihn nicht weiter.48 Stunden nach dem Aus von Jonas Vingegaard hat es auch Lipowitz erwischt, jene beide, die vor einem Jahr in Paris noch neben Toursieger Tadej Pogacar aufs Podium gestiegen waren. Lipowitz konnte sich zwar noch selbst erheben, die eilig herangeschaffte Trage ließ er unberührt. Doch mit einer Hand an der verletzten Schulter und erkennbaren Schmerzen ließ der 25-Jährige sein Rennrad liegen und ging zu Fuß von der Fahrbahn, ehe er in ein Begleitfahrzeug stieg. Im Ziel von Thonon-les-Bains wurde Lipowitz in der medizinischen Station versorgt, seine Freundin Antonia stand dabei. Eine Wiederkehr der Boshaftigkeit dieses Sports, die leider dazugehört. Und, wie vor zwei Tagen, als Vingegaard seinerseits gegen einen Bordstein gekracht war, hatte dieser Unfall eine Vorgeschichte.MeinungTour de France:Respektlose Doping-Fahnder? Die nächtlichen Kontrollen haben einen GrundNächtliche Dopingkontrollen bei Vingegaard und Pogacar waren das Thema der letzten Tourtage, ehe am Montag auch Lipowitz und das gesamte Red Bull-Team an der Reihe waren. „Auch wir sind heute Nacht besucht worden. Die Rennfahrer haben zum Teil schon geschlafen und haben die Kontrollen mitgemacht“, berichtete Team-Manager Ralph Denk vor dem Start im ZDF-Morgenmagazin. Anders als bei Vingegaard und Pogacar fanden die Kontrollen beim Red-Bull-Rennstall allerdings nicht mitten in der Nacht, sondern bereits gegen 22 Uhr statt. Im Fall Vingegaard kam im Fahrerlager der Verdacht des Zusammenhangs der nächtlichen Probe und des Sturzes auf.Lipowitz’ Teamkollege Evenepoel triumphiert in seiner SpezialdisziplinDer beschaulich bis verschlafene Kurort und Zielort dieser 16. Etappe war verglichen mit den Tagen zuvor nicht wiederzuerkennen. Unzählige Massen bevölkerten die Kleinstadt Thonon-les-Bains – und sahen dabei zu, wie am Ende Lipowitz’ belgischer Kapitänskollege Remco Evenepoel in seiner Spezialdisziplin triumphierte. Wie am Sonntag war nur er schneller als der Gesamtführende Tadej Pogacar, auf dem 26,1 Kilometer kurzen Zeitfahrkurs verkürzte der Olympiasieger seinen Rückstand im Gesamtklassement um eine halbe Minute, als Tagesdritter kam der Däne Mattias Skjelmose Jensen ins Ziel.Radsport:Etappenplan der Tour de France 2026: Alle Etappen im ÜberblickAm 4. Juli startete die Tour de France 2026 in Barcelona, 21 Etappen stehen auf dem Programm. Der Etappenplan im Überblick.Lipowitz war vor dem Start der Etappe auf Rang fünf gelegen, ohne den Unfall hätte er im Wettkampf um Rang drei wohl einige Sekunden auf die vor ihm gelegenen Paul Seixas aus Frankreich und den Mexikaner Isaac Del Toro gutgemacht. Auf der abendlichen Pressekonferenz erklärte Pogacar, dass auch er Probleme in der für Lipowitz verhängnisvollen Kurve hatte. „Ich bin an derselben Stelle auch fast gestürzt“, sagte er. Bei der Streckenbesichtigung habe er dies „nicht gut einsehen“ können, so Pogacar: „Ich hoffe, Lipo ist okay.“ Später am Dienstagabend gab sein Team bekannt, dass Lipowitz bei seinem Sturz einen Schlüsselbeinbruch erlitt.„Das ist ein großes Unglück. Es ist ein bittersüßer Sieg“, sagte Evenepoel im Sieger-Interview über den schweren Sturz seines Teamkollegen: „Ich wünsche ihm das Allerbeste.“ Patxi Vila, Sportlicher Leiter beim Team Red Bull, sprach von einem „seltsamen Gefühl. Wir sind glücklich und traurig. Ich hoffe, dass er schnell wieder gesund zurückkommt.“ Und so ging für die deutsche Equipe ein Tour-de-France-Tag zu Ende, der emotional kaum ambivalenter sein könnte.
Tour de France 2026: Lipowitz stürzt im Einzelzeitfahren schwer und steigt aus
Aus bei der Tour de France für den besten deutschen Radprofi: Florian Lipowitz wird eine scharfe Kurve im Zeitfahren zum Verhängnis.










