Der frisch ernannte britische Premierminister Andy Burnham ordnet das Kabinett neu – viele alte Bekannte kehren zurückDie wichtigsten Personalien im Überblick.Salome Woerlen21.07.2026, 16.11 Uhr4 LeseminutenDer neue britische Premierminister Andy Burnham bei der ersten Sitzung des neuen Kabinetts am 21. Juli in London.Eddie Mulholland / PoolAndy Burnham ist seit Montag der neue britische Premierminister. Er löst Keir Starmer ab, der im Juni seinen Rücktritt erklärte. Noch an seinem ersten Amtstag hat Burnham sein Kabinett zusammengestellt – und für Überraschungen gesorgt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Louise Haigh.Andy Rain / EPAFirst Secretary of State: Louise HaighAls First Secretary of State steht Louise Haigh formal über allen anderen Kabinettsmitgliedern und leitet künftig die Regierungsgeschäfte im Zentrum von Whitehall. Das Amt ist erstmals seit September 2021 wieder besetzt. Es erfüllt ähnliche politische Funktionen wie das des stellvertretenden Premierministers. Aus diesem Grund wird üblicherweise nur eines der beiden Ämter vergeben.Louise Haigh hatte sich dem Lager um Burnham im Mai dieses Jahres angeschlossen und unterstützte ihn bei der Rückkehr ins Parlament und an die Parteispitze. Dafür wird sie nun belohnt. Für die 38-jährige Haigh ist es eine Rückkehr ins Kabinett: 2024 hatte Starmer sie als Verkehrsministerin entlassen, weil sie eine frühere Verurteilung wegen Betrugs nicht offengelegt hatte. Sie hatte in ihren Zwanzigern ein Diensthandy als gestohlen gemeldet und die Polizei nicht informiert, als es wieder auftauchte. Nach der Entlassung sass sie als einfaches Parlamentsmitglied ohne Regierungsamt im Unterhaus.John Healey.Omar Havana / Getty Images EuropeSchatzkanzler: John HealeyDie Ernennung von John Healey zum Schatzkanzler gilt als Überraschung. Erst im Juni hatte Healey das Verteidigungsministerium im Streit verlassen, weil ihm seiner Meinung nach zu wenig Geld für den Verteidigungs-Investitionsplan zugesagt worden war. Nun wechselt er ins Finanzministerium.Zunächst war der bisherige Energieminister Ed Miliband für den Posten gehandelt worden, dann die bisherige Innenministerin Shabana Mahmood. Healey ist seit 1997 Abgeordneter und war schon unter Tony Blair Schatzkanzler. In seiner langen Karriere hat er sich in praktisch jedem Lager der Labour-Partei Vertrauen erarbeitet. Als Schatzkanzler steht Healey nun vor der Aufgabe, genau jene Finanzierungslücke zu schliessen, derentwegen er zurückgetreten war.Ed Miliband.Temilade Adelaja / ReutersAussenminister: Ed MilibandAls Energieminister unter Keir Starmer verhandelte Miliband international immer wieder mit anderen Regierungen, etwa im Rahmen der Klimapolitik. Diese Erfahrung soll für seine Ernennung zum Aussenminister den Ausschlag gegeben haben.Miliband sass bereits unter dem früheren Premierminister Gordon Brown im Kabinett. 2015 führte er Labour als Parteichef in eine Wahlniederlage, bevor er unter Starmer ins Schattenkabinett zurückkehrte. Das Schattenkabinett ist die informelle Gegenregierung der Opposition. Dort ist jeweils eine Politikerin oder ein Politiker für ein Ministerium zuständig und kontrolliert die Arbeit der amtierenden Regierung.Auch Miliband galt als möglicher Schatzkanzler. Gewerkschaften und Finanzinvestoren äusserten sich im Vorfeld skeptisch über diese Option. Sie störten sich an seiner Nähe zum linken Parteiflügel und an seinen ambitionierten Klimazielen. Als Energieminister unter Starmer trieb er die Gründung des staatlichen Energieunternehmens Great British Energy voran und blockierte neue Bohrungen in der Nordsee.Ed Miliband löst Yvette Cooper ab. In seiner neuen Funktion nennt er die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine, die Beziehungen zu den USA sowie einen tragfähigen Frieden zwischen Israel und Palästina als Prioritäten.Shabana Mahmood.Andy Rain / EPAInnenministerin: Shabana MahmoodMahmood bleibt im Amt und ist damit die Einzige der Great Offices of State, die ihren Posten unverändert behält. 2024 leitete sie Labours Wahlkampf, danach setzte sie als Justizministerin ein Programm zur vorzeitigen Haftentlassung durch, um überfüllte Gefängnisse zu entlasten.Als Vertreterin des sozialkonservativen «Blue Labour»-Flügels hat sie sich in den vergangenen Monaten ein enges Verhältnis zu Burnham erarbeitet. Als Innenministerin bleibt sie weiterhin für Migration und die umstrittene Reform des britischen Einwanderungsrechts verantwortlich. Künftig sollen sich ausländische Straftäter und illegal eingewanderte Migranten nicht mehr auf weit entfernte Verwandtschaftsbeziehungen berufen können, um eine Abschiebung zu verhindern. Sie gilt als eine der lautesten Fürsprecherinnen einer propalästinensischen Linie innerhalb der Partei und befürwortet die Anerkennung eines palästinensischen Staates.Wes Streeting.Kirsty Wigglesworth / APVerteidigungsminister: Wes StreetingWes Streeting war bis im Mai dieses Jahres Gesundheitsminister. Er trat zurück, weil er das Vertrauen in Starmer verloren hatte. Anschliessend forderte er Starmer als Premierminister heraus, scheiterte und löste damit Starmers Rücktritt aus.Streeting übernimmt das Ministerium von Dan Jarvis. Dieser hat das Ministerium erst vor sechs Wochen von Healey geerbt und zählt mit dieser kurzen Amtszeit zu den am kürzesten dienenden Verteidigungsministern der britischen Geschichte. Streeting gehört zu den wenigen Ernennungen aus dem rechten Parteiflügel.David Lammy und Rachel Reeves.Victoria Jones / Shutterstock / PA Rota – B68 / Avalon / ImagoDie Verlierer: Rachel Reeves und David LammyEtliche Vertraute von Starmer müssen unter Burnham ihre Ämter abgeben. Rachel Reeves wurde mit Starmers Amtsantritt 2024 erste Schatzkanzlerin des Landes. Sie verliert ihren Posten an Healey. Laut Berichten lehnte sie ein anderes Kabinettsamt ab. David Lammy war bislang Vizepremierminister und Justizminister, zuvor auch Aussenminister. Er wird ganz aus dem Kabinett entlassen. Sein Ressort übernimmt Alex Norris, bisher Staatsminister für Grenzsicherheit und Asyl. Reeves und Lammy standen beide für die wirtschaftsliberale Linie Starmers. Ihr gleichzeitiger Abgang zeigt, wie entschlossen Burnham sein Kabinett neu ausrichtet.Passend zum Artikel