Die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) hat nach der Empfehlung der EU-Kommission beschlossen, die Förderung der Kunstbiennale in Venedig wegen der umstrittenen Teilnahme Russlands zu beenden. Das teilt ein Kommissionssprecher in Brüssel mit. „Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden“, erläuterte der Sprecher. Eingefroren wurden die Gelder schon im April, als die Biennale überraschend die Beteiligung Russlands ankündigte.Nicht nur in der Ukraine war damals die Empörung groß – sie besitzt anders als Russland nicht den Luxus eines eigenen Pavillons. Sondern auch bei der EU und in der italienischen Regierung, besonders bei Kulturminister Alessandro Giuli. In ihren Augen stellte die Teilnahme Russlands nicht nur einen moralischen Affront dar, sondern möglicherweise auch einen Bruch der EU-Sanktionen. Doch der Präsident der Biennale, der rechte Journalist und Pietrangelo Buttafuoco, der Russland ausdrücklich eingeladen hatte, blieb hart. Er verteidigte die Teilnahme Russlands als friedensstiftende Maßnahme: „Die Biennale ist ... ein Ort des Dialogs, der Offenheit und der künstlerischen Freiheit, der Verbindungen zwischen Völkern und Kulturen fördert“.Russischer Pavillon bleibt geschlossenDoch vom Geist des Austauschs und der Versöhnung im Namen der Kunst war in dem Pavillon nichts zu spüren. Es war auch keine Kunst zu sehen. Die Russen hatten ihre Räume mit opulenten Blumenbouquets geschmückt, die nach und nach verwelkten. Dazu spielte ein DJ ohrenbetäubend lauten militanten Krawalltechno. Die Kuratorin Anastassija Karnejewa, Tochter eines beim Staatskonzern Rostec tätigen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals, nannte das ein „Performance-Projekt“ und gab ihm den Titel „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“. Es markiere das Ende von Russlands kultureller Isolation im Westen.Dass tatsächlich ein paar Versprengte in diesem zynisch-morbiden Setting mitstampften, lag indes weniger an einem wiedererwachten Interesse an Russland, sondern vor allem am Gratiswodka, der in Plastikbechern großzügig ausgeschenkt wurde. Statt mit unverfänglicher Kunst Sympathiepunkte zu machen versuchen wie etwa die USA, Israel, und andere Nationen derzeitigen Reputationsproblemen, streckte Russland der Welt den größtmöglichen Mittelfinger entgegen.Selbst die Russland-Freunde an der Biennale-Spitze dürften erleichtert gewesen sein über das Arrangement, auf das man sich schließlich geeinigt hatte, um die EU nicht noch mehr zu provozieren: Der Pavillon blieb nur während der drei Preview-Tage geöffnet. Seitdem ist er geschlossen.