Der börsennotierte Getränkehersteller Berentzen muss seine Gewinnerwartung korrigieren. Schuld hat der Verbraucher, nicht das Produkt oder seine Qualität.
B ei uns hieß er immer nur Abfallkorn. Aber das sind halt so jugendliche Sauferfahrungen, die nichts mit der Realität gemein haben. In Wirklichkeit hat der 1758 im emsländischen Haselünne gegründete Fuselbrenner Berentzen – das ist keine Beschimpfung, das ist die historisch korrekte Benennung – gut 220 Jahre später mit der Parfümierung des Korns mit zuckrigem Apfelextrakt den Spirituosenmarkt revolutioniert.
Denn damit war der zum Likör downgegradete Schnaps plötzlich etwas für die hoffnungslose Jugend geworden. Und wer sich an die Herstellerempfehlung hält, den Absacker „gut gekühlt als Kurzen“ zu kredenzen, der hat auch nicht das Problem mit dem süßlichen Geruch, der boshaft mitunter als müllig beschrieben wird.
Mit der Qualität der Kernprodukte kann es also nichts zu tun haben, dass der börsennotierte Getränkehersteller ins Schwanken gerät: Schuld ist das gewachsene Gesundheitsbewusstsein. Mitfühlende Regionalfernsehsender beklagen, dass er unter einer allgemeinen Konsumflaute leide.
Dass weniger gesoffen wird, entspricht einem langjährigen Trend. Den hatte auch das Fuselbrennermanagement bereits bemerkt: „Die Dynamik der Marktentwicklungen ist aber deutlich ausgeprägter als erwartet“, sagte Berentzen-Vorstandschef Oliver Schwegmann der Deutschen Presse-Agentur bei einer Preview auf die Halbjahreszahlen, die Mitte August präsentiert werden. Demnach ist der Umsatz um mehr als elf Prozent auf 71 Millionen Euro geschrumpft, der Betriebsgewinn sogar um 80 Prozent auf gerade einmal 600.000 Euro eingebrochen.










