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Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Mark Carney beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Foto: Tom Weller/dpa Zölle: Trumps neuer Zollhammer könnte zum Eigentor werden US-Präsident Trump verhängt Zölle in Höhe von 50 Prozent gegen Waren aus Kanada – Auslöser ist Ärger um Autos, Alkohol und Käse. Auch für die EU läuft Freitag eine Frist ab.

Noch am Sonntag verfolgte Donald Trump gemeinsam mit Premier Mark Carney das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft – nur um Kanada einen Tag später mit dem nächsten Zollhammer zu überziehen.Fair Play? Fehlanzeige – behauptet zumindest Washington gegenüber Ottawa.Die USA werfen Kanada vor, sie beim Handel mit Autos sowie Alkohol- und Milchprodukten zu benachteiligen. Deshalb wollen sie Zölle in Höhe von 50 Prozent auf zahlreiche Importe erheben – von Hockeyschlägern über Kühltechnik und Maschinen bis hin zu Wein und Zement. Die Maßnahmen seien eine Reaktion auf Kanadas vermeintlich unfaire Handelspraktiken, teilte das Weiße Haus mit.BörsenTag Kommt jetzt der TACO-Trade zurück? Die Märkte reagieren mit Verlusten auf Donald Trumps Auftritt in Ankara. Anleger können im Angesicht von Zinssorgen und Zwischenwahlen auf ein altbewährtes Muster hoffen. von Michelle JuraÄrger um Autos, Alkohol und KäseZur Begründung führte die US-Regierung drei Beispiele an:Autos: Kanada habe zwischen April 2025 und März 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 22 Prozent weniger Fahrzeuge aus den USA importiert und stattdessen Autos aus anderen Ländern bezogen. Das entspreche einem Rückgang von 5,6 Milliarden US-Dollar.Alkohol: Mit Ausnahme von Alberta und Saskatchewan hätten alle kanadischen Provinzen Einkauf, Vertrieb oder Verkauf amerikanischer Spirituosen eingestellt, ohne vergleichbare Beschränkungen für andere Länder einzuführen. Die Einfuhren amerikanischer alkoholischer Getränke seien zwischen März 2025 und Februar 2026 dadurch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 81 Prozent beziehungsweise 582 Millionen US-Dollar zurückgegangen.Käse: Kanada wendet bei Käse aus den USA deutlich restriktivere Zollkontingente an als bei Käseimporten aus der Europäischen Union – obwohl mit beiden Wirtschaftsräumen Handelsabkommen bestehen.Neben China sei Kanada damit das einzige Land, das auf Trumps Zölle mit Gegenmaßnahmen reagiert habe, „anstatt ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten auszuhandeln“, erklärte das Weiße Haus – doch was so empört klingt, dürfte die US-Regierung eigentlich nicht verwundern.Iran-Krieg Diese heiklen Folgen drohen Trump nach seinen Manipulations-Vorwürfen 27 Minuten, aber nur ein Satz zum Iran. Der US-Präsident widmet sich in seiner Rede an die Nation stattdessen einem Lieblingsthema – und präsentiert einen überraschenden Gegner. Kommentar von Sonja ÁlvarezSchließlich hatte Trump selbst seinem Nachbarn und zweitgrößten Handelspartner zuvor unverhohlen mit der Annexion als 51. Bundesstaat gedroht und über die „America First“-Politik unter Druck gesetzt – womit er wiederum unfreiwillig Carneys bester Wahlhelfer wurde.Mit der „Buy Canadian“-App in den SupermarktCarney machte klar, dass er diese Strategie nach den jüngsten Zolldrohungen weiter verfolgen wird: „Kanada ist von den Vorteilen eines freien und fairen Handels überzeugt“, teilte der Premier am Montag mit. Er habe mit seiner Regierung deshalb bereits 20 neue Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaften geschlossen. Und er sei auch bereit, die Gespräche mit den USA zu intensivieren, „um offene Fragen zum gegenseitigen Nutzen unserer Bürgerinnen und Bürger zu lösen“, so Carney. Denn die Folgen des Handelsstreits würden sie bereits heute zu spüren bekommen: „Der Handelsstreit hat die Kosten für Familien erhöht“, betonte Carney: „Insbesondere in den Vereinigten Staaten“.TKMS holt U-Boot-Auftrag So sicherte sich TKMS den U-Boot-Deal der Superlative von Sonja ÁlvarezDie Kanadierinnen und Kanadier unterstützen Carneys Konterkurs – sogar im Supermarkt. Sie verzichten beim Einkauf bewusst auf US‑Produkte, dabei hilft etwa eine „Buy Canadian“-App. Wer damit den Barcode scannt, kann prüfen, ob Lebensmittel aus Kanada stammen.Dieser Konsum-Patriotismus schlägt sich nun offensichtlich in konkreten Importzahlen nieder – was offenbar nicht nach Trumps Geschmack ist.Der US-Präsident hatte Kanada erst vergangene Woche mit neuen Zöllen gedroht, weil das Land angeblich nicht genug gegen die Waldbrände unternehme und die amerikanische Luft verschmutze – am Montag wurden dann mit Verweis auf die drei Beispiele tatsächlich neue Zölle verkündet. Sie treffen Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar.Diese Premiere könnte nach hinten losgehenAls Grundlage dient die Section 338 des Tariff Acts von 1930, mit der sich die US-Regierung gegen vermeintlich diskriminierende Behandlung wehren kann, ohne den Kongress einbinden zu müssen. Trump ist der erste Präsident, der sie anwendet. Fraglich ist allerdings, ob diese Premiere am Ende nicht nach hinten losgeht.Es gibt zwar Ausnahmen für bestimmte Waren wie Fisch oder kritische Rohstoffe, aber die neuen Zölle beziehen sich explizit auch auf Waren, die eigentlich über das Abkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada (U.S.-Mexico-Canada Agreement, USMCA) geregelt sind. Trump kündigt das Freihandelsabkommen von 2020 damit quasi zumindest mit Blick auf kanadische Waren auf. Es muss sich zeigen, ob und wie Mexiko als Dritter im Bunde darauf reagieren wird.Die neuen Zölle sollen in den nächsten 30 Tagen in Kraft treten. Gut möglich, dass Trump im Zuge seiner TACO-Neigung („Trump always chickens out“) bis zum 19. August wieder einen Rückzieher macht – aber so oder so sollte dieser neue Zollhammer gegen Kanada auch eine Warnung für die Europäische Union und Deutschland sein.Iran-Krieg Trotz Trumps Schutzgebühr-Rückzieher müssen Reeder weiter Chaos fürchten Donald Trump legt die nächste Kehrtwende hin. Der US-Präsident verzichtet auf die 20-Prozent-Abgabe in der Straße von Hormus. Doch für deutsche Reeder gibt es keinen Grund zur Entwarnung. von Sonja ÁlvarezFreitag läuft die Frist für die EU ausDenn bereits am Freitag läuft die Frist für den sogenannten „globalen Zoll“ in Höhe von zehn Prozent aus. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte die IEPPA-Zölle (International Emergency Economic Powers Act) nach der Klage des US-Spielzeugunternehmers Rick Woldenberg im Februar für unzulässig erklärt. 150 Tage hatte Trump laut Section 122 seither Zeit, um nach der Übergangsmaßnahme eine dauerhafte Lösung zu finden. Kurz nach dem Urteil hatten die USA klargemacht, dass sie die gekippten Zölle durch andere Abgaben in gleicher Höhe ersetzen wollen.Bereits Anfang Juni drohten die USA der EU im Rahmen einer sogenannten Section-301-Untersuchung mit einem Zoll von zehn Prozent auf Produkte, die angeblich von Zwangsarbeit profitieren – es gilt als wahrscheinlich, dass dieser Zoll dann den am Freitag auslaufenden „globalen Zoll“ ersetzen wird. Dazu gilt der Zoll in Höhe von 15 Prozent, der im schottischen Turnberry verhandelt wurde.Auch gegen andere Länder verhängen die USA neue Zölle. Auf Importe aus Brasilien soll ab diesem Mittwoch etwa 25 Prozent fällig werden.81Milliarden US-Dollaran Zolleinnahmen wurden bisher zurückerstattet.Der durchschnittliche Zollsatz liegt in den USA damit derzeit bei zwölf Prozent, wie eine Berechnung des Yale Budget Labs zeigt. Die Verbraucherpreise verteuerten sich demnach zwischen 0,3 Prozent und 0,6 Prozent. Für US-Haushalte bedeute das pro Jahr Mehrkosten zwischen 500 Dollar und 1100 Dollar, je nachdem, ob die Section-301-Zölle dauerhaft eingeführt werden.Trump muss Zölle in Milliardenhöhe zurückzahlenTrump will mit den Zolleinnahmen unter anderem seine Rekordschulden bedienen. Laut Yale Budget Lab könnte der Staat in den kommenden Jahren zwischen 1,2 und 1,9 Billionen US-Dollar einnehmen – zugleich muss die US-Regierung derzeit aber Zolleinnahmen zurückerstatten, die auf Grundlage der IEPPA-Zölle unrechtmäßig erhoben wurden.Bisher wurden bereits 81 Milliarden US-Dollar zurückgezahlt, auch deutsche Unternehmen wie der Landmaschinenhersteller Schumacher und der Sportartikelhersteller Adidas hatten ihre Ansprüche auf Rückerstattung geltend gemacht.Diese Lücke will der US-Präsident nun freilich mit neuen Zolleinnahmen ausgleichen. Doch Berechnungen des Peterson Institute for International Economics, ein parteiunabhängiger Thinktank aus Washington, sollten ihm eine Warnung sein. Denn neun der zehn Bundesstaaten mit dem höchsten Exportanteil nach Kanada und Mexiko – Idaho, Iowa, Michigan, Missouri, Montana, New Mexico, North Dakota, Ohio, South Dakota und West Virginia – stimmten 2024 für Donald Trump.Ausgerechnet die Trump-Hochburgen könnte die Aufkündigung des Freihandelsabkommens deshalb besonders hart treffen. Neben dem andauernden Iran-Krieg und den steigenden Öl- und Benzinpreisen wäre das eine weitere Belastung, auf die Wähler empfindlich reagieren könnten – für Trump und die Republikaner wären das keine guten Aussichten vor den anstehenden Zwischenwahlen am 3. November. 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