In knapp zwei Wochen beginnen in Bayern die Sommerferien. Spätestens wenn die Schülerinnen und Schüler am letzten Schultag die Jahreszeugnisse in die Hand gedrückt bekommen, weiß ein jeder und eine jede, ob sie sich auf die folgenden sechs Wochen freuen können oder eher nicht. Lassen die Zensuren zu wünschen übrig, droht statt Dauerbadespaß am sonnigen Baggersee die eine oder andere zusätzliche Lerneinheit im schattigen Kinderzimmer.Wer dagegen im wahrsten Sinne seine Hausaufgaben gemacht hat, darf nicht nur auf einen unbeschwerten Sommer hoffen, sondern kann all die schulischen Strapazen der vergangenen Monate und die daraus resultierenden guten Noten vielleicht auch in Bares ummünzen. So war das jedenfalls früher einmal, als es von der Oma oder vom Opa für jeden Einser einen Euro gab. Oder zumindest ein Eis für ein zeugnismäßig gelungenes Gesamtkunstwerk.Heute ist das ein wenig anders. Wer eine Eins im Zeugnis stehen hat, wird damit nicht mehr bei den Großeltern vorstellig – sondern beim Schaffner. Wie es in einer Mitteilung der Deutschen Bahn heißt, dürfen Schülerinnen und Schüler „mit ihren Bestnoten“ zum Ferienstart am 3. August nicht nur nachhaltig, sondern vor allem kostenlos 24 Stunden lang in allen Nahverkehrszügen durch ganz Bayern reisen. Trotz erstklassiger Noten allerdings nur in der zweiten Klasse.Sei’s drum, es ist eine nette Geste. Und am Ende könnte es ohnehin herzlich egal sein, in welcher Klasse man fährt, weil man zuweilen nicht weiß, wann und ob der entsprechende Zug überhaupt fährt. Wer in letzter Zeit mit der Bahn unterwegs war oder es zumindest versucht hat, hat eine leise Ahnung davon, dass so eine geschenkte Zugreise für die Einser-Schüler unter Umständen weniger eine Belohnung, sondern eher so etwas wie Nachsitzen auf Rädern ist.Wobei sie mit diesem Schicksal nicht allein sind. So war der tschechische Verkehrsminister – mutmaßlich eher in der ersten als der zweiten Klasse – kürzlich ganz vorbildlich und nachhaltig mit der Bahn unterwegs nach München zu seinem bayerischen Amtskollegen, um sich über den Zustand des Schienennetzes im Freistaat zu informieren. Wegen eines ausgefallenen Stellwerks hing er auf halber Strecke aber in Regensburg fest und ließ sich dann nicht ganz so nachhaltig mit dem Auto nach München fahren.Deshalb, liebe Schüler: Bei einer Zugfahrt in Bayern ist es nicht nur von Bedeutung, eine Eins im Zeugnis, sondern nach Möglichkeit auch einen Fahrer in der Hinterhand zu haben.
Freifahrt am ersten Ferientag für Einserschüler: Nachsitzen auf Rädern - eine Kolumne
Die Bahn spendiert Schülerinnen und Schülern mit einer Eins im Zeugnis einen Tag lang freie Fahrt in ganz Bayern. Wenn nichts dazwischen kommt.






