Es ist mal wieder geschafft, dieses lange, bayerische Schuljahr. An diesem Freitag gibt es die Jahreszeugnisse für rund 1,7 Millionen Schülerinnen und Schüler. Wer in diesem Jahr seine Abschlussprüfung an Mittel- und Realschule oder Gymnasium abgelegt hat, ist schon seit einigen Wochen aus dem laufenden Schulbetrieb entlassen.Und wie in den vergangenen Jahren auch werden Kinder und Jugendliche, die auf ihrem Zeugnis eine Eins (oder mehrere) haben, dafür belohnt. Oft allerdings nur an einem Tag – oder es sind andere Bedingungen an die „Preise“ geknüpft.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Am 3. August, das ist der erste offizielle Sommerferientag, dürfen Schülerinnen und Schüler mit einer Eins kostenlos mit den Regionalzügen der Deutschen Bahn durch den Freistaat fahren – und teils sogar in angrenzende (Bundes-)Länder: bis Lauda, Crailsheim und Ulm in Baden-Württemberg, Sonneberg in Thüringen, Salzburg, Kufstein und über die Außerfernbahn bis Reutte in Österreich sowie auf der Strecke Memmingen–Wangen–Hergatz. Dabei ist es egal, ob sie die Note in Mathe oder in Kunst bekommen haben. Wichtig ist allerdings, eine Kopie des Zeugnisses sowie einen gültigen Personal-, Kinder- oder Schülerausweis in der Tasche zu haben.Mit dem Angebot wolle die Bahn alle Schüler und Schülerinnen mit „herausragenden Leistungen“ belohnen, sagte der bayerische DB-Regio-Chef Bastian Knabe. Weil diese Leistungen sich aber nicht nur in Noten zeigten, beziehe man auch „entsprechende Verbalgutachten“ mit ein, teilte eine Sprecherin der Bahn mit. Neben der DB-Regio beteiligten sich auch alle anderen Bahnunternehmen im bayerischen Regionalverkehr an der Aktion, teilte die Bahn mit.Zugfahren in Bayern:Nachsitzen auf RädernDie Bahn spendiert zum Ferienbeginn allen Schülerinnen und Schülern mit einer Eins im Zeugnis einen Tag lang freie Fahrt in ganz Bayern. Wenn nichts dazwischenkommt. Der tschechische Verkehrsminister kann ein Lied davon singen.Auch die bayerische Seenschifffahrt bietet wieder Freifahrten an bei mindestens einer Eins im Zeugnis, auf dem Königssee, Starnberger See, Ammersee und Tegernsee. Auch hier gibt es allerdings Bedingungen: Schülerinnen und Schüler dürfen noch keine 18 Jahre alt sein und ein voll zahlender Familienangehörigen muss bei der Fahrt dabei sein. Dafür gilt diese Aktion während der gesamten Sommerferien (1. August bis einschließlich 14. September 2026), und nicht nur an einem Tag. Bei Erstklässlerinnen und Erstklässlern reicht es, wenn sie das Klassenziel erreicht haben.Auch in einigen Buchhandlungen im Freistaat gibt es Aktionen für Einser-Schüler, die allerdings mitunter an den Standort gekoppelt sind – oder eine Eins in Deutsch. In Thalia- und Osiander-Filialen gibt es eigenen Angaben zufolge einen Fünf-Euro-Gutschein für einen Deutsch-Einser oder den Nachweis, dass man sich um mindestens eine Note zum Vorjahreszeugnis verbessert hat. Eisdielen, Möbelhäuser, Elektromärkte – auch hier gibt es vereinzelt Aktionen im Freistaat.Die Freibäder in Roth und in Donauwörth verteilen Freitickets – im Freizeitbad Roth am letzten Schultag, an alle, die im aktuellen Zeugnis eine Eins oder Zwei haben. Und die ersten 100 Kinder und Jugendlichen, die ins Freibad kommen, bekommen dazu noch einen Eisgutschein. Im Freibad auf dem Schellenberg in Donauwörth haben Einserschüler am ersten Ferientag, dem 3. August, freien Eintritt.In den vergangenen Jahren sind immer wieder Zweifel laut geworden, ob diese Aktionen für besonders gute Noten noch zeitgemäß sind. Die Präsidentin des bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, Simone Fleischmann, sieht die Fokussierung auf die Note eins kritisch. In einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk sagte sie: „Die Frage ist, was gelobt wird: Wenn der eine für die Eins freies Schifferlfahren kriegt und der andere für die Zwei nicht, dann wird nur die exzellente Leistung verstärkt. In Bayern gibt es einen ganz starken Fokus auf Bestleistung, das spiegelt sich auch im Schulsystem wider.“Für die Lehrerinnen und Lehrer sei die Note zu wenig auf das Kind bezogen. „Für uns geht es auch um Persönlichkeitsentwicklung, Social Skills und Zukunftskompetenzen, die gar nicht in Noten gemessen werden.“ Einige wenige haben allerdings auch in Bayern ein Herz für Schülerinnen und Schüler mit schlechten Noten: So nimmt etwa Gottfried Held in Wasserburg am Inn Kindern und Jugendliche mit einer Fünf oder einer Sechs kostenlos auf seinem Schiff mit – seit bald 30 Jahren schon.
Zeugnisvergabe in Bayern: Wo Einser belohnt werden - und schlechte Noten auch
Sechs Wochen Sommerferien - die bayerischen Schülerinnen und Schüler haben sich das verdient. Wer gute Noten hat, kann sogar die eine oder andere Belohnung einsammeln. Eine Übersicht.







