PfadnavigationHomeICONISTTrendsArtikeltyp:MeinungHalbzeit-Show beim WM-FinaleEine bunte Promi-Parade ohne Charme und Gänsehaut, gepresst in ein Minimum an ZeitStand: 11:55 UhrLesedauer: 3 MinutenIn der Halbzeitpause des WM-Finals zwischen Spanien und Argentinien fährt die Fifa eine gigantische Show auf. Zahlreiche Stars, darunter Madonna, Shakira und Justin Bieber performen auf dem Spielfeld. Sehen Sie die Show hier im Video.Die erste Halbzeit-Show bei einer Fußball-WM bot ein Megastar-Aufgebot. Am Ende war es jedoch nichts als ein hastiges Sammelsurium mit allzu gut gemeinter Botschaft. Justin Bieber wirkte verloren – und der größte Star hatte die undankbarste Rolle.Grundsätzlich gilt die Regel: Eine Show, in der die Muppets vorkommen, und zwar nicht nur Kermit und Miss Piggy, sondern auch die geniale Band, noch dazu dirigiert von einem Weltstar – so eine Show kann nicht ganz schlecht sein. Und wenn sie dann den Song „Seven Nation Army“ von The White Stripes spielt, eine immer wieder in Fußballstadien variierte Hymne, dann hat irgendjemand etwas richtig gemacht. Dieser Irgendjemand war Chris Martin, charismatischer Frontman der Band Coldplay und von der Fifa beauftragter Kurator der ersten Half-Time-Show bei einem WM-Finale. Die Aufgabe war nicht ganz einfach: Puristen bemängelten die Show-bedingte verlängerte Halbzeit (und Sportärzte befürchteten angeblich ein Auskühlen der Athleten-Körper, was im Juli in New York ein etwas abwegiger Gedanke ist). Und der Musikgeschmack des Gastgebers, der mit seiner Frau Melania im Stadion war, ist bekanntlich eigen. Nichts wurde darüber bekannt, dass Vanilla Ice im letzten Moment abgesagt hätte. Stattdessen öffnete Chris Martin offenbar sein gut ausgestattetes Adressbuch und kuratierte eine hastige All-Star-Show. Neben den Muppets kamen: die K-Pop-Stars BTS, Justin Bieber, der Dirigent Gustavo Dudamel, Shakira mit Burna-Boy, die die offizielle WM-Hymne „Dai Dai“ sangen und von ein paar tanzenden Kindern begleitet wurden, die so viel Spaß an ihrem Auftritt hatten, dass man diese Show fast schon mögen wollte, die doch nichts war als ein Maximum an Prominenz, gepresst in ein Minimum an Zeit. Ohne Dramaturgie, frei von Charme oder gar Gänsehautmomenten. Justin Bieber und seine Gitarre wirkten verloren, fast wollte man den Jungen in den Arm nehmen – und möglichst schnell aus dem Stadion abführen. BTS waren routiniert, auf Zack, aber so kalt wie eine Häppchenplatte bei einer Tagung, wo die Keynote-Speech Überlänge hatte und sich deswegen unter der Cellophanplatte im Kühlschrank schon Schwitzwasser gebildet hat. Die Jungs schwitzten natürlich erkennbar kaum, denn größere Profis gibt es nicht im Showbusiness. Lesen Sie auchDie undankbarste Rolle hatte der größte Star. Madonna ist mit ihrem aktuellen Album „Confessions II“ mal wieder die Nummer 1. Sie spielte aber nicht ihren neuen Hit „Danceteria“ (vermutlich zu viel Sex und Drogen), sondern ihr universelles Ermutigungslied „Music“ („Music makes the people come together“). Vermutlich um die Umbauten im Stadion zu überbrücken, startete ihr Auftritt in einer Tiefgarage zwischen Rollerblade fahrenden Tänzern – eine Verbeugung vor der New Yorker Disco „Roxy“, die in den Anfangsjahren ihrer Karriere eine gewisse Rolle spielte. Dann fuhr sie in einem Dune-Buggy aufs Spielfeld, neben ihr die brasilianischen Fußballlegenden Ronaldo und Ronaldinho. Es war ein ungewöhnlicher Anblick: Grundsätzlich bevorzugt sie bei ihren Auftritten junge, durchtrainierte Typen – Boy-Toy-Material, um in ihrem ungebrochenen Jargon zu sprechen. Die beiden behäbigen, älteren Männer in übergroßen Trikots mit den korrekten Nummern – das erinnerte an den Werbespruch für den allerersten Dinosaurier-Film von Spielberg: „Etwas hat überlebt“. Von kurios zu peinlich wechselte es dann im Finale, als der Grundschulchor der PS22 mit Martin den neuen Coldplay-Song „Believe in Love“ sang und im Zentrum des New York-New Jersey-Stadions das Wort „Love“ bildete. Eine versöhnliche Neo-Hippie-Message, wie sie Martin zuverlässig bei seinen eigenen Konzerten liefert. Und ein bizarrer Kontrast zu einer WM, die mitreißende Spiele, aber auch Diskussionen um Kartenpreise, Schiedsrichterentscheidungen und natürlich eine auf Präsidentengeheiß zurückgezogene Rote Karte geboten hatte. Zum Abschied hatte Donald Trump erklärt, dass man beim nächsten Mal das Turnier ohne Mexiko und Kanada ausrichten wolle. Bei der weltumarmenden Botschaft der Halbzeit-Show sind ihm vermutlich die Augen zugefallen. Oder um es mit einem Experten zu sagen, dem Fußballer Wayne Rooney: „Mein Highlight war, als es vorbei war. Ich fand es Schrott.“
Halbzeitshow beim WM-Finale: Promi-Parade frei von Charme und Gänsehaut - WELT
Die erste Halbzeit-Show bei einer Fußball-WM bot ein Megastar-Aufgebot. Am Ende war es jedoch nichts als ein hastiges Sammelsurium mit allzu gut gemeinter Botschaft. Justin Bieber wirkte verloren – und der größte Star hatte die undankbarste Rolle.












