Eine kleine Horror-Show: Madonna, Shakira und Justin Bieber hetzten durch die 30-minütige Halbzeitpause des WM-FinalsDas Showprogramm ist prominent besetzt, doch es wirkt deplatziert an diesem Final zwischen Argentinien und Spanien.20.07.2026, 00.49 Uhr3 LeseminutenDie amerikanische Sängerin Madonna teilt sich bei der feierlichen Showeinlage in East Rutherford die Bühne mit den ehemaligen brasilianischen Fussballlegenden Ronaldinho und Ronaldo.Mike Segar / ReutersÜber Konventionen wird im Fussball selten gesprochen. Warum auch? Das Spiel ist einfach, lässt sich schnell begreifen. Allerdings geht es manchmal um das Drumherum, das Beiwerk, die Girlande. So wie im Final der WM zwischen Argentinien und Spanien, eine Ansetzung, die schon durch die blosse Nennung der beiden Namen elektrisiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Halbzeitpause dauerte eine halbe Stunde – weil ein Showprogramm aufgefahren wurde, das dem einer Super-Bowl-Halbzeitshow in nichts nachstand. Man muss sich das einmal vorstellen: Gerade ist das Spiel unterbrochen, die beiden Teams gehen in die Kabine, es gibt keine Möglichkeit, einfach mal durchzuatmen und zu sortieren, was man gerade gesehen hat. Stattdessen: Shakira, die mittlerweile so etwas wie ein Fifa-Maskottchen ist. Der ehemalige Teenie-Schwarm Justin Bieber. Aber auch, durchaus ehrfurchtgebietend: Madonna.Ein hochkarätiges Ensemble aus Coldplay, Shakira, Burna Boy sowie den weltbekannten Figuren der Sesamstrasse und der Muppets ist ebenfalls Teil der Halftime-Show.Jeenah Moon / ReutersRobbie Williams als RandfigurEin solches Kaliber braucht den angemessenen Rahmen. Den gab es zuvor mit dem tatsächlich fussballbegeisterten Robbie Williams, der gemeinsam mit Nicole Scherzinger und Laura Pausini «Desiree» sang. Der notorische Tom Cruise pries die völkerverbindende Kraft des Spiels, es sei eine «language spoken without words». Letzte Worte, bevor es losging, sprach Michael Buffer, der legendäre Ringsprecher aus dem Boxen, dessen «Let’s get ready to rumble» so deplatziert wirkte.Drei derart unterschiedliche Namen binnen so kurzer Zeit auftreten zu lassen und den Rasen dafür zu präparieren, zeugt von guter Planung. Und tatsächlich erinnerte das Tempo an einen Boxenstopp in der Formel 1. Schnell war der Rasen bedeckt mit einer Plane, die aussah wie ein Graffito aus den frühen achtziger Jahren.Die Musiker Nicole Scherzinger, Robbie Williams und Laura Pausini bestritten das offizielle Vorprogramm vor dem WM-Endspiel zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium.Paul Terry / ImagoMadonna sang ihren rhythmisch aufgemöbelten Klassiker «Music» auf einem überdimensionierten Go-Kart, an dessen Steuer Ronaldo der Ältere sass, Ronaldinho als Beifahrer, was für sich genommen eine ziemlich charmante Idee ist, während Bieber solo, ein wenig schaurig, mit der Gitarre auftrat.Nur wird man den einzelnen Künstlern auf der Bühne nicht gerecht, sie regelrecht durchzusetzen, zumal sich unter ihnen mit Madonna immerhin eine Frau befindet, die für sich beanspruchen kann, gesellschaftliche Konventionen über Jahre gebrochen zu haben.Am Ende aber steht dann doch eine institutionelle Einhegung, wie sie klarer nicht sein könnte: Madonna in der Halbzeitpause eines Wettbewerbs, der einerseits der beliebteste der Welt ist, andererseits aber von einer Organisation ausgerichtet wird, die sich während dieses Turniers selbst viel Kritik gefallen lassen musste. Und doch muss man der Fifa attestieren, dass immerhin genug Stilbewusstsein vorhanden war, Madonna und Shakira zu verpflichten und nicht Taylor Swift.Sind 30 Minuten bald Normalität?Womöglich war Madonna die beste Markenbotschafterin, die die Fifa finden konnte, wenn es darum geht, neue Konventionen zu etablieren. Luis de la Fuente, der spanische Trainer, sagte, es sei in ein paar Jahren vielleicht völlig normal, dass eine Halbzeitpause an so einem Anlass 30 Minuten beträgt.Konditionierung durch Wiederholung: Das ist offenbar ein Projekt, dessen Verwirklichung gerade im Gange ist. Es geht ganz offensichtlich darum, den Fussball in Nordamerika auf eine Weise zu implementieren, dass er für das amerikanische Publikum geniessbar ist. Andererseits: Wer horrendes Geld für ein Finalticket ausgibt, der bekommt wenigstens etwas geboten. Ein Ticket für Shakira oder Justin Bieber ist nicht billig, und eines für Madonna ist erst recht nicht preiswert zu haben.Passend zum Artikel
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